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Für Angela Merkel und Boris Johnson dürfte das Betten-Problem kein Problem sein.
Für Angela Merkel und Boris Johnson dürfte das Betten-Problem kein Problem sein.Bild: keystone/watson.

25'000 Besucher, aber nur 15'000 Zimmer: Die Klimakonferenz hat ein Problem

01.11.2021, 14:5001.11.2021, 16:27

US-Präsident Joe Biden hat eines. Genauso wie der französische Präsident Emmanuel Macron oder Indiens Premierminister Narendra Modi – ein Bett in Glasgow während der UN-Klimakonferenz (COP26). Für alle anderen Besucher der COP26 könnte es knapp werden eine Unterkunft zu finden – oder sehr, sehr teuer.

Ein gemütliches Bett ist in Glasgow derzeit Mangelware.
Ein gemütliches Bett ist in Glasgow derzeit Mangelware.Bild: shutterstock

Denn etwa 25'000 Regierungsbeamte, CEOs, Aktivisten und NGO-Vertreter trafen am Wochenende zum Beginn der COP26 in Glasgow ein. Doch in Glasgow stehen nur knapp 15'000 Hotelzimmer zur Verfügung.

Die Stadt musste sogar zwei Kreuzfahrtschiffe im Fluss Clyde festmachen, um Tausende von Gipfelteilnehmern unterzubringen.

Zimmersuche wird zur Staatsaffäre

Viele Länder hielten sich zurück, für ihre offiziellen Vertreter frühzeitig Zimmer zu buchen, da sie die Reisebeschränkungen aufgrund der Pandemie erst einmal abwarten wollten.

Und so landete ein Diplomat Burkina Fasos, Soulymane Nabole, letzte Woche in Glasgow mit einer Aufgabe, die fast so schwierig ist, wie die globale Erwärmung zu stoppen: Eine Unterkunft für 70 offizielle Vertreter Burkina Fasos während der COP26 zu organisieren. Dem «Wall Street Journal» berichtete er später: «Das Geschäft ist unter Dach und Fach. Aber wir mussten auf Orte ausserhalb von Glasgow ausweichen.»

Wucherpreise für Hotelzimmer, Airbnb und VW-Busse

Bei einem zweiwöchigen Aufenthalt in Glasgow zahlt man für ein Zweibettzimmer in einem Drei-Sterne-Hotel normalerweise um die 750 Dollar, während der COP26 muss man tiefer in die Taschen greifen: 18'000 Dollar für dasselbe Angebot, wie Radio SRF berichtet.

Auf Airbnb beginnen die Preise für zweiwöchige Vermietungen in der Nähe des Veranstaltungsortes bei 7500 Dollar und gehen bis über 10'000 Dollar.

Anwohner, die während der Konferenz eine Unterkunft zur Verfügung stellen, bekommen von Airbnb einen Gutschein im Wert von 140 Dollar, wie das Unternehmen schreibt. Vielleicht findet man auf der Plattform darum auch spitzbübische Angebote: einen VW-Bus ohne Toilette für 2100 Dollar – immerhin für ganze zwei Wochen.

Der Stadtrat von Glasgow macht die britische Regierung, den offiziellen Gastgeber der Veranstaltung, für das Chaos verantwortlich: «Die Bereitstellung von Unterkünften für die Teilnehmer der Veranstaltung wurde von der britischen Regierung verwaltet», so der Stadtrat.

Das übelste Airbnb der Schweiz

Video: watson

Aktivisten sind besonders von der Betten-Knappheit betroffen

Wer tatsächlich für das Chaos verantwortlich ist, mag für die Betroffenen zurzeit das kleinste Problem sein: Besonders prekär ist die Lage für Klimaaktivisten und NGO-Mitarbeitende, die in der Regel an solchen Gipfeltreffen teilnehmen.

Die lokalen Behörden stellen für diese Personengruppen normalerweise zusätzliche Unterkünfte bereit, indem sie Betten in Turnhallen, Kirchen und Schulen aufstellen, sagte Mim Black, eine Sprecherin der «COP26 Coalition», der Dachorganisation der Klimaaktivisten, die an der COP26 teilnehmen. Wegen der Pandemie wollte die Regierung dieses Angebot nicht aufbauen.

Darum ist ein Netzwerk von Privatpersonen eingesprungen, um gegen eine geringe Gebühr ein Zimmer oder ein Sofa im eigenen Zuhause anzubieten – allerdings warten noch über 2000 Personen auf eine solche Übernachtungsmöglichkeit.

Indigene Gruppen nahmen bislang immer an den Klimakonferenzen der UNO teil, denn diese Menschen sind häufig stark vom Klimawandel betroffenen. «Sie wurden von den Gastgeber-Städten immer willkommen geheissen, aber die britische Regierung scheint das nicht zu interessieren. Sie haben sich taub gestellt»», sagte Stephen Vasconcellos, Sprecher der panindigenen Bewegung «Minga Indigena».

So haben bislang nur etwa 30 der 140 Vertreter der indigenen Gruppen ein Zimmer gefunden. Die NGOs und Vertreter der indigenen Gruppen diskutieren bereits, ob diejenigen, die vom Klimawandel am meisten betroffenen sind, unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren müssen – weil sie in Glasgow kein Bett gefunden haben.

(yam)

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