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«In 202 Sekunden nach London»: Wie im Russen-TV über Atomangriffe diskutiert wird

02.05.2022, 13:5302.05.2022, 14:18

106 Sekunden bis nach Berlin, 200 Sekunden bis nach Paris und 202 Sekunden bis nach London: Mit diesen Zahlen simuliert das russische Staatsfernsehen einen Atomangriff auf Westeuropa, der «keine Überlebenden» vorsehe.

Die bizarre Szene wurde am 28. April in der Sendung «60 минут» auf dem staatlichen Nachrichtensender Rossija 1 gezeigt.

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«60 минут» ist eine der beliebtesten Sendungen in Russland und wird von den Putin-treuen Eheleuten Jewgeni Popow und Olga Skabejewa moderiert – der «Eisernen Puppe des Putin-Fernsehens», wie Oppositionsparteien Skabejewa nennen.

In 202 Sekunden in London: bizarres Russen-TV

Video: watson

In der Sendung skizzierten die Propagandisten des Kremls nukleare Anschläge auf drei europäische Hauptstädte von der russischen Enklave Kaliningrad aus: Berlin, London und Paris. Der geladene Vorsitzende der nationalistischen Rodina-Partei, Alexej Schurawljow, spezifiziert: «Eine ‹Sarmat›-Rakete und die britischen Inseln werden nicht mehr sein.»

Kalingrad
Kaliningrad ist eine russische Provinz, die als Enklave zwischen Polen, Litauen und der Ostsee liegt. Ab 1525 war Königsberg – wie es früher hiess – Hauptstadt im Herzogtum Preussen. Von 1701 bis 1918 galt Königsberg als dritte Residenzstadt der preussischen Monarchie. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Königsberg unter sowjetische Verwaltung gestellt. In der Folge annektierte Russland Königsberg am 17. Oktober 1945 und gliederte die Provinz in die russische Sowjetrepublik ein.

Grund für die bizarre Simulation waren Äusserungen des britischen Verteidigungsministers, der gesagt hatte, er unterstütze ukrainische Angriffe auf die russische Infrastruktur. Als die Moderatorin den geladenen Schurawljow, nach einer ersten nuklearen Drohung gegen Westen verwarnte, erwiderte der Politiker: «Ich sage das ernsthaft.»

Die Produzenten der Sendung zeigten daraufhin den Zuschauern eine Karte mit eingezeichneten Raketen-Flugbahnen zwischen Kalingrad und den drei europäischen Hauptstädten

Im Anschluss an Schurawljow Aussage verwies der Moderator Popow darauf, dass auch Grossbritannien über Atomwaffen verfüge. Und er sagte:

«Niemand wird in diesem Krieg überleben, wenn Sie den Angriff mit einer Sarmat vorschlagen. Verstehen Sie, dass niemand überleben wird? Keiner auf dem Planeten.»

Die leistungsstärkste Rakete

Nur wenige Tage davor verkündete der russische Präsident Wladimir Putin in St.Petersburg: «Wir geben nicht an, wir werden sie einsetzen» – und spielte dabei offensichtlich auf sein Atomwaffenarsenal an.

Zudem liess er den Westen wissen, dass Russland die hochmoderne Interkontinentalrakete ‹Sarmat› erfolgreich getestet habe und dass diese Rakete in der Lage sei, ein Gebiet zu zerstören, das doppelt gross ist wie Grossbritannien.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte: «Sarmat ist die leistungsstärkste Rakete mit der grössten Reichweite zur Zerstörung von Zielen in der Welt.». Sarmat könne Raketenabwehrsystemen entgehen und verfüge über mehrere Sprengköpfe.

Die USA und Grossbritannien haben diese Rhetorik als Säbelrasseln abgetan.

(yam)

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310 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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mibster81
02.05.2022 14:26registriert April 2020
Sekunde, hat da der Moderator tatsächlich "Krieg" gesagt? Müsste es nicht "Sondereinsatz" heissen?
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BG1984
02.05.2022 14:50registriert August 2021
Argumentieren wir wie Putin, so ist Kaliningrad eine Gefahr für Europa und muss von uns eingenommen werden.
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_andreas
02.05.2022 14:46registriert April 2020
Die Grafik ist nicht ganz richtig. Russland müsste auch rot eingefärbt sein, denn der gegenschlag käme sofort.
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