International
Russland

Russland führt medizinische Zwangsuntersuchungen für Ausländer ein

Russland führt medizinische Zwangsuntersuchungen für Ausländer ein

29.12.2021, 04:4529.12.2021, 13:47

Russland führt medizinische Zwangsuntersuchungen für Ausländer ein. Die Regelung tritt an diesem Mittwoch in Kraft. Das russische Aussenministerium in Moskau teilte auf Anfrage von Korrespondenten mit, sich um «günstige Bedingungen» für Medienvertreter und deren Familien kümmern zu wollen. Das Gesetz schreibt demnach ab dem kommenden Frühjahr aufwendige medizinische Checks alle drei Monate vor. Dazu zählen neben einer Blutentnahme auch Röntgenuntersuchungen oder CT-Aufnahmen.

A medical worker looks at a computer tomography examination of patients suspected of having coronavirus at the hospital in Ulan-Ude, the regional capital of Buryatia, a region near the Russia-Mongolia ...
Künftig müssen sich Ausländer in Russland regelmässig Röntgenuntersuchungen unterziehen.Bild: keystone

Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) hat bereits vor Konsequenzen für die russische Wirtschaft gewarnt, sollte die neue Regelung tatsächlich konsequent umgesetzt werden. Wenn Wirtschaftsvertreter betroffen sein sollten, bestehe die Gefahr, «dass sich für Russland wichtige ausländische Manager im grossen Stil von Russland abwenden». Die Kammer hatte im Dezember in einem Brief die russische Regierung aufgefordert, das Gesetz abzuschwächen.

Ausländern müssen sich dem Gesetz zufolge etwa auf Tuberkulose, Drogenkonsum, Syphilis und HIV untersuchen lassen. Die Ergebnisse der Untersuchung müssen der AHK zufolge der russischen Migrationsbehörde übermittelt werden. Verpflichtend sind demnach auch Fingerabdrücke. Wer sich weigere, riskiere den Entzug seiner Arbeitserlaubnis.

Die kremlkritische Zeitung «Nowaja Gaseta» stellte in einem Bericht über die Reform die Frage: «Geht es hierbei um die Gesundheit der Gesellschaft oder handelt es sich um Diskriminierung?» Die russischen Behörden argumentieren, das neue Verfahren verbessere die Gesundheitslage im flächenmässig grössten Land der Erde.

Ausländer etwa aus der EU befürchten angesichts des im Vergleich zum Westen weniger gut ausgestatteten Gesundheitswesens nicht nur mögliche Behandlungsfehler, sondern auch eine unnötige Strahlenbelastung durch die geplanten Röntgenuntersuchungen. Unklar war zunächst, was passiert, wenn jemand krank ist – ob Betroffene dann etwa das Land verlassen müssen.

Unklar ist auch, wie angesichts der hohen Belastung durch die Corona-Pandemie die Zwangsuntersuchungen sicher organisiert werden. Zudem gilt der Datenschutz in Russland als löchrig. Immer wieder gelangen grosse Mengen persönlicher Daten in den freien Verkehr. (saw/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Putin sammelt Pilze in Sibirien
1 / 36
Putin sammelt Pilze in Sibirien
Wladimir Putin wird 67 und geht als Geschenk an sich selber ...
quelle: ap / alexei druzhinin
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das könnte dich auch noch interessieren:
Polizei nimmt Frau und Tochter des ecuadorianischen Bandenchefs «Fito» fest
Kolumbianische Ermittler haben die Ehefrau und Tochter des Bandenchefs gefasst. Beide werden in Ecuador wegen Geldwäsche gesucht.
Die kolumbianische Polizei hat nach eigenen Angaben die Ehefrau und die Tochter des berüchtigten ecuadorianischen Bandenchefs José Adolfo Macías Villamar, genannt «Fito», festgenommen. Die beiden Frauen seien in einem von der US-amerikanischen Bundespolizei FBI und den ecuadorianischen Behörden unterstützten Einsatz in Sabana de Torres im Nordosten Kolumbiens gefasst worden. In Ecuador würden sie wegen Geldwäsche gesucht. «Kolumbien wird kein sicherer Hafen für die Finanzen transnationaler krimineller Gruppen sein», teilte Präsident Abelardo de la Espriella am Sonntag (Ortszeit) auf X mit. Die beiden Frauen sollen der ecuadorianischen Justiz überstellt werden.
Zur Story