International
Drogen

Thailand krebst zurück – wo Kiffen auf der Welt derzeit legal ist

Bangkokís Patpong Street Food Night Market in Thailand - 30 Mar 2023 A detail view of the Sarica cannabis bar. Bangkoks infamous red-light entertainment district, Patpong, has reopened since the covid ...
Cannabis-Neonschilder in Bangkok: In Thailand steht legales Kiffen unter einem Fragezeichen.Bild: www.imago-images.de

«Ausgekifft»: Thailand will Cannabis wieder verbieten – wo auf der Welt es noch legal ist

Seit der Legalisierung von Cannabis vor 18 Monaten ist Thailand zum Kiffer-Mekka schlechthin geworden. Doch schon bald könnte es sich ausgekifft haben: Die neue Regierung will den Cannabis-Konsum so schnell wie möglich wieder verbieten.
20.01.2024, 18:0720.01.2024, 18:39
Philipp Reich
Folge mir
Mehr «International»

Gross war die Überraschung im Juni 2022: Als erstes Land in Asien legalisierte Thailand vor rund 18 Monaten den Anbau und den Besitz von Cannabis. Noch kurz zuvor wurden Kiffer und Dealer mit ebenso drakonischen Strafen belegt wie in vielen anderen Teilen des Kontinents, wo Menschen bisweilen hingerichtet werden, wenn sie mit kleinsten Mengen Gras erwischt wurden.

Dann die 180-Grad-Wende: Die damalige Regierung setzte nicht nur eine Legalisierung von Cannabis durch, sondern förderte gar die Kultivierung der Pflanze. Millionen von Setzlingen wurden an die gut 70 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner des Landes verteilt. Mit einer wichtigen Einschränkung allerdings: Der maximale THC-Gehalt des zum Anbau zugelassenen Cannabis durfte nur bei 0,2 Prozent liegen. Zum Vergleich: In der Schweiz darf Cannabis mit einem THC-Gehalt von bis zu 1 Prozent legal gehandelt und verkauft werden.

June 13, 2023, Bangkok, Thailand: A shop worker holds a cannabis bud with a tweezer in a cannabis dispensary in Bangkok, Thailand, on June 13, 2023. Bangkok Thailand - ZUMAm177 20230613_zip_m177_010 C ...
In Thailand gibt es mittlerweile Tausende Shops, wo Cannabis erhältlich ist.Bild: www.imago-images.de

Ziel der Regierung war es, mit dem Export von medizinischem Cannabis das grosse Geschäft zu machen. Zudem sollte die Legalisierung eine Entspannung in den überfüllten Gefängnissen Thailands bringen. Doch die Regierung verkalkulierte sich: Im Land schossen in der Folge Kifferläden wie Pilze aus dem Boden.

Fast 6000 Ausgabestellen gab es im letzten Jahr im ganzen Land – rund ein Viertel davon in der Hauptstadt Bangkok, viele weitere in Touristenregionen wie Pattaya und Phuket. Die Entkriminalisierung war zudem ein grosser Anziehungspunkt für Touristen. Obwohl Kiffen in der Öffentlichkeit nach wie vor verboten war, wurde Gras geraucht, was das Zeug hält. Kein Wunder: Schliesslich ist Thailand eines von nur acht Ländern weltweit, in denen der Freizeitgebrauch von Cannabis legal ist.

Länder mit legalisiertem Cannabis für den Freizeitgebrauch:

  • Uruguay (2013)
  • Georgien (2018)
  • Südafrika (2018)
  • Kanada (2018)
  • Mexiko (2021)
  • Malta (2021)
  • Thailand (2022)
  • Luxemburg (2023)

Doch seit letztem September ist eine weitere Kehrtwende im Gang: Die konservative Koalitionsregierung unter Führung der Pheu-Thai-Partei sagte dem kaum regulierten Konsum von Cannabis wieder den Kampf an. Diese Woche wurde ein neuer Gesetzesentwurf verabschiedet, der vorsieht, dass Marihuana künftig nur noch für medizinische Zwecke verwendet werden darf. Ob der Kauf von Cannabis einen ärztlichen Nachweis erfordern soll, ist noch nicht bekannt.

Fest steht indes, dass auch Werbe- und Marketingkampagnen für Cannabisknospen und -extrakte sowie andere Cannabisprodukte verboten werden sollen. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, muss gemäss Gesetzesentwurf mit happigen Konsequenzen rechnen. Es drohen hohe Geldbussen und Gefängnisstrafen, wie CNN berichtet.

Wieder drakonische Strafen?

Werbung oder Vermarktung von Cannabis für den Freizeitgebrauch könnten mit bis zu 100'000 Baht (ca. 2450 Franken) geahndet werden. Der Anbau ohne Lizenz könnte Gefängnisstrafen von ein bis zu drei Jahren oder Geldstrafen von 20'000 bis 300'000 Baht (ca. 490 bis 7345 Franken) nach sich ziehen.

Die aktuelle Gesetzeslage müsse «korrigiert» werden, sagte Thailands neuer Premierminister Srettha Thavisin in einem Interview mit Bloomberg. Einer Nutzung als Freizeitvergnügen erteilte er eine klare Absage: «Drogenmissbrauch ist ein grosses Problem für das Land, das nicht ausreichend angegangen wird», so Srettha Thavisin.

epa10843110 Thai Prime Minister Srettha Thavisin addresses the media after chairing a special cabinet meeting ahead of the government's policy announcement at Government House in Bangkok, Thailan ...
Thailands Premierminister Srettha Thavisin hält nichts von einer liberalen Drogenpolitik.Bild: keystone

Während Thailand auf das Ergebnis der Änderungen wartet, sind die Kifferläden in Bangkok und Umgebung weiterhin geöffnet. Allerdings gibt es bereits einige Vorschriften, die den Konsum von Cannabis einschränken. Wer also bereits einen Urlaub in Thailand gebucht hat und dort Kiffen möchte, muss unter Umständen mit ernsten Konsequenzen rechnen.

Ein Ende der liberalen Cannabis-Politik wäre nicht nur für Thailands Kiffer und Coffeeshop-Betreiber eine herbe Enttäuschung. Auch viele Bauern müssten sich umorientieren: Sie hatten im vergangenen Jahr begonnen, auf einigen Feldern Cannabis-Pflanzen anzubauen. Angeblich lasse sich mit Gras pro Hektar 60-mal so viel verdienen wie mit Reis, berichteten thailändische Medien. Der Goldrausch könnte bald Geschichte sein.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Zum Internationalen Marihuana-Tag: Das sind die schönsten Joints der Welt
1 / 14
Zum Internationalen Marihuana-Tag: Das sind die schönsten Joints der Welt
Der internationale Marihuana-Marsch wird weltweit in über 100 Städten durchgeführt. Jedes Jahr gibt es einen, der es ein wenig übertreibt ...
quelle: epa/efe / luis eduardo noriega
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Darf man nach dem CBD-Konsum noch Autofahren?
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
92 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Krasse Siech
20.01.2024 19:43registriert Dezember 2023
Ich habe Erfahrung mit Cannabis und Alkohol. Mein verstorbener Bruder mit Heroin und Speed. Will nicht verniedlichen: Chronischer Cannabiskonusm mit der heutigen THC- Potenz ist nicht gut. Aber noch immer gesünder als anderes. Und dass jd. , der in der Woche einen Joint kifft, das Billet nicht mehr sieht, wenn es entzogen wurde, ist eine Frechheit.
8133
Melden
Zum Kommentar
avatar
Der_Radiator
20.01.2024 19:50registriert März 2021
Ich bin gerade aus Thailand zurück, die Kiffer-Shops sind alle ziemlich leer. Wenn dann mal Kundschaft da ist, dann kommen die Herren mehrheitlich aus dem arabischen Raum. Also die Gleichen, welche exzessiv in Thailand dem Alkohol und den leichten Damen frönen.
Im Übrigen, ist Kambodscha, seit Jahrzehnten das echte (billige) Kiffer Paradies in Südostasien.
4410
Melden
Zum Kommentar
avatar
The resa
20.01.2024 20:43registriert September 2023
In den 90ern, als in Phuket lebte, kam mal ein Deutchscher unter die Justizräder, nachdem seine tolle Idee, Aktfos von seinem Girl zu machen nach hinten los ging. Aber nicht nur das: er hatte auch noch ein Amulett mit dem Bildnis von Bhumipol, dem damaligen König Rama IX, vor ihrem Busch platziert, (artsy). Das Ganze in ein lokales Fotolabor gebracht zum Entwickeln. Die haben pflichtbewusst die Behörden alarmiert. Er kassierte 3-5 Jahre für Pornographie und Majestätsbeleidigung.
So peinlich im Knast: Warum hockst du? Bewaffneter Raub. Und du?
Äh... Darwin
356
Melden
Zum Kommentar
92
Veto der Präsidentin überstimmt: Umstrittenes Gesetz in Georgien endgültig verabschiedet

Trotz wochenlanger Massenproteste hat das Parlament von Georgien endgültig ein Gesetz zur schärferen Kontrolle der Zivilgesellschaft verabschiedet. Für das Gesetz votierten ungeachtet der Kritik von EU und USA am Dienstag 84 der insgesamt 150 Abgeordnete. Damit überstimmte das Parlament auch ein Veto der proeuropäischen Präsidentin Salome Surabischwili. Für die Zurückweisung des Vetos reicht eine einfache Mehrheit aus.

Zur Story