International
Iran

Präsidenten-Wahl Iran: Das sind Said Dschalili und Massud Peseschkian

Moderat oder Hardliner? Diese zwei Männer kämpfen um Irans Präsidentschaft

Der moderate Präsidentschaftskandidat Massud Peseschkian und der Hardliner Said Dschalili treten im Iran zur Stichwahl an. Das willst du zu den beiden Kandidaten wissen.
01.07.2024, 13:0101.07.2024, 16:51
Mehr «International»

Im Iran wird gewählt und keiner geht hin.

Nur gerade 40 Prozent der Wahlberechtigten hätten übers Wochenende ihre Stimme abgegeben – ein historisch tiefer Wert. Bei der Präsidentenwahl im Jahr 2021 lag er noch 9 Prozentpunkte höher bei 49 Prozent.

Bis spät am Freitag zählte die Wahlbehörde rund 24 Millionen abgegebene Stimmen, dabei kam der frühere Gesundheitsminister und moderate Kandidat Massud Peseschkian auf rund 42,5 Prozent der Stimmen, der Hardliner Said Dschalili sicherte sich 38,7 Prozent. Die beiden gehen damit in eine Stichwahl, die nächsten Freitag über die Bühne geht.

Doch wer sind die beiden Kandidaten für das höchste Amt im Iran? Wir stellen die zwei vor.

Das ist Massud Peseschkian

epa11442776 Iranian reformist presidential candidate Masoud Pezeshkian (C) flashes a victory sign as he arrives to cast his vote at a polling station during the presidential election in Tehran, Iran,  ...
Der moderate Präsidentschaftskandidat Massud Peseschkian setzt auf bürgerliche Positionen. Bild: keystone

Peseschkian ist 69 Jahre alt und stammt aus dem Nordwesten Irans. Im Wahlkampf warb der bisher eher unscheinbare Politiker für neues Vertrauen zwischen Regierung und Volk, das nach gescheiterten Reformversuchen, politischer Repression und einer Wirtschaftskrise masslos enttäuscht ist von der bisherigen Politik.

Peseschkian wurde als einziger moderater Bewerber vom sogenannten Wächterrat, einem mächtigen islamischen Kontrollgremium, zugelassen. Bis zuletzt hatten Experten darüber debattiert, wie gut seine Chancen überhaupt stehen.

Anfang der 1990er Jahre verlor Peseschkian seine Ehefrau und einen seiner Söhne bei einem Verkehrsunfall. Der Witwer erschien auf seinen Wahlkampfterminen auch mit Tochter und Enkelkind. Wie viele Politiker des Reformlagers forderte er eine Verbesserung der Beziehungen zum Westen.

Im Wahlkampf kritisierte der Politiker die Kopftuchpolitik und warb mit bürgerlichen Positionen für Stimmen. Gleichzeitig bekundete Peseschkian seine Loyalität für Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei und die mächtigen Revolutionsgarden und lobte den Angriff mit Drohnen und Raketen auf Israel. In den TV-Debatten bezeichnete er sich selbst als wertkonservativen Politiker, der Reformen für notwendig hält.

Das ist Said Dschalili

Candidate for the presidential election Saeed Jalili, a former Iranian top nuclear negotiator, listens to a speaker during his campaign meeting at a sports hall in Tehran, Iran, Sunday, June 30, 2024. ...
Said Dschalili gilt als eiserner Verfechter der Ideologie der Islamischen Revolution im Iran.Bild: keystone

Der zweitplatzierte Dschalili gehörte früh zum engsten Machtzirkel und arbeitete im Büro des Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei. Unter dem umstrittenen früheren Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad war Dschalili Chefunterhändler bei den Atomverhandlungen. Er geniesst breite Unterstützung von radikalen und loyalen Systemanhängern.

Der promovierte Politikwissenschaftler kommt aus der nordöstlichen Millionenmetropole und Pilgerstadt Maschhad. Im Iran-Irak-Krieg (1980-88) wurde der erzkonservative Mann an der Front verwundet und verlor einen Teil seines rechten Beins.

Nach dem Krieg lehrte er in der Hauptstadt Teheran, bevor er eine Karriere im Aussenministerium begann.

Dschalili gilt als eiserner Verfechter der Ideologie der Islamischen Revolution im Iran.

Kommt's überhaupt darauf an, wer gewinnt?

Doch was wäre, wenn der moderate Kandidat Peseschkian die Stichwahl gewinnen würde? Würde sich im Land etwas ändern?

Ein moderater Präsident hätte nur begrenzte Möglichkeiten, die Regierung des Landes zu gestalten, sagt der Politikwissenschaftler Tareq Sydiq von der Marburger Universität gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

«Mit einem von Hardlinern dominierten Parlament, mit einem Obersten Religionsführer, der immer wieder signalisiert hat, dass eine zu moderate Politik eigentlich gar nicht erwünscht ist – da würde ich keinen grossen Handlungsspielraum erwarten», erklärt der Iran-Experte.

«Das beeinflusst natürlich auch den ansonsten geringen Enthusiasmus für diese Wahl.» Denn: Ein moderater Präsident dürfte seine Wahlversprechen kaum einhalten können.

Seit Jahren sei der Enthusiasmus für Wahlen gedrückt, sagt der Experte weiter. Er führt vor allem die verheerende Bilanz der vergangenen Regierungen, die Proteste und deren gewaltsame Unterdrückung sowie die politischen Repressionen gegen die Kopftuchverstösse an.

«Das alles wird die Stimmung eher drücken, sowohl was politische als auch soziale Rechte angeht», sagt Sydiq.

Die Erwartungen an eine Verbesserung der politischen und wirtschaftlichen Lage durch die Wahl dürften gering sein. Die Stimmung sei vor allem von «Ernüchterung und Hoffnungslosigkeit» geprägt.

(ome, mit Material der SDA)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
6 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6
    Rassemblement National: Wenn nicht Le Pen, dann eben Bardella
    Marine Le Pen ruft zum Protest gegen ihr Urteil auf. Viele fürchten, dass sie sich jetzt als Märtyrerin geriert. Doch dafür braucht sie auch ihre Wähler. Machen die mit?

    Wenige Stunden nach der Verurteilung von Marine Le Pen sitzt eine ihrer Anhängerinnen gelassen vor ihrem Haus im südfranzösischen Falicon. Unter einer Pergola, umrankt von lilafarbenen Bougainvillea-Blüten, raucht die Rentnerin eine Zigarette. Die Frau mit dem graublonden Pagenkopf sieht den juristischen Schlag gegen Le Pen pragmatisch. Sie freue sich stattdessen auf einen Präsidenten Jordan Bardella, den Vorsitzenden der Le-Pen-Partei Rassemblement National. «Jordan», sagt sie, «hat mehr Mitgefühl als Marine.» Sie fühle sich ihm näher und glaubt, dass auch die Jugend ihn lieben werde.

    Zur Story