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Wie ein Tweet zu den Gelbwesten-Protesten die Wahrheit verfälscht

Felix Huesmann / watson.de



Zwei Fotos von den Gelbwesten-Protesten in Frankreich werden auf verschiedenen Accounts bei Twitter gepostet und insgesamt mehr als 40'000 Mal retweetet. Beide Bilder zeigen Flammen – angeblich soll auf ihnen dasselbe Feuer zu sehen sein. Einmal klein und einmal beeindruckend gross.

Die Fotos werden als Beispiel dafür herangezogen, wie Fotografen durch die Auswahl der Perspektive Bildinhalte manipulieren. Tatsächlich wurden die beiden Fotos jedoch an verschiedenen Orten aufgenommen. Doch von vorne.

Um diese Bilder geht es:

Die Twitter-Nutzerin «Dovey Wan», deren Foto-Tweet schnell viral ging, erklärte, die Fotos seien ursprünglich auf dem chinesischen Microblogging-Dienst Weibo gepostet worden.

Das Satiremagazin «Quer» des Bayerischen Rundfunks verbreitete einen zweiten Tweet mit den beiden Fotos – offenbar ungeprüft – weiter.

Eine Frage der Perspektive?

Viele Nutzer sehen die Bilder als einen Beleg für Manipulation durch die Medien. Tatsächlich lassen sich Objekte oder auch Menschenmengen durch eine gezielte Wahl der Perspektive und der Brennweite auf Fotos leicht grösser oder kleiner darstellen. 

Ein Beispiel dafür sind Bilder, die im Januar 2015 ebenfalls in Paris aufgenommen wurden. Nach den islamistischen Terroranschlägen auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» und einen koscheren Supermarkt gingen mehr als eine Million Menschen in der französischen Hauptstadt auf die Strasse, um der Opfer zu gedenken. Ein Foto von dem Tag zeigt mehr als 40 Präsidenten und Regierungschefs aus aller Welt, die den Gedenkmarsch vermeintlich anführen. Aus der Vogelperspektive wird jedoch deutlich, dass die Politiker gar nicht Teil des Marsches waren. Stattdessen liefen sie – wohl aus Sicherheitsgründen – mit deutlichem Abstand und lediglich von ein paar Dutzend anderen Offiziellen und der Polizei begleitet. Die Bilder sorgten 2015 für Unmut und Diskussionen.

Manipulation, aber anders

Die Feuer-Fotos von den Gelbwesten-Protesten taugen für solche Manipulationsvorwürfe allerdings gar nicht. Anders als vielfach behauptet, zeigen sie nämlich nicht dasselbe Feuer aus verschiedenen Perspektiven, sondern zwei komplett verschiedene Feuer in unterschiedlichen Strassen.

Das erste Foto eines grösseren Feuers wurde vor dem Triumphbogen auf der Avenue Foch aufgenommen. Geschossen wurde es von der Fotografin Karin Pierre für die französische Fotoagentur Hans Lucas. Wie gross dieses und weitere Feuer waren, ist auf mehreren ihrer Fotos gut zu sehen.

Das zweite Foto stammt, wie sich über Google Streetview leicht verifizieren lässt, von der Avenue de Friedland. Zwischen beiden Orten liegen rund 900 Meter.

Auf diese – absichtliche oder unabsichtliche – Manipulation zum Beleg eines Manipulationsvorwurfes machte unter anderem der Twitter-Nutzer «MCantow» aufmerksam.

Fazit:

Zumindest mit diesen Bildern lässt sich die These der Manipulation durch Fotoperspektiven nicht belegen. Vielmehr zeigen sie auf, welche Vorsicht beim Umgang mit Fotos in den sozialen Medien geboten ist.

Tipp: So findest du heraus, woher ein Foto stammt

In vielen Fällen lässt sich die Herkunft eines Fotos schon mit einfachen Mitteln überprüfen. Hilfreich ist dazu die Rückwärts-Suchfunktion von Google. Dazu rufst du die Google-Bildersuche auf. Als Nächstes klickst du auf das kleine Kamera-Symbol, das im Suchfenster angezeigt wird. Anschliessend kannst du dort entweder ein Foto hochladen, nach dem du suchen möchtest, oder die URL eines Fotos aus dem Internet hineinkopieren. Wenn das Foto bereits in der Vergangenheit im Internet verwendet wurde, zeigt Google das in der Regel in den Suchtreffern an. 

Zum Beispiel sind nach Terroranschlägen regelmässig Fotos im Umlauf, die eigentlich bereits älter sind und in einem ganz anderen Kontext veröffentlicht wurden, aber trotzdem als aktuelle Nachrichtenbilder ausgegeben werden.

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