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Faktencheck

Politikerin hatte wirklich ein Teststäbli in der Nase – Fake-News-Verbreiter irren sich

Eine neue Falschinformation zum Corona-Test von Klagenfurts Bürgermeisterin macht derzeit die Runde. Wir klären im Faktencheck auf.



Behauptung

Klagenfurts Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz hat sich ausserhalb des Nasenflügels auf das Coronavirus testen lassen.

Diese Behauptung kursiert seit Tagen auf Plattformen wie Twitter und Facebook. Als «Beleg» dazu dient ein schlecht aufgelöstes Bild des Coronatests, auf dem sich angeblich das Teststäbchen ausserhalb der Nase befindet. Die Behauptung kursiert seit dem 17. Dezember auf Facebook und seither auf Plattformen wie Facebook und Twitter tausendfach weiterverbreitet.

Bewertung

Die Behauptung ist eine Falschmeldung.

Das Bild wird in einer niedrigen Auflösung verbreitet, auf dem nicht klar erkennbar ist, ob das Teststäbchen tatsächlich in der Nase war. Der Ausschnitt in einer höheren Auflösung zeigt eindeutig, dass das Stäbchen in die Nase eingeführt wurde. Das Bild wird daher in einem sinnentstellenden Kontext verwendet, um etwas zu behaupten, das nicht der Wahrheit entspricht.

So sehen die Falschmeldungen aus:

Analyse

Das Originalbild wurde vom Klagenfurter Fotografen Gert Eggenberger am 11. Dezember 2020 gemacht und über die Fotoagenturen APA sowie Keystone/SDA (die auch von watson verwendet wird) weiterverbreitet.

Der Corona-Test wurde laut einer Medienmitteilung der Stadt Klagenfurt am 11. Dezember am Standort der Kärntner Messen durchgeführt. An diesem Tag liessen sich neben der Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz, auch andere Mitglieder des Stadtsenats testen.

Erstmalige Veröffentlichung

Das Foto wurde am 17. Dezember um 15:20 Uhr von der «Kleine Zeitung» in einer niedrigen Auflösung veröffentlicht. Diese Variante wurde vermutlich für die Falschbehauptungen verwendet, da beide Varianten nicht deutlich zeigen (siehe GIF-Vergleich unten), dass das Stäbchen tatsächlich in der Nase war.

Animiertes GIF GIF abspielen

Wir haben das Bild der «Kleine Zeitung» und jenes der Facebook-Posts als Animation übereinander gelegt. APA/GERD EGGENBERGER, GIF: watson

Am selben Tag, um 19:29 Uhr, veröffentlichte eine Person das Bild der «Kleine Zeitung» in einem Facebook-Post, in dem die Falschbehauptung erstmals aufgestellt wurde. Ihr Kommentar dazu:

Der neue Corona Test von der Bürgermeisterin aus Klagenfurt Maria Luise Mathiaschitz, ich glaube der geht ins Ohr 🤔👂 oder er ist auf der Wange 🤔😴seht euch das Foto genau an 🤧

Die Falschbehauptung ging danach – ohne weitere Quellenangabe – viral. Der Beitrag wurde in Facebook-Gruppen wie «Gegen die CORONADIKTATUR in Österreich 🇦🇹 – Die Demogruppe» gepostet, einzelne Beiträge wurden alleine rund 2000 mal weiterverbreitet. Auf Twitter wurden dieselben sinnentstellende Posts veröffentlicht.

So sieht das Originalfoto aus

Dass es sich dabei um eine Falschmeldung handelt, lässt sich mit einer einfachen Recherche überprüfen. Die «Kleine Zeitung» hat mit APA/Gert Eggenberger die Bildquelle korrekt wiedergegeben. Die APA-Fotodatenbank liefert unter dem Suchbegriff «Mathiaschitz» kostenlos eine genügend gute Auflösung, die das Stäbchen eindeutig in der Nase zeigen.

Recherche-Aufwand: weniger als eine Minute.

Caption ABD0018_20201211 - KLAGENFURT - ÖSTERREICH: Klagenfurts Bürgermeisterin Maria Luise Mathiaschitz bei der Abnahme eines Abstiches im Rahmen von Covid-19-Massentests in Klagenfurt am Freitag, 11. Dezember 2020. Zwischen 11. und 13. Dezember finden in ganz Kärnten Coronavirus-Massentests statt. - FOTO: APA/GERD EGGENBERGER

Auf diesem kostenlosen Layout-Foto ist bereits deutlicher erkennbar, dass das Stäbli drin war. Bild: APA/GERD EGGENBERGER, screenshot: watson

Wir wollten es genauer haben und haben den Fotografen gebeten, uns eine noch grössere Auflösung zur Verfügung zu stellen. Darauf ist eindeutig sichtbar, was sich am Morgen des 11. Dezembers in den Kärntner Messen ereignet hatte: Das Stäbchen war drin. Und Mathiaschitz litt vermutlich dabei. Sie musste sich zumindest die Augen zukneifen, so, wie es sich beim unangenehmen Corona-Test gehört.

Bürgermeisterin Maria Luise Mathiaschitz

Das Stäbchen war drin. Wirklich. Und jetzt hört auf, die Falschmeldung weiterzuverbreiten. Bild: APA

Recherche-Aufwand: Zwei Mails, ein Telefonat sowie eine Aufwandsentschädigung für den Fotografen.

Der Fotograf erinnert sich: «Bei diesen Tests waren mehrere Politiker dabei, ein grüner Stadtrat war sogar positiv.» Zur missbräuchlichen Verwendung teilt er mit, dass er die Fotos im Auftrag der Agentur gemacht habe und nicht beeinflussen könne, was mit seinen Aufnahmen passiert.

Klagenfurts Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz teilt mit, dass sie sich am 11. Dezember «gemeinsam mit dem Landeshauptmann von Kärnten, Dr. Peter Kaiser habe testen lassen». Das Testergebnis – es war negativ – sei ihr rund eine Stunde später per SMS mitgeteilt worden.

Unser Fazit: Die Falschbehauptungen werden schneller verbreitet als Fakten. Überprüft darum immer Aussagen, bevor ihr auf den «Share»-Button klickt. 🤌

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