Auch mehr als 24 Stunden nach Waffenruhe: An der Strasse von Hormus geht noch gar nichts
Die durch die iranische Hormus-Blockade verursachte Ressourcenknappheit hält die Welt in Schach und sie sorgte für grössere Turbulenzen an der Börse. Der Ölpreis explodierte innert kurzer Zeit, viele Staaten mussten strategische Reserven aktivieren oder – vor allem im asiatischen Raum – gar Sparmassnahmen verordnen.
Am Mittwoch haben die Kriegsparteien sich nun auf eine zweiwöchige Waffenruhe verständigt. Eine Bedingung für diese umfasst die temporäre Öffnung der Strasse von Hormus. Rund einen Tag später zeigt sich aber: Es passiert bisher kaum etwas rund um das so wichtige Öl-Nadelöhr.
Vessel movements resume in the Strait of Hormuz following ceasefire announcement
— MarineTraffic (@MarineTraffic) April 8, 2026
Early signs of vessel activity are emerging in the Strait of Hormuz following a ceasefire announcement, which includes a temporary reopening of the strategic waterway to allow for negotiations.… pic.twitter.com/CSy6PZlCJ4
Der Iran hat am Mittwochabend (Schweizer Zeit) denn auch erneut erklärt, dass Schiffe derzeit die Strasse nicht passieren sollen, sofern dies nicht mit den iranischen Machthabern ausdrücklich abgesprochen wurde. Die meisten Reedereien nehmen die implizite Drohung ernst. Gemäss der iranischen Nachrichtenagentur Fars haben seit Beginn der Waffenruhe erst zwei Schiffe die Hormus-Strasse passiert.
Auch die New York Times berichtete in der Nacht auf Donnerstag (Schweizer Zeit) unter Berufung auf die Analysefirma Kpler, die unter anderem den weltweiten Schiffverkehr trackt, dass insgesamt erst vier Schiffe seit Beginn der Waffenruhe die Hormus-Strasse durchquert haben. Demzufolge war keines davon ein Öl- oder Gastanker, sondern alle sogenannte Massengutfrachter. Das sind Schiffe, die Trockengüter wie Kohle, Zement oder Getreide transportieren.
Ein Chefberater des US-amerikanischen Ölkonzerns Gulf Oil bestätigte gegenüber CNN, dass es derzeit keine Anzeichen dafür gebe, dass bald mehr Rohöl die Strasse verlasse.
Aufgrund der höchst fragilen Waffenruhe seien Reedereien und ihre Versicherer derzeit «sehr zurückhaltend» bezüglich möglichen Hormus-Durchfahrten. Er sieht in der nahen Zukunft auch keine signifikante Verbesserung der Situation eintreten:
Iranische Staatsmedien berichteten zuvor, dass mehrere Tanker, die zur Durchfahrt bereit gewesen wären, im Verlaufe des Mittwochs abgewiesen worden sind. Auch sie nannten die Fragilität der Waffenruhe als Grund für die andauernde Blockade. Während der Iran geltend macht, dass diese auch für den Libanon gelten muss, haben die USA und Israel erklärt, dass dieser Konflikt nicht Teil der Waffenruhe sei.
Israel hatte ausgerechnet am Mittwoch, nach der Ankündigung der Waffenruhe, verheerende Luftangriffe auf den Libanon geflogen. Mindestens 182 Menschen, darunter laut Berichten auch zahlreiche Zivilisten, kamen ums Leben. Seit diesem Angriff hat laut «Kpler» kein Schiff mehr die Hormus-Strasse passiert.
Widersprüchliche Aussagen auf US-Seite
Von US-Seite gab es widersprüchliche Aussagen zur Sperrung der Hormus-Strasse. Die Sprecherin des Weissen Hauses, Karoline Leavitt, bezeichnete am Mittwoch an einer Medienkonferenz Berichte über eine andauernde Sperrung der Strasse als falsch. In der gleichen Medienkonferenz forderte sie aber die erneute Öffnung der Meerenge. Rückfragen von Journalisten, wer derzeit die Hormus-Strasse kontrolliere, beantwortete sie nicht.
Das ist aber auch nicht nötig: Offensichtlich vermögen die Iraner weiterhin zu beeinflussen, wer die Strasse passieren kann und wer nicht. Schon unmittelbar nach der Verkündung der Waffenruhe zeichnete sich ab, dass der Iran diese «Trumpfkarte» weiterhin in den Händen hält.
US-Präsident Donald Trump sah sich mutmasslich aufgrund dieser Tatsache bereits in der Nacht auf Donnerstag genötigt, dem Iran wieder mit einer neuen militärischen Eskalation zu drohen. Sollte der Iran das «erzielte wirkliche Abkommen» nicht vollständig einhalten, werde man den bereits geschwächten Gegner vernichten, so Trump. Die US-Truppen in der Region würden deshalb weiterhin ihre Stellungen halten.
