International
USA

Alexandria Ocasio-Cortez befeuert Gerüchte um Präsidentschaftskandidatur

Alexandria Ocasio-Cortez, gilt als Vordenkerin in der demokratischen Partei der USA, bei Diskussion in der TU Berlin mit Studenten zum Zustand der Politik in den USA und
Alexandria Ocasio-Cortez bei ihrem Auftritt am Sonntag an der Technischen Universität Berlin.Bild: www.imago-images.de

Deutschland-Tour von AOC befeuert die Gerüchteküche

Alexandria Ocasio-Cortez hatte bislang mit Aussenpolitik wenig am Hut. Ihre Teilnahme an der Münchner Sicherheitskonferenz gilt als Indiz, dass sie nach ganz oben strebt.
17.02.2026, 15:2917.02.2026, 15:29

Einst arbeitete Alexandria Ocasio-Cortez als Barista und hatte Mühe, die Miete zu bezahlen. Heute gehört die 36-Jährige zu den Superstars der US-Politik, vor allem für die Linke. Seit 2019 vertritt sie einen Wahlkreis ihrer Geburtsstadt New York im Repräsentantenhaus. Bekannt ist sie unter dem Kürzel AOC – ein Privileg, das nur «echte» Promis geniessen.

Sie ist Mitglied der Demokratischen Sozialisten Amerikas und eine enge Vertraute der Linken-Ikone Bernie Sanders. Zu den bevorzugten Feindbildern von Ocasio-Cortez gehören Superreiche und Rechtspopulisten. «Extreme Einkommensungleichheit führt zu sozialer Instabilität», sagte sie am letzten Freitag an der Münchner Sicherheitskonferenz.

FILE _ Sen. Bernie Sanders, I-Vt., left, greets Rep. Alexandria Ocasio-Cortez, D-N.Y., as they speak during a stop of their "Fighting Oligarchy" tour at Civic Center Park, March 21, 2025, in ...
Mit ihrem Mentor Bernie Sanders war AOC letztes Jahr auf der «Fight Oligarchy»-Tour durch die USA.Bild: keystone

Ihre Teilnahme am Stelldichein der Aussen- und Verteidigungspolitiker sorgte für Aufsehen. Denn in diesen Bereichen hat AOC bislang kaum Spuren hinterlassen. Umso heftiger wurde gemäss der «New York Times» über ihre Beweggründe spekuliert. Sie wolle für die US-Präsidentschaft kandidieren und ihr aussenpolitisches Profil schärfen, hiess es.

Kandidatur schon 2028?

Entsprechende Fragen lachte sie in München weg. Doch allein ihre Teilnahme an mehreren Podien zeigte, dass Ocasio-Cortez nicht als Zaungast nach Deutschland gereist war, sondern Präsenz markieren wollte. Dazu passte ein Auftritt am Sonntagabend im Auditorium der Technischen Universität (TU) Berlin, wo sie mit Ovationen gefeiert wurde.

Gerüchte über eine Kandidatur von AOC für das Weisse Haus, womöglich schon 2028, kursieren seit einiger Zeit. Zuletzt aber haben sie an Fahrt aufgenommen. Nach ihrer Wahl hatte sie sich als linke «Rebellin» profiliert, doch in letzter Zeit habe sie sich um eine Annäherung an moderate Demokraten bemüht, schrieb die «New York Times» letzte Woche.

Progressive Forderungen

So versandte sie einen Spendenaufruf für die Senatskandidatur von Mary Peltola in Alaska. Die ehemalige Abgeordnete unterstützt Ölbohrungen und das Recht auf Waffenbesitz, was den Ansichten von AOC (sie ist engagierte Klimaschützerin) zu diesen Themen komplett widerspricht, aber im Einklang steht mit dem konservativen Profil des Bundesstaats.

MUNICH, GERMANY - FEBRUARY 13: Alexandria Ocasio-Cortez (2nd from L), U.S. representative for New York's 14th congressional district, speaks at a Townhall panel on populism at the 62nd Munich Sec ...
In München nahm AOC an einem Panel zum Thema Populismus teil.bild: Sean Gallup/Getty Images

Umgekehrt zeigen sich gemässigtere Mitglieder der Demokratischen Partei offener für die progressiven Forderungen von Ocasio-Cortez zu Themen wie Ungleichheit und Kaufkraft. Nur so könne man Wählerinnen und Wähler aus der Arbeiterklasse zurückgewinnen, die bei den letzten Wahlen 2024 scharenweise zu Donald Trump «übergelaufen» waren.

Nichtssagende Antworten

Demokratische Kongressmitglieder attestierten ihr gegenüber der «New York Times» Teamgeist und die Bereitschaft, Koalitionen zu bilden. Innenpolitisch läuft es somit ziemlich rund für die Abgeordnete mit Wurzeln in Puerto Rico. Da scheint es nur logisch, dass sie auf der Weltbühne Präsenz markieren und sich für höhere Aufgaben empfehlen will.

Ihre Auftritte in München hinterliessen allerdings einen zwiespältigen Eindruck. So prangerte sie nicht zum ersten Mal den israelischen «Genozid» in Gaza an. Bei Fragen zu anderen Konfliktherden aber geriet sie ins Schleudern und gab teilweise nichtssagende Antworten, etwa ob US-Truppen Taiwan im Fall einer chinesischen Invasion verteidigen sollen.

Demokratische Konkurrenz

In der Geopolitik hat AOC Luft nach oben, doch das muss sie vorerst nicht kümmern. Bei US-Wahlen ist dieses Thema in der Regel ein Nebenschauplatz. Eher beschäftigen muss sie die Tatsache, dass in München weitere demokratische Politikerinnen und Politiker anwesend waren, denen Ambitionen auf die US-Präsidentschaft nachgesagt werden.

epa12735043 Governor of California Gavin Newsom speaks during the 62nd Munich Security Conference (MSC) at the hotel 'Bayerischer Hof', in Munich, Germany, 13 February 2026. The 62nd Munich  ...
Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom befindet sich ebenfalls auf einer Europatour.Bild: keystone

Zu ihnen gehörten die Senatoren Chris Murphy, Ruben Gallego und Mark Kelly oder Gouverneurin Gretchen Whitmer aus Michigan. Ihr Amtskollege Gavin Newsom aus Kalifornien beehrte die Sicherheitskonferenz ebenfalls mit seinem Besuch, nachdem er im Januar am WEF in Davos teilgenommen hatte. Seine Kandidatur gilt als praktisch sicher.

Umstrittene Reichensteuer

In den Umfragen liegt Newsom an der Spitze, was derzeit wenig bedeutet. Auch er arbeitet an seinem aussenpolitischen Profil, was er mit einer eigenen «Europatour» unterstreicht. In London unterzeichnete er am Montag ein Abkommen mit der britischen Regierung für den Bau von Offshore-Windanlagen – ein Seitenhieb an die Adresse von «Klimaleugner» Trump.

Kaum ein Demokrat attackiert den Präsidenten schärfer als Gavin Newsom. Gleichzeitig gibt er sich betont moderat. So bekämpft er eine Volksinitiative für eine Reichensteuer, über die vermutlich im November in Kalifornien abgestimmt wird. Alexandria Ocasio-Cortez hat eine solche gefordert, doch selbst im heutigen Amerika gibt es dafür kaum eine Mehrheit.

«Eine radikale Kommunistin»

Und trotz der Annäherung an die politische Mitte dürfte AOC Probleme haben, «sich parteiintern als Kandidatin durchzusetzen», schrieb die ihr ideologisch durchaus gewogene Berliner TAZ. Grosse Teile der US-Bevölkerung sähen in ihr eine radikale Kommunistin, räumte sie bei ihrem Auftritt am Sonntag an der Technischen Universität selbst ein.

Der Weg ins Weisse Haus bleibt für Alexandria Ocasio-Cortez steinig. Sie werde kaum vor 2027 über eine Kandidatur entscheiden, schrieb die «New York Times» unter Berufung auf Verbündete und Freunde. Neben der Präsidentschaft wäre der New Yorker Senatssitz von Chuck Schumer eine Option. Der 75-Jährige hat noch nicht entschieden, ob er erneut antreten will.

Selfie mit AOC

Mit ihrem Charisma und ihrem politischen Talent ist für Ocasio-Cortez trotz aller Vorbehalte vieles möglich. Das zeigte sich an der Münchner Konferenz, wo sie an einem Panel mit Daiana Fernandez Molero teilnahm, einer liberalen Abgeordneten aus Argentinien. Dabei zeigten sich klare Differenzen, etwa zum Sturz von Venezuelas Machthaber Nicolas Maduro.

Ein Selfie mit der prominenten US-Abgeordneten aber liess sich die Argentinierin nicht nehmen, obwohl sie gegenüber der «New York Times» einräumte, dass dies vielen ihrer Follower in den Sozialen Medien nicht gefallen werde. Auf die Frage, ob sie das Bild dennoch posten wolle, sagte Fernández Molero: «Ja, natürlich. Sie ist AOC!»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Alexandria Ocasio-Cortez
1 / 15
Alexandria Ocasio-Cortez
Alexandria Ocasio-Cortez wurde am 3. Januar als jüngstes Kongressmitglied vereidigt.
quelle: ap/ap / j. scott applewhite
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Ocasio-Cortez und Sanders kämpfen gegen Trump – und sprengen Zuschauerrekorde
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
168 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Viva Svizzera
17.02.2026 15:54registriert März 2023
AOC hat keine Chance bei den amerikanischen Wählern. Zu links, zu extrem... nicht mehrheitsfähig.
13641
Melden
Zum Kommentar
avatar
zaphod67
17.02.2026 15:43registriert Mai 2018
Ein "Superstar" ist AOC seit jeher nur für watson. Die allermeisten Amerikaner auf beiden Seiten wollen mit ihr nichts zu tun haben. Bei einer Kandidatur von AOC wäre ein republikanischer Sieg so sicher wie das Amen in der Kirche.
14169
Melden
Zum Kommentar
avatar
Johann Larson
17.02.2026 15:46registriert März 2021
Ich bin grosser Bernie Fan, aber AOC is simply not the brightest candle on se cake. In München hat sie Venezuela kurzerhand auf die Südhalbkugel verlegt und gleichzeitig die spanischen Wurzeln der Cowboy-Kultur leugnet ("die Mexikaner und Nachkommen afrikanischer versklavter Menschen würden dazu gern ein Wort sagen.“). Man merkt: Ideologie ersetzt hier Wissen. Haltung ist eben kein Ersatz für Geographie – und Twitter-Moral kein Geschichtsbuch.
10551
Melden
Zum Kommentar
168
Trump und Ukraine-Deals: Ex-US-General warnt vor «schrecklichem Frieden»
Ex-US-General Ben Hodges befürchtet, dass Trump bereits einen «schrecklichen Frieden» in der Ukraine plant.
Die Ukraine und Russland verhandeln derzeit wieder. Zum Auftakt der Gespräche in Genf warnte der Ex-US-General Ben Hodges am Dienstagabend in der Polit-Talkshow «Markus Lanz» davor, dass US-Präsident Donald Trump womöglich längst ein paar «Deals» zur Ukraine eingefädelt habe. Darüber sei auf der Münchner Sicherheitskonferenz spekuliert worden, berichtete der ehemalige Oberkommandierende der US-Landstreitkräfte in Europa und Russland.
Zur Story