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epa06702522 A handout video grab released 30 April 2018  taken from a video published online by 'Falter' weekly, shows gunmen preparing an ambush at a Syrian police unit. Austria's Defense Ministry announced 28 April 2018 to open an investigation into an incident in 2012 in which the Austrian UN peacekeepers reportedly let Syrian police drive into a fatal ambush in the Golan Heights. The footage has been described by a UN spokesman as

Bei einem Hinterhalt auf den Golanhöhen wurden 2012 neun syrische Polizisten getötet. Österreichische Polizisten wussten von dem Hinterhalt, warnten die Syrer aber nicht. Bild: EPA/FALTER

Interview

«Politiker sind zu verurteilen, nicht die Soldaten» – Militärexperte zum Golan-Massaker 



Die österreichische Wochenzeitung «Falter» veröffentlichte am Freitag das Video eines Vorfalls auf den Golanhöhen aus dem Jahr 2012. Darin ist zu sehen, wie neun syrische Geheimpolizisten in einen Hinterhalt von Schmugglern geraten und dabei erschossen werden.

Die Aufnahmen gemacht haben Soldaten des österreichischen UNO-Blauhelm-Kontingents, das seit 1974 die entmilitarisierte Pufferzone zwischen Syrien und Israel bewacht. Die Blauhelm-Soldaten, die von dem Hinterhalt wussten, unterliessen es, die syrischen Polizisten zu warnen – und sahen mit an, wie die neun Männer in den Tod fuhren.

Das österreichische Verteidigungsministerium hat angekündigt, den Vorfall zu untersuchen, Völkerrechtsexperten fordern eine Anklage wegen Beihilfe zum Mord.

Für Militärexperte Albert A. Stahel sind die Verantwortlichen in den Amtsstuben in Wien und New York zu suchen, und nicht an der Front, wie er im Interview erklärt.

Das Massaker am Golan

abspielen

Video: YouTube/FALTER

Herr Stahel, wenn man sich das Video anschaut, kommt einem unweigerlich der Gedanke: die Soldaten haben bewusst neun syrische Polizisten in den Tod geschickt.
Albert Stahel: Es ist unerheblich, wenn man die Soldaten im konkreten Fall für verantwortlich hält. Die Blauhelme hatten Weisungen aus Wien und haben diese befolgt. Ins Zentrum der Diskussion muss die politische Führung gestellt werden.

Bild

Bild: screenshot/keystone

Was war denn die Weisung aus Wien?
Wien gab die Weisung durch, dass sich die österreichischen Soldaten neutral verhalten und nicht intervenieren sollten, das ist zumindest meine Vermutung.

Zur Person

Albert Stahel (74) wirkte während über 26 Jahren als hauptamtlicher Dozent für Strategische Studien an der Militärakademie der ETH Zürich. Aktuell leitet er das Institut für Strategische Studien in Wädenswil. Stahel ist Mitglied des International Institute for Strategic Studies in London und der Clausewitz-Gesellschaft in Hamburg.

UNO-Blauhelme sind doch ohnehin immer zur Neutralität verpflichtet.
Nicht unbedingt, es gibt ja auch Beispiele von UNO-Truppen, die aktiv am Geschehen beteiligt waren, zum Beispiel in der Kongo-Krise in den 60er-Jahren, als sich die Provinz Katanga abspalten wollte.

Die UNO-Soldaten waren offenbar nur leicht bewaffnet und hatten keine schusssicheren Westen, und seien deshalb kaum geeignet gewesen für eine mögliche Auseinandersetzung, sagte ein anonymer Ex-Blauhelm in den Salzburger Nachrichten
Ja, UNO-Truppen sind selten für einen Kampfeinsatz ausgerüstet. Man müsste vor jedem Einsatz die Frage klären, ob die Blauhelme als Beobachter in einem Frontbereich zwischen zwei Feinden stehen oder ob sie eine aktive Rolle spielen sollen.

Der Vorfall erinnert an das Massaker in Srebrenica, als die holländischen Blauhelme tatenlos zuschauten, wie bosnisch-serbische Truppen 8000 bosnische Muslime deportierten. Diese wurden später umgebracht.
Ja, das war im Prinzip dasselbe, wenn auch in einem viel krasserem Ausmass. Auch da war nicht geklärt, welche Rolle die Blauhelme eigentlich genau einnehmen sollten. Man kann sich auch fragen, ob Blauhelme wirklich in einen solchen Konflikt gehören. Je verworrener die politische Lage, desto schwieriger ist es UNO-Truppen einzusetzen.

Das österreichische Verteidigungsministerium hat angekündigt, den Vorfall untersuchen zu wollen. Beobachter sprechen von einer möglichen Anklage wegen Mord durch Unterlassung.
Die Politiker sind zu verurteilen, nicht die Soldaten. Diese hatten offenbar einen Befehl und den haben sie ausgeführt. Eine Verurteilung der Truppen vor Ort wäre ein Trauerspiel.

Die österreichischen Soldaten wissen, dass die Syrer in den sicheren Tod fahren. Und sie sprechen darüber in dem Video extrem abgebrüht und kaltblütig. Das ist doch nicht mehr mit Verweis auf Weisung von oben zu entschuldigen.
Die Soldaten dürften keinen Freiheitsgrad für Entscheidungen gehabt haben. Wenn keine Befehle befolgt werden, funktioniert das Militär nicht mehr.

Aber dass die UNO mit diesem Video ein miserables Bild abgeben bestreiten Sie nicht, oder?
Ja sicher, das ist ein Debakel. Für alle UNO-Truppen. Und es stellt die Rolle der UNO für Sicherheitseinsätze grundsätzlich in Frage.

Glauben Sie, der Abzug der österreichischen Blauhelme war auch eine Reaktion auf den Vorfall auf dem Hermon-Bergmassiv, wie nun verschiedentlich spekuliert wird?
Ja, zweifellos. Auch wenn das österreichische Verteidigungsministerium jetzt dementiert: Das kann kein Zufall sein.

Und welche Konsequenzen werden aus dem Vorfall gezogen?
Ich fürchte gar keine. Die UNO ist eigentlich eine gelähmte Organisation. Können sich die Vetomächte im Sicherheitsrat nicht einigen, so wird es erneut solche Vorfälle geben.

(wst)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Bivio 01.05.2018 09:31
    Highlight Highlight Ich versteh, dass die österreichischen Soldaten in einer moralischen und politischen Zwickmühle waren. Jedoch frage ich mich warum kriminelle Schmuggler als Konfliktpartei gelten? Ich könnte es verstehen, falls es sich um eine international annerkannte Konfliktpartei handelte (YPG, IDF, etc.). Aber die Soldaten waren da um den Frieden im Golan, primär zwischen Syrien und Israel, zu überwachen.
    Kann mir das jemand erklären?
  • walsi 01.05.2018 05:52
    Highlight Highlight Ich habe nur Befehle befolgt! War das nicht auch die Ausrede der Mörder des Holocaust im zweiten Weltkrieg? Stahel hat recht, es gehört die Politik verurteilt, die Soldaten aber auch. Bei einem Auftragsmord wird ja auch nicht nur der Auftraggeber oder der Mörder verurteilt, sondern beide zusammen.
  • Anded 30.04.2018 22:47
    Highlight Highlight Hätten sie die Polizisten gewarnt, hätten diese die Schmuggler wohl mit Verstärkung gejagt und getötet. Allerdings hätten dann die Blauhelme aktiv der einen Konfliktpartei geholfen.
    (Wäre ev. besser gewesen, aber sicher nicht mehr neutral. )
    • walsi 01.05.2018 05:54
      Highlight Highlight Durch die unterlassene Warnung haben sie der anderen Konfliktpartei geholfen. Was politisch sogar wohl eher gewollt war, da die getöteten ja eh nur die Handlanger von Assad waren.
    • fadnincx 01.05.2018 07:43
      Highlight Highlight Naja, meiner Meinung nach ist durch das nicht warnen das selbe passiert, wie wenn die Blauhelme nicht vor Ort gewesen wären... Also in dem Sinn habe sie sich neutral verhalten.
    • Anded 01.05.2018 07:47
      Highlight Highlight Wären die Österreicher nicht vor Ort gewesen, wäre das selbe passiert.
  • Kong 30.04.2018 20:59
    Highlight Highlight „Experte“ Stahel wiederkehrend wie die alte Fasnacht, wenn es um militärische Themen geht. Seine Weltsicht darf nicht als Erklärung herhalten müssen. Die Soldaten mögen Befehlen gefolgt sein. Aber auf die Umsetzung ihres Verhaltens antwortet Stahel nicht, denn dort wird die Diskrepanz zwischen seiner Vermutung und dem Fakt des Fehlverhaltens klar. Unmoral bleibt, auch wenn von oben befohlen.
    • Ueli der Knecht 01.05.2018 03:30
      Highlight Highlight Ich kenne zwar die Situation dort vor Ort nicht, E7#9, Krieg aber leider schon. Ich meine, wir sind geradezu verpflichtet, das Fehlverhalten dieser Soldaten deutlich zu verurteilen. Egal von wo. Auch von der sicheren Couch aus.

      Die Disziplinlosigkeit dieser Soldaten hat letztlich den ganzen AUSBATT-Einsatz gefährdet. Es blieb der AUSBATT nur noch ein überstürzter, feiger Rückzug. Das Aus für die AUSBATT.

      Ich möchte aber klarstellen, dass der Fisch i.d.R. vom Kopf her stinkt. In diesem Sinne erwarte ich eine seriöse und ehrliche Untersuchung sowohl durch die UN als auch durch das Bundesheer.
    • Kong 01.05.2018 15:47
      Highlight Highlight @E7#9. Bin nicht der Moralist aber habe Dienste in solchen Gegenden geleistet. Soviel zum Couchthema. Das Verhalten im Video war unprofessionell. Was das drum herum angeht, fehlen die Infos aber der Krieg ist als Pauschalerklärung fehl am Platz.
  • Drixselecta 30.04.2018 20:38
    Highlight Highlight Ich war zwei Mal auf dem Hermon skitouren 2009 und 2010. Die UN Basis liegt auf dem Gipfel, nicht weit entfernt von einem syrischen Stützpunkt. Obwohl, ich das nur vom Winter kenne, kann ich mich nicht vorstellen, dass die Syrer an die Österreicher vorbeigefahren sind. Ich würde eher davon ausgehen, das sie nur bis zum eigen Militärstützpunkt gefahren sind und wieder zurück. Man konnte sie also nicht warnen. Ausserdem liegt die Verantwortung der UN-Mission darin, den Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien zu beobachten. Nicht inner-syrische polizeiliche Aufgaben zu unterstützen.
    Benutzer Bild
  • Sapientia et Virtus 30.04.2018 20:05
    Highlight Highlight Es wäre eine Schande, wenn wegen der Taten von Terroristen und der Unfähigkeit der Vereinten Nationen jetzt österreichische Soldaten, die mit viel Idealismus in den freiwilligen Friedenseinsatz gezogen sind, büssen müssten. Dann müsste man sich nicht wundern, wenn die UNO nur noch schlecht ausgebildete Truppen aus Drittweltländern erhält, die vor allem durch sexuellen Missbrauch und Skandale auffallen.
    • alterecht? 30.04.2018 21:30
      Highlight Highlight Was für ein Idealismus??? Die haben zugeschaut wie Menschen abgeschlachtet wurden. Mord durch Unterlassung tönt vernünftig!
    • Mrlukluk 01.05.2018 07:35
      Highlight Highlight Aber eine Seite musste ja quasi sterben do wie ich das verstehe.

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