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epa06240076 Broken windows seen on a high floor in the Mandalay Bay hotel facing the scene of the mass shooting at the Route 91 Harvest festival on Las Vegas Boulevard in Las Vegas, Nevada, USA, 02 October 2017. Police reports indicate that a gunman firing from an upper floor in the Mandalay Bay hotel killed at least 50 people and injured more than 400 before police he was killed by police.  EPA/PAUL BUCK

Aus dem 32. Stock tötete der weisse Millionär und Rentner Stephen Paddock 59 Menschen.   Bild: EPA/EPA

Interview

Forscherin zu Waffenbesitz: «Waffen dienen weissen Männern als Symbol für Überlegenheit»



Kann man die Waffenpolitik der USA dafür verantwortlich machen, dass es immer wieder zu solchen Vorfällen wie gestern in Las Vegas kommt?
Prof. Dr. Alexandra Filindra:
Ja, absolut. Die USA verbot 1993 den privaten Besitz von Sturmgewehren. Dieses Verbot verlor nach zehn Jahren seine Gültigkeit und die Republikaner sorgten dafür, dass es nicht erneuert wurde.

Seither stieg die Verbreitung dieser Waffen, welche dazu gemacht sind, Menschen zu töten und nicht Tiere zu jagen. Auch die Verbreitung von Magazinen mit grosser Kapazität stieg. Wer jemanden umbringen will, hat in den USA ungehindert Zugriff auf ein riesiges Arsenal an Möglichkeiten.

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Prof. Dr. Alexandra Filindra lehrt an der University of Illinois in Chicago und gehört zu den führenden Forscherinnen zum Thema Waffenbesitz in den USA. bild: uic

Wieso führt man dieses Gesetz nicht einfach wieder ein?
Eine Mehrheit der Amerikaner und im Speziellen eine Mehrheit der weissen Amerikaner befürwortet das Recht, Waffen zu besitzen und ist gegen schärfere Gesetze. Politiker riskieren es nicht, gegen die vorherrschende Meinung anzutreten.

Ausserdem hat der Oberste Gerichtshof die Hürden zusätzlich erhöht: Im Jahr 2008, im Fall District of Columbia vs. Heller, entschied der Gerichtshof, dass Amerikanern das Recht zusteht, Waffen zu besitzen und dass jede Bemühung des Staates, dieses Recht zu unterbinden, von höchster Stelle abgesegnet werden muss. 

Sie betonen die Rolle der weissen Amerikaner ...
... 65 Prozent der Amerikaner sind weiss. Diese 65 Prozent machen 90 Prozent aller Waffenbesitzer aus – Waffenbesitz kommt am häufigsten unter weissen Männern vor. Um sich die Unterstützung dieser Gruppe zu sichern, arbeitet die NRA (National Rifle Association. Sie hat 5 Millionen Mitglieder) mit versteckten rassistischen Botschaften. Statistische Analysen zeigen, dass Rassismus ein wichtiges Motiv ist, um restriktivere Waffengesetze abzulehnen.

Die Waffe dient weissen Männern als Symbol für die eigene Überlegenheit, für die eigene Rechtschaffenheit. Sie stärkt die Selbstwahrnehmung als engagierte Verteidiger von Recht und Ordnung. Aber natürlich dient sie auch als Drohung gegenüber den Leuten, von welchen man glaubt, sie seien weniger würdig – weniger rechtschaffen.

Gun rights advocates Stephen Korte, left and his brother Austin Barnes demonstrate on the steps of the state Capitol Tuesday, April 29, 2014, in Harrisburg, Pa. The event titled Pennsylvania Second Amendment Action Day which dates back to 2006, focuses on Second Amendment issues. (AP Photo)

Demonstrierende weisse Amerikaner. Die Flagge auf dem Arm und die Waffe im Anschlag. Bild: AP/AP

Sehen Sie eine Chance, dass sich die amerikanische Waffen-Politik ändert – gerade jetzt nach Las Vegas?
Nein. Die weisse Bevölkerung büsst immer mehr ihre Vormachtsstellung ein und das verstärkt die oben erwähnten Effekte. Erst, wenn die Minderheiten in der Überzahl sind, besteht ein kleiner Hoffnungsschimmer. Doch auch dieser kann geleugnet werden. Zum einen wird eine reiche, gut organisierte Wählerschaft immer Einfluss haben und zum anderen sieht es stark danach aus, als würden Bürger mit lateinamerikanischem Hintergrund die Meinung der Weissen zum Thema Waffenbesitz teilen.

«Die Waffenlobby hat Ihre Eier in einer Geldscheinklammer»

Video: watson

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