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Die dubiosen russischen Kreditgeschäfte von Le Pens Front National

Bild: EPA/EPA



Der französische Front National schuldet einer obskuren Moskauer Firma rund neun Millionen Euro. Die Firma verfügt nach Recherchen der österreichischen Nachrichtenagentur APA und des Tages-Anzeigers am offiziellen Firmensitz nicht einmal über einen Briefkasten.

Die russische First Czech-Russian Bank, die 2014 mit einem Neun-Millionen-Euro-Kredit an Marine Le Pens Front National (FN) für internationale Schlagzeilen gesorgt hatte, steht seit 24. März 2016 unter staatlicher Verwaltung. Mitte September wurde die Kleinbank für zahlungsunfähig erklärt und wird nunmehr von der russischen Einlagensicherungsagentur ASW abgewickelt.

Parallel beschäftigen sich Strafverfolger mit mutmasslicher Wirtschaftskriminalität: Laut der Moskauer Tageszeitung «Kommersant» wurde am 19. Januar über einen ehemaligen Spitzenmanager der Bank im Zusammenhang mit Untreuevorwürfen Untersuchungshaft verhängt.

Kurz vor der Pleite hatte die Bank noch die Kreditforderungen gegenüber der rechtsextremen Partei von Marine Le Pen an eine Firma namens Konti abgetreten. Das Unternehmen mit offiziellem Sitz in einer Moskauer Plattenbausiedlung beschäftigt sich laut Firmenbuch unter anderem mit der Vermietung und Leasing von Autos und Anlagen.

Vier Wochen vor Wahlen

Der Kredit an den Front National wird am 28. März 2017 aber auch ein Moskauer Wirtschaftsgericht beschäftigen, wie aus der russischen Gerichtsdatenbank hervorgeht. Vier Wochen vor den französischen Präsidentschaftswahlen soll ein Richter entscheiden, ob Le Pens Partei der obskuren Moskauer Firma oder dem russischen Staat neun Millionen Euro schuldet.

Russlands staatliche Einlagensicherungsagentur ASW will die Abtretung vor Gericht für nichtig erklären lassen und die Forderung an den Front National zum Teil der Konkursmasse machen, berichtete die russische Nachrichtenagentur RNS Anfang Januar. «Ohne dass es zu einem Geldfluss an die First Czech-Russian Bank gekommen wäre, hat sie dadurch einen Aktivposten verloren», begründet die Einlagensicherung ihre Klage auf Anfrage.

«Diese Firma und das Büro, das eine Art Notariatskanzlei war, gibt es seit etwa vier Jahren nicht mehr hier.»

Die Forderung an den Front National, gegen den es keine Vorwürfe gebe, sei werthaltig und regelmässige Zinszahlungen des FN seien für die Vermehrung der Konkursmasse massgeblich, erklärt man gegenüber der APA in der Institution. Der Kredit ist französischen Medienberichten zufolge mit sechs Prozent verzinst und soll im September 2019 fällig werden.

«Seit vier Jahren nicht mehr hier»

Konti ist in einem «Büro 18» in der Südbutowo-Strasse 101 registriert, einem riesigen Wohnsilo am südwestlichen Stadtrand von Moskau. Die Gesellschaft, oder selbst ihren Briefkasten, sucht man an Ort und Stelle jedoch vergeblich: «Diese Firma und das Büro, das eine Art Notariatskanzlei war, gibt es seit etwa vier Jahren nicht mehr hier», sagt eine junge Frau.

Eine Verkäuferin von nebenan erzählt von einer Verwandten, die im betreffenden Haus in Wohnung Nr. 18 gewohnt habe und sich stets über ihr fälschlich zugestellte Post von Polizei und Steuerbehörden für «Büro 18» beklagt habe. Laut russischen Firmendatenbanken waren und sind im verlassenen «Büro» zumindest Dutzende Firmen registriert.

Aus dem Bankenumfeld

Konkretere Anhaltspunkte liefert das Firmenregister: Der Inhaber von Konti und somit der aktuelle Gläubiger des FN stammt aus dem Umfeld der First Czech-Russian Bank sowie des Baukonzerns Strojtransgas, der bis 2006 Anteile an der nunmehrigen Pleitebank hielt. Beim Ex-Besitzer der Bank, Roman Popow, handelt es sich um einen ehemaligen Spitzenmanager des Konzerns.

«Kontis Direktor und Alleingesellschafter Sergej Jewssejew ist auch Direktor der Wachfirma A-5, die laut veröffentlichten Bewerbungsunterlagen ehemaliger Mitarbeiter in der Vergangenheit die First Czech-Russian Bank bewachte», sagt Ilja Schumanow von Transparency International Russia.

Gründer und Alleingesellschafter von A-5 sei Wladimir Grischin, der seinerseits in der Vergangenheit als Direktor einer weiteren Wachfirma namens Strojtransgas Schtschit fungierte und für die Security im Baukonzern zuständig gewesen sei, erzählt Schumanow.

Wladimir Grischin, Jahrgang 1949, ist selbst ein bekannter Veteran des legendären sowjetischen KGB-Einsatzkommandos Alfa. Nichtsdestotrotz wurde die von ihm geleitete Wachfirma des Konzerns 2010 kurz nach der Übernahme von Strojtransgas durch den Putin-nahen Oligarchen Gennadi Timtschenko aufgelöst. (sda/apa)

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