USA-Expertin: Von diesem Regierungsmitglied könnte Trump etwas lernen
Der «verrückte König» muss entfernt werden, sagt die eine, «das ist Demenz», der andere. Es handelt sich dabei nicht um Demokraten, die gegen den US-Präsidenten austeilen, sondern um konservative Meinungsmacher. Darunter die rechte Aktivistin Candace Owens, Ex-Fox-News-Moderator Tucker Carlson, Radio-Moderator Alex Jones und die ehemalige republikanische Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene.
Die einstigen Aushängeschilder von Trumps MAGA-Bewegung («Make America Great Again») sind empört über den Krieg im Iran. Der letzte Tropfen waren die vulgären Ausraster des US-Präsidenten am Oster-Wochenende. In diesen drohte er unter anderem damit, eine «ganze Zivilisation auszulöschen», und sie «ins Steinzeitalter zurückzubomben», sollten die Iraner die Strasse von Hormus nicht freigeben.
Carlson forderte infolgedessen Mitarbeiter des US-Militärs dazu auf, Trumps angeblichen Pläne, Zivilisten zu töten, abzulehnen. Owens nannte die Regierung «satanisch» und rief das Repräsentantenhaus dazu auf, ihn aus dem Amt zu entfernen.
Die verbalen Schüsse gegen ihn gingen nicht unbemerkt am Präsidenten vorbei. In einem Social-Media-Post wetterte er gegen die eigene Gefolgschaft. «Diese Leute haben keine Ahnung, wie man gewinnt», so Trump. Er bezeichnete die konservativen Kommentatoren – ganz in seinem Stil – als «Verlierer», «verrückt» und «dumme Leute».
Zwei Lager bei den Republikanern
Die Abwendung lautstarker Unterstützer zerreisst zurzeit das Trump-Lager. Selbst einige republikanische Abgeordnete äusserten sich nach dem Oster-Ausraster des Präsidenten zunehmend besorgt über den Krieg gegen den Iran. Wie gefährlich ist die Entwicklung für Trump?
Laut HSG-Professorin Claudia Brühwiler hält sie sich aktuell noch in Grenzen. Der Widerstand in den eigenen Reihen sei aktuell vor allem rhetorisch, sagt Brühwiler. «Es sind vergleichsweise wenige Republikaner, darunter auch solche, die Trump ohnehin kritisch gegenüberstehen», so die USA-Expertin. Dazu zählt etwa die republikanische Senatorin Lisa Murkowski aus Alaska.
Innerhalb Trumps Regierung liessen sich zwei Lager ausmachen, sagt Brühwiler: Auf der einen Seite seien jene Kräfte, die ihn als «Friedenspräsidenten» positionierten und sich mit dem robusten Kurs schwertun. Zu dieser Gruppe gehört auch der Vize-Präsident JD Vance, der Trump angeblich geraten hat, die «militärische Operation» im Iran möglichst kurz zu halten.
«Auf der anderen Seite sind Aussenminister Marco Rubio und die Vertreter einer traditionell härteren Aussenpolitik, die weiterhin an die Rolle der USA als ordnende Macht glauben», so Brühwiler. Letztere hätten sich aktuell durchgesetzt.
Rubio als Vorbild
Auch wenn die Stimmung unter den Republikanern aktuell angespannt ist, ist sich Brühwiler sicher: «Für einen echten Bruch innerhalb der Partei bräuchte es mehr.» Solange führende Parteimitglieder nicht konkret gegen Trump vorgehen und die Mehrheit der republikanischen Wählerschaft sich nicht gegen den Krieg stellt, sei die Position des Präsidenten gefestigt. Erst diese Woche blockierten die Republikaner im Kongress eine Resolution der Demokraten, den Krieg zu stoppen. Die Ablehnung des Krieges bei republikanischen Wählern hält sich laut Umfragen zudem in Grenzen.
Sein Oster-Ausraster habe dem Präsidenten aber keinen Gefallen bei seiner konservativen Basis gemacht. Eines der Hauptprobleme der Regierung Trump sei aber, dass sie ihrer Wählerschaft zu wenig vermittelt, warum sie gewisse Dinge tut. Dazu gehöre auch eine Erklärung, wieso die USA den Iran gerade jetzt angegriffen haben. «Er würde gut daran tun, sich etwas von seinem Aussenminister abzuschauen», sagt USA-Expertin Claudia Brühwiler über den US-Präsidenten. Aktuell sei ein Staatsmann gefordert. Diese Rolle erfülle Marco Rubio deutlich besser als sein Chef.
Ernst wird es für die Regierung aber erst im November. Dann werden Wählerinnen und Wähler die Abgeordneten im Repräsentantenhaus und Senat wählen. Beide Kammern des Kongresses sind aktuell in republikanischer Hand. Entscheidend wird dann in Bezug auf den Iran-Krieg vor allem ein Thema sein: «Die Frage ist, ob man die wirtschaftlichen Folgen des Krieges dann noch spürt», so Brühwiler.
Die Beleidigungen von Carlson, Owens und Co. werden wohl keine Republikaner in Demokraten verwandeln, zumal sich diese Kommentatoren in rechten Kreisen bewegen, die in der Regel nicht von Wechselwählerinnen und -wählern gesucht werden. Dennoch könnten sie Trump schaden: «Die Alternative für jene, die sie animieren können, ist eigentlich nur, dass sie nicht wählen», so Brühwiler. (fwa)

