International
Russland

Plant Putin einen neuen Angriff aus Belarus? Das sagen Experten

Experten rätseln: Putin könnte neuen Angriff aus Belarus planen

In Belarus werden derzeit Truppen und Militärgerät verlegt. Experten rätseln nun, ob Russland einen neuen Angriff plant – oder ob es sich um ein Ablenkungsmanöver handelt.
24.12.2022, 19:17
Mehr «International»

Russland führt seinen Angriff auf die Ukraine unerbittlich fort: Die Südfront hat das russische Militär nach dem Verlust der Stadt Cherson nun abgesichert, im Osten toben derzeit erbitterte Kämpfe um die Stadt Bachmut. Eine andere Front aber stand in den vergangenen Monaten nicht im Fokus der russischen Kriegsstrategie: die im Norden.

epa10374244 Russian President Vladimir Putin (R) and Belarusian President Alexander Lukashenko enter a hall for joint news conference following their talks at the Palace of Independence in Minsk, Bela ...
Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko: Der Kremlchef wird den belarussischen Präsidenten bereits am 26. Dezember in St. Petersburg empfangen.Bild: keystone
Ein Artikel von
t-online

Nun aber zieht Russland an der belarussischen Grenze zur Ukraine wieder Truppen zusammen, Belarus selbst verlegt Militärgerät – angeblich zu Übungszwecken. Experten stellen sich nun die Frage, ob Russland und Belarus möglicherweise einen neuen Angriff planen.

Kiew nur 90 Kilometer von belarussischer Grenze entfernt

Dadurch steigt auch die Sorge, dass Kiew wieder von Bodentruppen angegriffen werden könnte. Denn die ukrainische Hauptstadt liegt nur 90 Kilometer Luftlinie von der belarussischen Grenze entfernt. Bereits am 25. Februar, dem zweiten Kriegstag, erreichten die Truppen von Belarus aus kommend Kiew. Machthaber Alexander Lukaschenko hatte Russland seine Militärbasen für die Angriffe auf die Ukraine zur Verfügung gestellt.

Die ukrainische Regierung warnt bereits seit Monaten davor, dass Belarus und Russland einen neuen Vorstoß über die ukrainische Nordgrenze planen könnten. Einigen Analysten bewerteten dies als eine Strategie der ukrainischen Seite, um den Druck auf den Westen zu erhöhen, der Ukraine mehr Waffen zu liefern. Die Experten des ISW widersprechen dieser Annahme.

Feldhospitäler machen Experten stutzig

«Die derzeitig verfügbaren Anzeichen sind ambivalent», heißt es in dem täglichen Bericht des Insitute for the Study of War (ISW). Einige der vorliegenden Hinweise passen eher zu der Vorbereitung auf eine neue Offensive als zu einer angeblich geplanten Militärübung. Wie etwa die Einrichtung eines Feldlazaretts: "Feldhospitäler sind nicht notwendig für Übungen und können ein Hinweis auf die Vorbereitung von Kampfhandlungen sein", teilte das ISW mit.

Anfang des Jahres sei die Einrichtung diese Lazarette in Belarus ebenfalls ein Indiz dafür gewesen – unmittelbar vor Beginn der großen russischen Invasion. Auf der anderen Seite gebe es keine stichfesten Beweise dafür, dass der Kreml tatsächlich eine Angriffsgruppe in Belarus vorbereite.

Russischer Militärblogger tippt auf Ablenkungsmanöver

Auch russische Militärblogger spekulieren bereits seit Oktober über einen möglichen neuen Angriff an der Nordfront, berichtet ISW. So hieß es bereits am 20. Oktober auf dem Telegram-Kanal Rybar, dass es Gerüchte über eine bevorstehende russische Offensive auf Lwiw und Kiew gebe. Der frühere Militärkommandeur Igor Girkin nannte zwei mögliche Optionen: Russland könne die Nordwestukraine angreifen, um den Landweg von Kiew nach Westen zu unterbrechen. Oder aber Russland könne eine Ablenkungsoperation starten, um an anderer Stelle in der Ukraine Erfolge zu erzielen.

Girkin selbst tendiert zur zweiten Version und argumentiert, dass das russische Militär derzeit eine solche Offensive wohl nicht erfolgreich durchführen könne.

Die Experten des ISW kommen zu einem ähnlichen Schluss. Ein Angriff liege im Bereich des möglichen, allerdings halten sie ihn für eher unwahrscheinlich. Möglich sei ebenfalls ein Sabotageangriff, um die ukrainischen Streitkräfte von der Verteidigung im Donbass abzulenken. Wenn die ukrainischen Truppen damit beschäftigt seien, Kiew zu schützen, könnte Russland dies womöglich für eine Offensive im Gebiet Luhansk im Osten der Ukraine oder auch anderswo nutzen, hiess es.

Auch der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, hatte am Freitag gesagt, Russlands Aktivitäten in Belarus könnten Teil einer Desinformationskampagne sein. Die Ukraine sei in der Lage, ihre Grenze im Norden zu schützen. Auch bei der aktuell am stärksten umkämpften Stadt Bachmut im Donbass hätten die ukrainischen Streitkräfte die Kapazitäten, noch eine viel stärkere Anzahl an russischen Angreifern zurückzuhalten, hiess es.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Mariupol ist eine «Black Box» – Satellitenbilder bringen Aufklärung
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
37 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Fischra
24.12.2022 21:07registriert Juli 2016
In meinen Augen wäre es jetzt langsam ganz dringend an der Zeit die Ukraine so aufzurüsten das sie den Feind vertreiben und eine Schutzzone angrenzend in Belarus und Russland einrichten können.
12110
Melden
Zum Kommentar
avatar
Unicron
25.12.2022 00:52registriert November 2016
Falls Belarus wirklich einen direkten Angriff wagt, kann es sich von der westlichen Wirtschaft verabschieden. Und im Gegensatz zu Russland gibt es dort eine Opposition welche unterstützt werden kann.
463
Melden
Zum Kommentar
avatar
Barth Simpson
25.12.2022 00:12registriert August 2020
Putin sieht Belarus als sein eigen, doch dieses Spiel spielt er ohne die belarussische Bevölkerung.
393
Melden
Zum Kommentar
37
In Mexiko ist es derzeit so heiss, dass Brüllaffen tot von den Bäumen fallen

Wegen einer Hitzewelle mit Temperaturen von mehr als 45 Grad Celsius fallen im Südosten Mexikos zahlreiche Brüllaffen tot oder dehydriert von den Bäumen. «Wir müssen uns um die Tiere kümmern», sagte Präsident Andrés Manuel López Obrador am Montag. Er werde deshalb das Umweltministerium bitten, sich einzuschalten. In den Bundesstaaten Tabasco und Chiapas sollen nach Berichten von Umweltschützern bereits 78 Affen verendet sein.

Zur Story