Benzin, Kosten, Ferien: So spürt die US-Bevölkerung den Iran-Krieg
Benzinpreise
Nicht nur in Europa werden Autofahrerinnen und Autofahrer in diesen Tagen nervös. Nach dem Angriff auf ein Öllager im Iran stiegen am Montag die Ölpreise rasant in die Höhe. Das hat Folgen für den Treibstoffpreis. Nicht nur in der Schweiz eilten deshalb verunsicherte Menschen an Tankstellen, um noch vom günstigeren Sprit zu profitieren.
In den USA ist der Benzinpreis seit dem Ausbruch des Konflikts um fast 17 Prozent gestiegen, berichtet die New York Times. Nur wenige Tage vor dem Angriff lag der Durchschnittspreis bei 2.951 Dollar pro Gallone (3,785 Liter). Am Dienstag war er bereits bei 3.539 Dollar, in Kalifornien zahlte man schon deutlich über 5 Dollar pro Gallone, da hier Steuern die Krise noch verschärfen. An manchen Tankstellen zahlt man gar über 8 Dollar.
Gegenüber der New York Post berichten Autofahrer aus Kalifornien, dass sie über die hohen Spritpreise schockiert seien. Gleichzeitig fordern erste Politiker ein Einschreiten von Trump. Der demokratische Senator Chuck Schumer verlangt etwa, dass Trump sofort Öl aus der «Strategic Petroleum Reserve» freigibt, um die Preise zu senken. Das ist der Notvorrat an Erdöl, der vom Energieministerium verwaltet wird.
«Kalifornien ist in einer Todesspirale in Bezug auf Benzin- und Ölpreise», sagt die republikanische Senatorin Suzette Valladares zur «California Post». «Wenn der Präsident unsere Benzinkrise als nationale Krise anerkennt, könnte er eingreifen.» Valladares gibt allerdings Gouverneur Gavin Newsom und seiner Politik die Schuld an den gestiegenen Preisen. Oder in ihren Worten: «Seine Politik und unrealistischen Klimaziele haben uns in diese Lage gebracht.»
California has the highest gas prices in the nation.
— Senator Suzette Valladares (@SenValladares) March 9, 2026
That’s not inevitable - it’s policy.
We should be building energy resilience and independence, not leaving Californians exposed to global shocks.
Average gas price today:⁰CA: $5.20⁰U.S.: $3.48
Gemeint ist das Emissionshandelssystem in Kalifornien, das Raffinerien dazu verpflichtet, CO2-Emissionen zu reduzieren oder auszugleichen. Gegner warnten, dass sie dadurch dichtmachen müssten und somit mehr Erdöl aus dem Ausland importiert werden müsse, berichtet das Wall Street Journal. Dadurch würden die Kosten steigen und Arbeitsplätze verloren gehen.
Doch auch andere US-Staaten sehen sich mit steigenden Benzinpreisen konfrontiert. Dabei hatte Trump in den vergangenen Monaten immer wieder betont, wie tief doch die Benzinpreise seien und dass dies ihm zu verdanken sei. Das stimmte nicht immer ganz, nun steigt der Preis jedoch rasant, wie eine Auswertung von AAA Gas Prices zeigt.
Und Trump? Der beschwichtigt. Am Sonntag verkündete er auf seiner Plattform Truth Social, dass die Ölpreise zwar kurzzeitig steigen mögen. Sobald jedoch die nukleare Bedrohung durch den Iran beseitigt sei, werde der Preis rasch sinken. «Das ist ein sehr kleiner Preis für die USA, die Welt, Sicherheit und Frieden», schrieb er. Allerdings trifft dieser Preis auch jene am ärgsten, die ohnehin ein kleines Budget haben.
Wie sich der Preis entwickelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Nicht zuletzt auch von Trump, respektive seinen Aussagen. Nachdem er am Montag verkündet hatte, dass der Iran-Krieg praktisch vorbei sei, erholten sich die Märkte ein wenig. Sollte es jedoch zu neuen Eskalationen kommen, droht ein neuer Kostenanstieg.
Kriegskasse
Einen Krieg zu führen, kostet viel Geld. Die USA haben laut Forbes noch vor dem ersten Angriff 600 Millionen Dollar ausgegeben. Je nach Dauer rechnen Experten mit bis zu 95 Milliarden Dollar – der wirtschaftliche Verlust für die USA dürfte auf bis zu 210 Milliarden Dollar steigen.
Allein in den ersten beiden Tagen des Angriffs wurde laut der Washington Post Munition im Wert von 5,6 Milliarden Dollar eingesetzt. Nun sollen günstigere Raketen verwendet werden.
Dennoch schätzen Experten, dass Lufteinsätze pro Tag rund 30 Millionen Dollar verschlingen, Wassereinsätze rund 15 Millionen pro Tag und Bodeneinsätze 1,6 Millionen pro Tag. Dennoch wurde eine Resolution der Demokraten im US-Repräsentantenhaus abgelehnt. Sie hatte mehr Mitsprache des Kongresses im Iran-Krieg verlangt.
Flugreisen
Der Angriff auf den Iran hatte massive Auswirkungen auf den internationalen Flugverkehr. Tausende Menschen strandeten in der Golfregion, da der Luftraum über Dubai – einem wichtigen Transitflughafen – geschlossen war. Auch andere Flughäfen waren stillgelegt, die als wichtige Drehscheiben gelten.
Amerikanerinnen und Amerikaner, die zu Hause waren, merkten davon erst einmal wenig. Doch nun beginnen die Frühlingsferien. Zwischen März und Mai kommt es deshalb zu mehr Reiseverkehr. Wer allerdings einen internationalen Flug geplant hatte, könnte enttäuscht werden.
Viele Flüge wurden gestrichen. Jene, die stattfinden, werden nun teurer. Weil die Routen um das Kriegsgebiet herumführen, dauert die Flugzeit länger und es wird mehr Kerosin verbraucht – kurz: Die Kosten steigen. Angesichts der weltweiten Sicherheitslage wird es ausserdem zunehmend komplizierter, sichere Flugrouten zu finden. Der britische Telegraph sprach am Montag gar von einem «Nadelöhr» über Aserbaidschan und Georgien, durch das sich nun tausende Flugzeuge drängen müssen.
Hinzu kommt für Amerikanerinnen und Amerikaner ein weiteres, inländisches Problem: Wegen des Teil-Shutdowns fehlt es an Grenzschützern. An den Flughäfen bilden sich derzeit deshalb lange Warteschlangen, da nicht genügend Personal vorhanden ist, wie verschiedene Medien berichten.
Menschenleben
Es ist der höchste Preis in einem Krieg: Die Menschenleben, die verloren gehen. Auf US-amerikanischer Seite starben bisher sieben Soldaten.
CENTCOM Update
— U.S. Central Command (@CENTCOM) March 8, 2026
TAMPA, Fla. – Last night, a U.S. service member passed away from injuries received during the Iranian regime’s initial attacks across the Middle East. The service member was seriously wounded at the scene of an attack on U.S. troops in the Kingdom of Saudi Arabia…
Wie viele Menschen in dem zwölftägigen Krieg bisher insgesamt ums Leben gekommen sind, darüber gibt es noch keine genauen Zahlen. Schätzungen reichen von knapp 1000 bis über 1300 Menschen. Und noch ist der Krieg nicht vorbei.
Zu den ersten Opfern gehören viele Kinder: Am ersten Tag des Angriffs wurde eine Schule nahe einer Militäranlage von einer Rakete getroffen. Über 170 Menschen starben dabei. Wer die Rakete abgefeuert hatte, war zunächst unklar. In den vergangenen Tagen wurde der Verdacht laut, dass sie von den USA abgefeuert worden war.
Zustimmung
Steigende Benzinpreise, Krieg, drohende Inflation – die amerikanische Bevölkerung sieht sich mit einer Reihe von Problemen konfrontiert. Die loyalen Trump-Fans hielten stets zu ihm, doch der US-Präsident bewegt sich auf einem schmalen Grat.
Sollte der Krieg länger andauern und damit auch die Benzinpreise hoch bleiben, könnte sich dies negativ auf die Midterms auswirken. Schon jetzt werden Stimmen laut, die ein Ende des Kriegs verlangen. Und auch in der MAGA-Basis macht sich eine Spaltung bemerkbar.
Immerhin war es eine seiner grössten Ankündigungen im Wahlkampf: Donald Trump hatte versprochen, die Benzinpreise zu senken, indem er die Öl- und Gasförderung in den USA stärken wolle. Nach der Entführung Maduros hatte Trump zudem offen zugegeben, dass es ihm um die Erdölreserven in Venezuela gehe.
Trump versuchte zwar nach den jüngsten Preissprüngen zu beschwichtigen, dass dies nur von kurzer Dauer sein werde, Experten rechnen laut dem «Time Magazine» jedoch damit, dass der Markt eine Weile brauchen wird, bis sich die Preise wieder normalisiert haben. Für Prognosen ist es derzeit aber noch zu früh.
