Sie nennen es «Auffangstation» oder «Waisenhaus», werben mit einer «Akkreditierung» und gaukeln den Touristinnen und Touristen vor, etwas Gutes für «gerettete» Elefanten und den Artenschutz zu tun. Doch Organisationen, die Aktivitäten mit Elefanten anbieten, betreiben nur eines: Tierquälerei.
Elefanten sind Wildtiere. Sie wollen weder beritten noch gebadet, gewaschen, gefüttert oder herumgeführt werden. Der Kontakt mit Menschen ist für sie oftmals purer Stress. Wird dieser Stress zu gross, beginnen sich die Tiere zu wehren. Dies kann tödlich enden.
Am Freitag kam eine spanische Touristin ums Leben, als sie in Thailand einen Elefanten badete. Das Tier soll die Frau gemäss Medienberichten mit dem Rüssel umgestossen haben. Beim Sturz zog sich die junge Frau derart gravierende Verletzungen zu, dass sie anschliessend im Spital verstarb.
Der Tod der jungen Spanierin ist tragisch, keine Frage. Die 22-jährige Jura-Studentin hatte das Leben noch vor sich. Gleichzeitig bringt der Vorfall aber auch ans Tageslicht, wovor viele Touristinnen und Touristen lieber die Augen verschliessen: das immense Tierleid, das mit angeblichen Attraktionen wie «Elefantenbaden» einhergeht.
Elefanten leben in der Wildnis, sie verlassen ihre Herde nicht freiwillig und spazieren in die nächste Auffangstation. Sie werden eingefangen. Dabei sterben regelmässig erwachsene Elefanten, die versuchen, ihre Kälber zu beschützen. Bei Einfangaktionen kommen nicht selten auch Jungtiere ums Leben.
Damit die Elefanten danach gehorchen, muss ihr Wille gebrochen werden. Die verantwortlichen Personen machen sie mit Nahrungs-, Wasser- und Schlafentzug gefügig. Die Tiere werden geschlagen und an empfindlichen Körperstellen mit spitzen Gegenständen misshandelt. Sie sind angekettet und müssen in ihren eigenen Exkrementen herumtrampeln. Mit Medikamenten werden sie ruhiggestellt. Diese Praxis ist kein Geheimnis. Immer wieder weisen Tierschutzorganisationen auf das immense Leid hin.
Trotzdem floriert das Geschäft mit den Elefanten. Das zeigen die zahlreichen Tourismusangebote, die in Thailand, Myanmar, Laos, aber auch in vielen weiteren Ländern existieren.
Die Elefanten-Attraktionen sind nicht die einzige tierethische Bedenklichkeit, die einem in den Ferien begegnet. Teils sind die Angebote an Tierquälerei und Absurdität nicht zu überbieten.
So ist es möglich, Fotoshootings mit Affen- oder Tigerbabys zu buchen. Es gibt Zoos, die zwecks Unterhaltung Affen in Showprogrammen auftreten lassen. Touristen können in sengender Hitze auf Eseln, Maultieren oder Kamelen reiten oder in viel zu kleinen Aquarien Delfinen und Orcas dabei zuschauen, wie sie Kunststücke aufführen. Dass Hunderttausende von Wildtieren dem kulinarischen «Wohl» geopfert werden – Stichwort Haifischflosse –, ist fast schon eine Randnotiz.
Dabei sollte jedem Touristen und jeder Touristin mit auch nur ein bisschen gesundem Menschenverstand klar sein, dass all diese Tiere niemals in Gefangenschaft leben wollen und die dazugehörigen Aktivitäten nur durch Zwang möglich sind.
Die Ausrede, man habe nicht gewusst, was für ein Leid solche Tierattraktionen bedeuten, zählt nicht. Eine entsprechende Google-Suche dauert keine zwei Minuten. Um ein günstiges Hotel in Thailand oder den billigsten Flug nach Bangkok zu ergattern, investiert jeder Globetrotter deutlich mehr Recherchezeit.
Natürlich sollten sämtliche tierquälerischen Attraktionen längst verboten sein. Doch dafür sind die Gesetze in den entsprechenden Ländern oft zu lasch.
Die Verantwortung liegt deswegen bei den Touristen. Wenn niemand ein Bad mit Elefanten bucht oder auf ihnen durch die Gegend reiten möchte, existiert auch kein Markt. Und damit auch kein Angebot.
Davor die Augen verschliessen kann nur, wem jegliches Einfühlungsvermögen für Tiere abhandengekommen ist. Dass diverse Tierschutzorganisationen Guidelines aufstellen müssen, um ignoranten Reisenden den Umgang mit Wildtieren zu erläutern, ist eine Perversion der Menschheit.
Noch sind Tourismusangebote mit Elefanten zahlreich verfügbar. Wer sie nutzt, nimmt in Kauf, dass das Abenteuer tödlich enden kann. So wie bei der jungen Spanierin in Thailand.