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Tourists push their luggage in a flooded St. Mark's Square, in Venice, Wednesday, Nov. 13, 2019. The high-water mark hit 187 centimeters (74 inches) late Tuesday, Nov. 12, 2019, meaning more than 85% of the city was flooded. The highest level ever recorded was 194 centimeters (76 inches) during infamous flooding in 1966. (AP Photo/Luca Bruno)

Touristen schleppen ihre Koffer durch die überschwemmte Lagunenstadt. Bild: AP

Hochwasser in Venedig – das Projekt «Mose» hätte die Katastrophe verhindern können

Seit über 50 Jahren wurde die italienische Stadt nicht mehr derart überflutet. Zwei Tote, die Markuskirche beschädigt – haben die Behörden versagt?

Dominik Straub aus Rom / ch media



Am Mittwochmorgen schrillten um 8.30 Uhr erneut die Sirenen in Venedig. «Wir stehen vor einer apokalyptischen, totalen Verwüstung», erklärte der Präsident der Region Veneto, Luca Zaia. 80 Prozent der Stadt stünden unter Wasser; die Schäden seien unvorstellbar, furchteinflössend. Der Notstand wurde ausgerufen. «Wir fordern die Regierung auf, uns zu helfen, die Kosten werden hoch sein», betonte Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro.

Am Dienstagabend war der Wasserstand auf 1.87 Meter über den Normalpegel gestiegen – den zweithöchsten Wert seit 1966, als 1.94 Meter erreicht wurden. Bewohner und Touristen bewegten sich in hohen Gummistiefeln durch ihre Stadt; auf dem Markusplatz kamen wie bei jedem Hochwasser Stege zum Einsatz. Doch zahlreiche Cafés und Restaurants waren überflutet und blieben geschlossen, ebenso sämtliche Schulen.

Allein in der Nacht auf Mittwoch musste die Feuerwehr 170 Mal ausrücken, um Wohnungen leerzupumpen. Auch die Hochwasser-Alarmzentrale wurde von den Fluten heimgesucht: Die Telefonzentrale fiel wegen eines Kurzschlusses stundenlang aus. Auch das berühmte Theater La Fenice wurde überflutet; die elektrische Anlage musste wegen drohender Kurzschlüsse ausser Betrieb genommen werden.

Massiv betroffen wurde insbesondere das berühmteste Bauwerk der Stadt, die Markus-Basilika. Die gesamte Krypta ist überflutet, und in der Kirche selber stieg der Wasserpegel auf bis zu 1.10 Meter über dem wertvollen Mosaik-Fussboden. Der Domprokurator Pierpaolo Campostrini befürchtet Schäden des aus dem Jahr 1063 stammenden Mauerwerks.

epa07993123 An overview of the narthex of the Basilica of San Marco, damaged by flooding in Venice, northern Italy, 13 November 2019. A wave of bad weather has hit much of Italy on 12 November. Levels of 100-120cm above sea level are fairly common in the lagoon city and Venice is well-equipped to cope with its rafts of pontoon walkways.  EPA/ANDREA MEROLA

Wasser in der Markus-Basilika. Bild: EPA

«Die Sache ist gefährlich, denn bei den alten Säulen könnten sich statische Probleme ergeben», betonte Campostrini. Um den Wasserstand zu kontrollieren, wurden Nachtwachen eingerichtet. Der Eingang der Basilika ist der tiefste Punkt des gesamten Stadtkerns. Das Ausmass der Schäden war noch nicht absehbar. Italiens Kulturminister Dario Franceschini sagte, man beobachte die Entwicklungen «Schritt für Schritt».

Auf der Insel Pellestrina, die sich ebenfalls in der Lagune befindet, forderte das Rekord-Hochwasser mindestens ein Todesopfer. Ein 78-jähriger Mann starb an einem Stromschlag, als er eine elektrische Pumpe in Gang setzen wollte, um das Wasser aus seiner Wohnung zu befördern.

Ein zweiter Einwohner Pellestrinas wurde ebenfalls tot in seiner Wohnung aufgefunden. Hier schlossen die Behörden allerdings nicht aus, dass er eines natürlichen Todes gestorben ist.

Barrieren hätten das Unglück mindern können

Bürgermeister Brugnaro fragte rhetorisch, wo eigentlich das Projekt «Mose» geblieben sei, das Venedig und seine Kulturschätze längst vor den jährlich wiederkehren Hochwassern schützen sollte. Beim Jahrhundert-Projekt «Mose» handelt es sich um im Meeresgrund verankerte, sich bei Hochwasser automatisch aufrichtende Barrieren, die bei den drei Laguneneingängen das Meerwasser am Eindringen in die Lagune hindern sollten.

Stranded gondolas float adrift over the flooded banks, in Venice, Wednesday, Nov. 13, 2019. The mayor of Venice is blaming climate change for flooding in the historic canal city that has reached the second-highest levels ever recorded, as another exceptional water level was recorded Wednesday. (AP Photo/Luigi Costantini)

Die Barrieren hätten dieses Chaos verhindern sollen. Bild: AP

Die Barrieren wären im Prinzip weitgehend fertiggestellt. Am 4. November, dem Jahrestag des Jahrhundert-Hochwassers von 1966, hätten sie erstmals gemeinsam getestet werden sollen. Weil aber im Oktober bei Tests von einzelnen Anlagen Vibrationen aufgetreten waren, wurde der Termin für die Generalprobe ein weiteres Mal verschoben – und so blieben die Barrieren auch beim aktuellen Hochwasser auf dem Meeresgrund.

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So sollte «Mose» eigentlich funktionieren. Video: YouTube/Ufficio Stampa Mose

Bei «Mose» handelt es sich um das grösste Infrastrukturprojekt Italiens der Nachkriegszeit. Die Bezeichnung «Mose» verleitet zwar zu alttestamentarischen Assoziationen, ist aber die profane Abkürzung für «Modulo Sperimentale Elettromeccanico». Begonnen wurden die Arbeiten am 5.5 Milliarden Euro teuren Hochwasserschutz im Jahr 2003 unter Silvio Berlusconi; die Inbetriebnahme wäre für 2016 vorgesehen gewesen. (bzbasel.ch)

Hochwasser in Venedig

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Magnum44 14.11.2019 09:22
    Highlight Highlight Also wasserdicht sehen diese Koffer ja nicht aus. Muss geil sein, deren Inhalt mit dreckigem Meerwasser zu tränken.
  • Beardman 14.11.2019 07:57
    Highlight Highlight "Auch die Hochwasser-Alarmzentrale wurde von den Fluten heimgesucht: Die Telefonzentrale fiel wegen eines Kurzschlusses stundenlang aus."

    Etwas lustig ist es ja schon, dass man die Hochwasser-Alarmzentrale nicht an einem Ort einrichtet welcher vor Hochwasser geschützt ist...
  • SwissWitchBitch 14.11.2019 07:45
    Highlight Highlight Das gäb sicher spannend-schöne Fotos vom Inneren der Kirche.
  • WID 14.11.2019 06:52
    Highlight Highlight Am schlimmsten sind die Touris welche ihre Koffer durch das Wasser schleppen.
  • Militia 14.11.2019 06:46
    Highlight Highlight Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mose wirklich etwas nützt. Dafür müssten die einzelnen Barrieren ja luftdicht abschliessen und eine Welle scheint einfach drüber schwappen zu können. Bin kein Experte auf dem Gebiet, aber das scheint mir doch ziemlich unrealistisch..?
    • maylander 14.11.2019 11:39
      Highlight Highlight Selbst wenn ein paar Wellen darpberschwapoen wäre der Wasserspiegel immer noch viel tiefer.
      In den Niederlanden funktioniert es ja auch.
  • leu84 14.11.2019 00:45
    Highlight Highlight Was war der Grund für die Überschwemmung? Regen oder ein Rückstauen drr Adria?
    • Töfflifahrer 14.11.2019 06:16
      Highlight Highlight Der Regen in Kombination mit einem entsprechenden Wind. Dies wird auch Aqua Alta Venezia (oder ähnlich) genannt.
  • Füürtüfäli 14.11.2019 00:06
    Highlight Highlight "Touristen schleppen ihre Koffer durch die überschwemmte Lagunenstadt" und dies lachen🤦‍♀️

    und es wäre nicht Italien, wenn nicht ...
    http://www.handelsblatt.com/politik…91698.html


    Letztendlich wird in Venedig die gesammte Lagune durch Dämme von der Adria getrennt werden müssen, und der Wasserkreislauf der Lagune künstlich reguliert werden. Alles eine Frage der Klimaerwärmung und der Zeit. Der Hochwasserschutz ist zwar nett, aber er wird das wahre Problem nicht lösen.
  • murrayB 13.11.2019 23:56
    Highlight Highlight Katastrophe? Nur nicht übertreiben, es gab immer Zeiten wo der Marcusplatz unter Wasser Stand...
    • Aglaya 14.11.2019 07:02
      Highlight Highlight Es hat immerhin zwei Tote gegeben, das ist hoffentlich bei Aqua Alta nicht der Normalfall.
  • Evan 13.11.2019 23:35
    Highlight Highlight Die Touristen scheinen mir viel zu glücklich zu sein, dafür dass gerade der ganze Inhalt ihres Koffers im Meerwasser getränkt wird.
    • Pana 14.11.2019 01:21
      Highlight Highlight Same Gedanke hier. Bei meinem letzten Urlaub fuhr ich meinen Koffer durch ne Regenpfütze, die ich für den Rest des Tages verfluchte. Deshalb bin ich wohl kein Influencer.
    • sephiran 14.11.2019 08:25
      Highlight Highlight Das sind Fake-Touristen
    • 7immi 14.11.2019 10:26
      Highlight Highlight Die werdens vermutlich erst realisieren, wenn sie den Koffer auspacken...
  • Chrigi-B 13.11.2019 23:35
    Highlight Highlight Haben die Behörden versagt? Selten so gut gelacht 😂

    Die Italiener können nicht mal die Abfallentsorgung organisieren.....
    • The Destiny // Team Telegram 14.11.2019 08:32
      Highlight Highlight Die ist organisiert...




      Von der Mafia.
  • redeye70 13.11.2019 23:27
    Highlight Highlight Die Stadt Venedig hätte sich wohl selbst mehr einbringen können für den Schutz ihrer Stadt. Die Millionen Touristen werden ja genug abgezockt. Nun soll der Staat für die Schäden aufkommen?
    • Ril 14.11.2019 09:02
      Highlight Highlight Zu wahr, nur ist Venedig leider keine Stadt mehr, sondern eher zu einem Disneyland verkommen. Niemand lebt mehr dort, der Tourismusprofit endet in den Taschen einiger weniger Reiseagenturen (Stichwort Kreuzfahrten) und lokaler Mogule, die sich keinen Deut um den Erhalt dieses einzigartigen Ortes scheren.

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