International
Drogen

Mexikanischer Drogenboss «El Mencho» tot

USA setzten 15 Mio. Dollar Kopfgeld aus: Drogenboss «El Mencho» in Mexiko getötet

22.02.2026, 19:4123.02.2026, 07:57

Bei einem Militäreinsatz zur Festnahme des mexikanischen Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes, «El Mencho», sind sieben Menschen ums Leben gekommen, darunter der mächtige Kartellanführer selbst. Dies bestätigte das mexikanische Verteidigungsministerium.

A police officer stands guard by a charred vehicle after it was set on fire, on a road in Guadalajara, Jalisco state, Mexico, Sunday, Feb. 22, 2026, after the death of the leader of the Jalisco New Ge ...
In Guadalajara wurden nach dem Tod von «El Mencho» Autos in Brand gesteckt.Bild: keystone

«El Mencho» wurde bei der Operation schwer verletzt und starb, als er auf dem Luftweg nach Mexiko-Stadt transportiert wurde, hiess es in der offiziellen Mitteilung. Bei dem Einsatz in der Gemeinde Tapalpa im westlichen Bundesstaat Jalisco seien zudem zwei mutmassliche Mitglieder des Kartells Jalisco Nueva Generación festgenommen worden. Drei Soldaten wurden demnach verletzt und mussten dringend in ein Krankenhaus gebracht werden.

Die USA hatten eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar (rund 11,6 Mio. Franken) auf den 59 Jahre alten «El Mencho» ausgesetzt. Washington reagierte auf die Nachricht seiner Tötung über den stellvertretenden US-Aussenminister Christopher Landau. Einer der «blutigsten und rücksichtslosesten Drogenbosse» sei getötet worden, schrieb er auf der Plattform X. «Das ist eine grossartige Entwicklung für Mexiko, die USA, Lateinamerika und die ganze Welt. Die Guten sind stärker als die Bösen».

Brennende Fahrzeuge in mehreren Städten

Sicherheitskräfte führten eine Operation in Tapalpa im Bundesstaat Jalisco durch, die eine starke Reaktion von mutmasslichen Bandenmitgliedern auslöste, wie Gouverneur Pablo Lemus auf X mitteilte. In mehreren Bundesstaaten, darunter in Jalisco, Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato, wurden Strassen mit brennenden Autos, Lastwagen und Bussen gesperrt.

Auch wurden Feuer in Apotheken und kleinen Einzelhandelsgeschäften gelegt. In der von Touristen beliebten Stadt Puerto Vallarta an der Pazifikküste waren in Videos brennende Autos und grosse schwarze Rauchwolken zu sehen, die zwischen den Gebäuden aufstiegen. Die Behörden riefen die Menschen dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen.

Auch die US-Botschaft in Mexiko gab eine Sicherheitswarnung für US-Bürger aus. Aufgrund laufender Sicherheitsoperationen und Strassensperren sollten US-Bürger an den betroffenen Orten bis auf weiteres in ihren Unterkünften bleiben, hiess es.

Vorliebe für Hahnenkämpfe

«El Mencho» wurde 59 Jahre alt. Er wurde am 17. Juli 1966 in Aguililla geboren, einer armen Gemeinde im westlichen Bundesstaat Michoacán. In der mexikanischen Unterwelt wurde er wegen seiner Vorliebe für Hahnenkämpfe der «Herr der Hähne» genannt. Sein weiterer Spitzname, «El Mencho», soll eine Ableitung seines Vornamens Nemesio sein. Zahlreiche Narco-Lieder, «narcocorridos» genannt, feiern seine kriminellen Machenschaften.

Die US-Regierung hatte das extrem gewalttätige Drogenkartell von «El Mencho» als ausländische Terrororganisation eingestuft. Das von ihm geführte Verbrechersyndikat ist nach Angaben der US-Behörden eine transnationale Organisation mit Verbindungen bis nach China und Australien. Neben dem Handel mit Fentanyl ist sie demnach auch in Erpressung, Schleusung von Migranten, Diebstahl von Öl und Mineralien sowie Waffenhandel verwickelt.

Vom Polizist zum Kartell-Anführer

Nach Angaben des US-Finanzministeriums ist Oseguera seit den 1990er Jahren in den Drogenhandel verwickelt. 1994 wurde er in Sacramento im US-Bundesstaat Kalifornien wegen Heroinschmuggels verhaftet. Nach drei Jahren Gefängnis wurde er nach Mexiko abgeschoben – und heuerte im westlichen Bundesstaat Jalisco als Polizist an.

Später schloss er sich dem Milenio-Kartell an, eines der ersten mexikanischen Verbrechersyndikate, die mit synthetischen Drogen handelten. Er arbeitete dabei mit dem Sinaloa-Kartell des Drogenbosses Joaquín «El Chapo» Guzmán zusammen. Später kam es zur Abspaltung und Gründung des CJNG-Kartells. Unter Osegueras Führung entwickelte es sich rasch zu einer der mächtigsten kriminellen Organisationen Mexikos.

Die Vier-Buchstaben

Das «Unternehmen mit den vier Buchstaben», wie das Kartell von seinen Mitgliedern genannt wird, verfügt über ein grosses Waffenarsenal und gepanzerte Fahrzeuge. In Mexiko verübte es blutige Anschläge auf Sicherheitskräfte, hängte Leichen an Brücken auf und schoss einmal sogar einen Militärhubschrauber ab, wobei neun Menschen ums Leben kamen. Dem Kartell wird vorgeworfen, junge Menschen auch mit falschen Jobangeboten anzulocken, um sie zwangsweise zu rekrutieren.

«El Mencho», der ein unauffälliges Leben führte, soll ein Milliardenvermögen besitzen und Geld mit Immobilien, Viehzucht und Musikgeschäften gewaschen haben. Regionale Musikgruppen haben Lieder über ihn komponiert. In den sozialen Netzwerken kursieren immer wieder mutmassliche Propagandavideos des Kartells. Darin sind schwer bewaffnete Männer in Kampfuniformen zu sehen, die sich als «Leute von Señor Mencho» bezeichnen. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
7 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7
Warnzeichen: In Estland fordert plötzlich eine russische Minderheit Autonomie
Eine mutmasslich russische Drohne stürzt auf Kraftwerk – und nun sind auch noch Autonomie-Forderungen aufgetaucht. Im Baltikum werden Erinnerungen an die Krim und den Donbass wach.
Auf den ersten Blick sind es nur zwei Schrammen, die eine Drohne auf einem roten Kamin der Elektrizitätswerke Narva hinterlassen hat. Die Drohne sei von Osten her aus dem russischen Luftraum gekommen, hiess es bei der Kraftwerksleitung, sie habe keine Schäden angerichtet und niemanden verletzt. Doch sollte es sich dabei tatsächlich um eine russische Drohne gehandelt haben, ist Alarm angesagt.
Zur Story