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epa07228847 President of the Republic of Kosovo Hashim Thaci (C) inspects Members of the Kosovo Security Force (KSF) in Pristina, Kosovo, 13 December 2018. The 120 seat parliament of the Republic of Kosovo is expected to vote for the laws to transform the Security Forces into an official army during the plenary session on 14 December. Parliament in Kosovo, which relies on NATO troops for its protection, voted on 18 October 2018 to set up a 5,000-strong national army though its Serb minority said the move was illegal.  EPA/STRINGER

Kosovos Präsident, Hashim Thaci, inspiziert Truppen der Kosovo-Sicherheitstruppe (KSF) in Pristina, 13. Dezember 2018. Bild: EPA/EPA

Kosovo gibt sich eine eigene Armee – und erbost Serbien

Das Parlament des Kosovo stimmte am Freitag für die Umwandlung der Kosovo-Sicherheitskräfte in eine reguläre Armee. Die USA unterstützen die Idee, Serbien reagiert jedoch erbost. Eine Reportage aus dem Kosovo.



Plötzlich sind Schüsse hinter dem kleinen Hügel im Übungsgelände der weitläufigen Kaserne in Gjilan im Ostkosovo zu hören. Zwei gepanzerte Jeeps kurven mit Blaulicht heran, halten vor der Erhöhung.

Soldaten in Kampfmontur springen heraus, nehmen zunächst hinter den Fahrzeugen Deckung. In aufgefächerten Reihen, die Sturmgewehre im Anschlag, erklimmen sie den Hügel von zwei Seiten. Es wird weiter geschossen.

Schliesslich ruft der Übungsleiter: «Der Feind wurde neutralisiert, die Mission ist erfüllt.» Eine Einheit der Schnelleinsatzkräfte der Kosovo-Sicherheitskräfte (KSF) demonstrierte am Donnerstag, wie sie mit einer nicht näher definierten bewaffneten Bande fertig zu werden gedenkt.

Members of Kosovo's Security Forces take part in a exercise in southeastern town of Gjilan, Kosovo on Thursday, Dec. 13, 2018, a day before the parliament votes to transform them into a regular army. Kosovo lawmakers are set to transform the Kosovo Security Force into a regular army, a move that significantly heightened tension with neighboring Serbia which even left open a possibility of an armed intervention in its former province. (AP Photo/Visar Kryeziu)

Die Kosovo-Sicherheitskräfte (KSF) bei einer Übung in Gjilan, der Heimatstadt von Xherdan Shaqiri. Bild: AP/AP

«Das kann jeder sein, der unsere Sicherheit bedroht: eine kriminelle Bande, organisierte Schmuggler, Terroristen», sagt Oberstleutnant Berat Shala, der Kommandant des Bataillons in Gjilan. «Die KSF ist damit beauftragt, die zivilen Behörden im Land zu unterstützen, wenn dies nötig ist.» Darauf bereiten sich Shalas Soldaten vor, dafür üben sie.

Umwandlung in reguläre Armee

Zumindest war es bisher so. Denn am Freitag beschloss das Parlament in Pristina neue Gesetze für die KSF. Diese sehen vor, die bisherige Katastrophenschutz-Truppe schrittweise in eine reguläre Armee umzuwandeln.

Es ist ein Prozess, der auf zehn Jahre angelegt ist. Und an dessen Ende eine Streitmacht stehen soll, die gerade mal über eine Handvoll Haubitzen und Helikopter verfügen wird, aber weder über Kampfpanzer noch Flugzeuge. Die Nato-geführte Schutztruppe KFOR mit ihren 4000 Soldaten bleibt weiterhin die geopolitische Sicherheitsgarantie für den jüngsten Staat Europas.

Soldiers of NATO-led peacekeeping force KFOR take a break by the side of the road near the village of Leposavic, northern Kosovo, Thursday, Dec. 13, 2018. In Friday’s vote, Kosovo's 120-seat parliament is expected to approve three draft laws to turn an existing paramilitary force into a lightly armed army.   (AP Photo/Darko Vojinovic)

Schweizer Soldaten der KFOR beobachten die Truppenübungen der KSF, 13. Dezember 2018. Bild: AP/AP

Trotzdem sorgt der Schritt für starke Irritationen in der Region. Das heute fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo hatte früher zu Serbien gehört. Infolge eines langen Konflikts, in den 1999 die Nato eingriff, spaltete es sich von Serbien ab.

2008 erklärte sich das Kosovo zum unabhängigen Staat. Mehr als 100 Länder, darunter die Schweiz, haben ihn anerkannt, nicht aber fünf EU-Mitgliedsländer, Russland, China sowie Serbien.

Der Propaganda-Zug aus Belgrad

Serbien gibt sich empört

Belgrad ist über das Ansinnen der Kosovaren, sich eine eigene Armee zu schaffen, empört. Die serbische Minderheit im Kosovo laufe Gefahr, gewaltsam vertrieben zu werden, heisst es alarmistisch.

«Wir werden nicht die Kriegstrommeln rühren, aber wir werden niemandem erlauben, das serbische Volk im Kosovo zu verfolgen und zu demütigen.»

Aleksandar Vucic

«Wir werden nicht die Kriegstrommeln rühren», sagte Serbiens Präsident Aleksandar Vucic am Donnerstag, «aber wir werden niemandem erlauben, das serbische Volk im Kosovo zu verfolgen und zu demütigen.» Im Norden des Kosovos, einem kompakten Siedlungsgebiet der Serben, beflaggten am Freitag viele Bewohner ihre Häuser und Geschäfte trotzig mit serbischen Fahnen.

epa07179520 Serbian President Aleksandar Vucic and Serbian Minister of Foreign Affairs Ivica Dacic (not pictured) address  the media during a press conference on the rejection of Kosovo to the Interpol organization, in Belgrade, 20 November 2018. Reports state thaat Kosovo failed to secure the necessary support of two-thirds of Interpol's 192 member states in its bid to join the International Criminal Police Organisation at its general assembly in Dubai.  EPA/KOCA SULEJMANOVIC

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic am 20. November 2018. Bild: EPA/EPA

Auch im Westen kamen Zweifel über die militärischen Ambitionen des Kosovos auf. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bedauerte am Freitag das Votum in Pristina. «Wir haben klar gemacht, dass die Initiative zur Unzeit kommt», hiess es in seiner Erklärung.

Die USA und Grossbritannien hingegen stärken Pristina den Rücken. «Das Votum über die Umwandlung der KSF ist ein historisches für das Kosovo», twitterte der US-Botschafter in Pristina, Philip Kosnett. Die USA würden «die professionelle Entwicklung und Evolution der KSF» zum regulären Militär unterstützen.

US-Botschafter Kosnett traf den KSF-Kommandant Rama als Zeichen der Unterstützung.

Zunehmende Spannungen

Die Armeegründung fällt in eine Zeit, in der die Spannungen zwischen Serbien und dem Kosovo wieder einmal dem Siedepunkt zustreben. Vor drei Wochen führte Pristina einen faktischen Blockadezoll in Höhe von 100 Prozent auf Waren aus Serbien ein.

Der umstrittenen Massnahme waren zahllose Schikanen Belgrads gegen das Kosovo vorausgegangen. So kämpft Serbien – zusammen mit Russland – beharrlich dafür, dass das Kosovo nicht in internationale Organisationen aufgenommen wird. Erst im Vormonat scheiterte das Ansuchen Pristinas, Mitglied im Weltpolizeiverbund Interpol zu werden.

Die Regierung von Ministerpräsident Ramush Haradinaj steht unter immensem Druck. Die EU ziert sich weiter, den Bürgern des Kosovos die heiss ersehnte visafreie Einreise zu ermöglichen – obwohl Pristina die daran geknüpften Bedingungen schon lange erfüllt hat.

«Nach all diesen Erfahrungen des Scheiterns kann Haradinaj mit den Zöllen und mit dem Armee-Projekt endlich bei der Bevölkerung punkten», sagt ein westlicher Diplomat in Pristina. (sda/dpa/jaw)

Tränengas verhindert Abstimmung im kosovarischen Parlament

Video: srf

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