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Julian Assange nach einem Gerichtstermin am 1. Mai in London.
Julian Assange nach einem Gerichtstermin am 1. Mai in London.
Bild: EPA/EPA

Die Assange-Protokolle: CNN zitiert aus Geheimbericht der Londoner Botschaft

Überwachungsprotokolle aus der ecuadorianischen Botschaft in London legen laut CNN eine intensive Zusammenarbeit zwischen Julian Assange und Russland nahe. Die involvierten Personen schweigen oder verneinen.
16.07.2019, 16:2205.02.2020, 12:51

Was ist passiert?

Sieben Jahre lang steckte der Wikileaks-Gründer Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Er hatte 2012 politisches Asyl beantragt, weil er sich wegen der Veröffentlichung geheimer Dokumente vor einer Auslieferung an die USA fürchtete. Während dieser Zeit wurde er genauestens überwacht. Im April 2019 entzog ihm Ecuador das Asyl in der Botschaft, daraufhin nahmen ihn britische Beamte fest.

CNN und El Pais sind in den Besitz der Überwachungsberichte und -Protokolle gelangt. Der amerikanische TV-Sender erhebt schwere Vorwürfe: Julian Assange soll die ecuadorianische Botschaft in einen Kommandoposten für die Einmischung in die US-Wahlen verwandelt haben – und zwar mit Hilfe von Russland.

Was sagt der Bericht?

  • Assange habe sich mehrere Male mit «Russen und Weltklasse-Hackern» getroffen, die ihm möglicherweise gehacktes Material überbrachten.
  • Diese Treffen hätten jeweils kurz vor bedeutenden Leaks im amerikanischen Präsidentschaftsrennen 2016 stattgefunden. Sie dauerten zum Teil mehrere Stunden.
  • Assange habe leistungsstarke Computer und Netzwerk-Hardware für grosse Datentransfers erhalten, kurz bevor ein grosses Leak bevorstand.
  • Die Sicherheitsprotokolle würden zeigen, dass Assange persönlich einige der Leaks «direkt von der Botschaft aus» veröffentlichte.
  • Nach den Wahlen habe die Sicherheitsfirma in einer Einschätzung geschrieben, dass «ohne Zweifel Hinweise verhanden» seien, dass Assange Verbindungen zu russischen Geheimdiensten hatte.
  • Assange habe viele Freiheiten genossen. So habe er der Botschaft eine Liste mit Personen überreicht, die sich bei Besuchen nicht ausweisen mussten und nicht durchsucht wurden. Laut Bericht konnte Assange auch Namen vom Besuchsprotokoll streichen. Um der Überwachung durch Kameras zu entgehen, habe sich der Australier mit einigen Gästen im Frauen-WC getroffen.
  • Laut den Berichten habe Assange gesagt, dass er dank seinen Kontakten zu hohen ecuadorianischen Regierungsmitgliedern Botschaftsangestellte feuern lassen könne – Botschafter inklusive.
  • Julian Assange habe mehrmals Mitarbeiter des russischen Staatssenders RT empfangen, so etwa den London-Bürochef Nikolay Bogachikhin im Juni 2016. In einem kurzfristig angesetzten Treffen habe Bogachikhin Assange einen USB-Stick überreicht. Der Besuch habe nur fünf Minuten gedauert.

«El Pais» veröffentlichte Videoaufnahmen:

Von wem stammen die Sicherheitsberichte?

Von der privaten spanischen Sicherheitsfirma UC Global. Sie überwachte für Ecuador die Botschaft in London. CNN und «El Pais» gelangten in den Besitz der Dokumente. Wer die Berichten den Medien zugespielt hat, ist unklar. Laut CNN bestätigt ein nicht genannter ecuadorianischer Geheimdienst-Offizier, dass der Bericht «authentisch» sei.

Wieso ist das so brisant?

Erinnern wir uns an den Präsidentschaftwahlkampf 2016 in den USA, aus dem letztlich Donald Trump als Sieger hervorging. Im Sommer veröffentlichte Wikileaks 20'000 interne E-Mails der demokratischen Parteispitze – pünktlich zum Start der Democratic National Convention. Im Oktober folgten 50'000 gehackte E-Mails von Clintons Wahlkampfleiter Podesta.

Im Zentrum steht die Frage, von woher diese gehackten Mails und Dateien kommen. Waren es private Hacker? Oder hat der russische Staat die Demokraten gehackt und diese Dateien Julian Assange zugespielt? Wenn ja: Wusste er, dass das Material vom russischen Staat gekommen ist? Waren diese geleakten Informationen überhaupt ausschlaggebend für die Wahl?

Was sagen die Involvierten zu den Berichten?

  • Julian Assange hat immer bestritten, dass er für den Kreml arbeitet und die Quelle für die Leaks die russische oder eine anderweitige Regierung sei. Er betont, dass er auch kritische Informationen über Donald Trump veröffentlicht hätte.
  • Zu den Überwachungsberichten von UC Global wollte sich weder Wikileaks noch die Anwälte von Assange äussern.
  • David Morales, Besitzer und Chef von UC Global sagte zu «El Pais»: «Alle Informationen sind vertraulich und gehören der Regierung von Ecuador. Wir haben einfach unseren Job gemacht. Ich kann nicht mehr dazu sagen, ich kann keine Details erläutern.» Gegenüber CNN gab die Sicherheitsfirma keinen Kommentar ab.
  • Von den vier Botschaftern, die während Assanges Asyl in London waren, schweigen drei. Der vierte, Juan Falconi, sagte zu CNN, dass Ecuador ihn nie angewiesen habe, Assange speziell zu behandeln. Ausserdem habe er Assange Regeln aufgestellt – und nicht umgekehrt. Falconi war bis 2015 Botschafter in London.
  • Nikolay Bogachikhin, Chef des Londoner RT-Büros, erklärte seine Treffen mit Assange so: «RT hat mehrere Programme mit Herrn Assange produziert. Die Treffen standen nur im Zusammenhang mit der Inhaltsproduktion.»
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Sieben Jahre in der Botschaft: Der Fall Julian Assange

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Sieben Jahre in der Botschaft: Der Fall Julian Assange
quelle: shutterstock.com
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Julian Assange in der Botschaft Ecuadors festgenommen

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