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Boris Johnson: Der britische Premierminister ist wegen einer mutmasslichen Weihnachts-Party in Bedrängnis.
Boris Johnson: Der britische Premierminister ist wegen einer mutmasslichen Weihnachts-Party in Bedrängnis. Bild: keystone

«Sie lachen uns aus» – Weihnachts-Party bringt Johnson mächtig unter Druck

Die britische Regierung sagte wegen Corona vergangenes Jahr die Weihnachten ab. Am Regierungssitz soll jedoch eine Party stattgefunden haben. Das Wichtigste in 4 Punkten.
08.12.2021, 10:3508.12.2021, 17:22

Was ist passiert?

Eine mutmassliche Weihnachtsfeier setzt Boris Johnosn erheblich unter Druck. Der Sender ITV veröffentlichte am Dienstagabend ein internes Video, das darauf hindeutet, dass Dutzende Regierungsbeamte am 18. Dezember 2020 eine Party mit Getränken, Häppchen und Gesellschaftsspielen feierten.

Zu dem Zeitpunkt galten strikte Kontaktbeschränkungen, Feiern und Zusammenkünfte waren verboten. Johnson nahm demnach nicht an der Party teil. Er hat die Vorwürfe in den vergangenen Tagen aber deutlich zurückgewiesen.

Die Zeitung «Daily Mirror» hatte bereits vor einigen Tagen über die angebliche Feier berichtet. Die Regierung und Johnson persönlich beharren seither darauf, dass alle Corona-Vorschriften in Downing Street eingehalten worden seien.

Die «Times» berichtete jedoch, dass rund 30 Personen anwesend waren. Einige hätten sogar extra einen Weihnachtspullover angezogen. Eine Quelle sagte gegenüber der «Times»: «Natürlich war es vorher geplant, denn jeder hatte ein Wichtelgeschenk dabei. Es wurde mindestens eine Woche im Voraus über WhatsApp mit einer Folge-E-Mail vereinbart.»

Was ist im Clip zu sehen?

Im geleakten Video ist zu sehen, wie Johnsons Berater Ed Oldfield und seine damalige Sprecherin Allegra Stratton einige Tage nach dem Event in einer Probe für eine Pressekonferenz über die Antwort auf eine mögliche Frage nach einer Party witzeln.

«Ich bin nach Hause gegangen», antwortet diese. «Würde der Premierminister eine Weihnachtsfeier dulden?», fragt darauf Oldfield. «Wie lautet die Antwort?», gibt Stratton lachend zurück.

Ein anderer Anwesender erzählt im Hintergrund des Videos, es habe Wein und Käse gegeben. «Bei dieser fiktionalen Party hat es sich um ein Geschäftstreffen gehandelt, und es gab keine sozialen Abstandsregeln», sagt Stratton lachend.

Stratton tritt zurück
Wegen ihrer Verwicklung in den Skandal um eine mutmassliche Weihnachtsfeier im britischen Regierungssitz ist die ehemalige Sprecherin von Premierminister Boris Johnson zurückgetreten. Allegra Stratton, die als Vertraute von Johnsons Ehefrau Carrie Johnson gilt, war zuletzt Sprecherin der britischen Regierung für die UN-Klimakonferenzen.
«Meine Bemerkungen schienen die Corona-Regeln auf die leichte Schulter zu nehmen - Regeln, an die sich Leute unter allen Umständen zu halten versuchten», sagte Stratton am Mittwoch unter Tränen. «Das war nie meine Absicht. Ich werde diese Bemerkungen bis an mein Lebensende bedauern und entschuldige mich aufrichtig bei Ihnen allen zu Hause dafür.»

Was sagt Johnson?

Johnson selber hat am Event nicht teilgenommen. Die Regierung und die Minister haben jedoch diverse Mal verneint, dass eine Party stattgefunden hat. Am Dienstag war der Premierminister dann plötzlich weniger konkret. Bei einem Gefängnisbesuch in London sagt er nur: «Ich kann Ihnen nur sagen, dass alle Leitlinien eingehalten wurden und weiterhin eingehalten werden.»

Aus der Downing Street hiess es gestern Abend als Reaktion auf das geleakte Video: «Es fand keine Weihnachtsfeier statt. Die Covid-Regeln wurden zu jeder Zeit eingehalten.»

Update Mittwochmittag
Der britische Premierminister Boris Johnson hat sich für unpassende Reaktionen seiner Mitarbeiter auf eine mutmassliche Feier während des Corona-Lockdowns vor einem Jahr entschuldigt.

Er verstehe, dass das veröffentlichte Video im ganzen Land Wut und Unmut ausgelöst habe, sagte Johnson am Mittwoch im Parlament. Er entschuldige sich für den Eindruck, der entstanden sei. Er sei selbst wütend. Ihm sei versichert worden, es seien keine Corona-Regeln gebrochen worden, betonte Johnson. Der Premier kündigte eine interne Untersuchung an. Falls Regeln gebrochen wurden, werde es Folgen für die Beteiligten geben. (sda/dpa)

Was sind die Reaktionen?

In der britischen Presse ist die mutmassliche Weihnachtsparty das grosse Thema.

Das Echo ist verheerend. Nicht nur die Opposition ist empört, der Fraktionschef der Schottischen Nationalpartei (SNP), Ian Blackford, fordert bereits Johnsons Rücktritt. ITV-Moderator Tom Bradby sagte seinem Millionenpublikum: «Sie lachen uns aus. Euch, mich, uns alle.»

Auch Fussball-Legende Gary Lineker ist schockiert: «Nach all den Opfern, die die Menschen in diesem Land gebracht haben, lachen sie über uns. Das ist ziemlich unverzeihlich.»

Johnsons Ex-Berater Dominic Cummings schrieb auf Twitter, dass es «sehr unklug» von Johnson gewesen sei, bei dieser Sache zu lügen.

Am schlimmsten dürfte Johnson aber die scharfe Kritik aus den Reihen seiner Konservativen Partei treffen. Mit Blick auf andere Affären, die überraschend spurlos an Johnson gezogen waren, sagte ein führender Tory der BBC, der Premier denke offenbar, Regeln würden nicht für seine Kumpel gelten. «Menschen, die von der Regierung davon abgehalten wurden, ihre sterbenden Verwandten und Freunde noch einmal zu sehen, werden sich völlig auf den Arm genommen fühlen.» Am 18. Dezember 2020 meldete die Regierung 514 Corona-Tote an einem Tag. (sda/cma)

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