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Saudi Crown Prince, Mohammed bin Salman, smiles as he attends the Future Investment Initiative conference, in Riyadh, Saudi Arabia, Tuesday, Oct. 23, 2018. The high-profile economic forum in Saudi Arabia is the kingdom's first major event on the world stage since the killing of writer Jamal Khashoggi at the Saudi Consulate in Istanbul earlier this month. (AP Photo/Amr Nabil)

Hat gut lachen: Kronprinz Mohammed Bin Salman freut sich trotz Negativschlagzeilen über lukrative Geschäfte. Bild: AP/AP

Khashoggi-Mord? Ist ihnen egal: Diese Firmen machen weiter Deals mit den Saudis

Saudi-Arabien ist unter Druck. Für eine Investorenkonferenz in Riad gab es zahlreiche Absagen. Einige CEOs sind trotzdem hingefahren. Sie unterzeichneten profitable Verträge mit dem Regime – auch der Chef einer Schweizer Firma.



Eigentlich wollte der starke Mann Saudi-Arabiens, Kronprinz Mohammed Bin Salman (kurz MBS genannt), sein Land in diesen Tagen als dynamische Volkswirtschaft präsentieren. Zu diesem Zweck hatte er die globale Wirtschafts- und Politprominenz an die seit Mittwoch laufende, dreitägige Konferenz «Future Investment Initiative» eingeladen. Dort will MBS seiner «Vision 2030» – ein Land mit rundum erneuerter Wirtschaft und Gesellschaft  – Flügel verleihen.

Doch die Schlagzeilen um den Mord am regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul haben MBS einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Skandal sorgte für zahlreiche prominente Absagen: Von der Chefin des Internationalen Währungsfonds über die Finanz- und Handelsminister Frankreichs, Grossbritanniens, der Niederlande und den USA hin zu den Chefs von über 20 internationalen Firmen – darunter ABB, Credit Suisse, Ford, Uber, Deutsche Bank und Siemens.

Managing Director of International Monetary Fund (IMF) Christine Lagarde talks during a press conference ahead of the annual meetings of the IMF and World Bank  in Bali, Indonesia on Thursday, Oct. 11, 2018. (AP Photo/Firdia Lisnawati)

Hat ihre Teilnahme abgesagt: IWF-Direktorin Christine Lagarde. Bild: AP/AP

Einige internationale Konzerne werden in Riad trotzdem von ihren CEOs vertreten. Sie verständigten sich mit ihren saudischen Partnern auf so genannte «Memorandums of Understanding», kurz MOU. Insgesamt sollen an der Konferenz solche Vereinbarungen über Deals im Wert von 50 Milliarden US-Dollar unterzeichnet werden. Sie betreffen Investitionen im Öl- und Gasgeschäft, in der Infrastruktur und anderen Sektoren. Alleine die staatliche Ölgesellschaft Saudi Aramco hat angekündigt, Partnerschaften im Wert von über 34 Milliarden mit 15 internationalen Partnern abzuschliessen.

Eine Auswahl der Firmen, die derzeit in Riad lukrative Deals schliessen

Trafigura

Der Rohstoffhändler mit Hauptquartier in Genf hat eine Vereinbarung über ein milliardenschweres Joint Venture mit der saudischen Modern Mining Holding Co. unterzeichnet. Gemeinsam wollen sie Anlagen zur Gewinnung und Verarbeitung von Kupfer, Zink und Blei in Ras Al-Khair aufbauen.

Total

Der französische Erdöl-Konzern investiert zusammen mit Saudi Aramco insgesamt fünf Milliarden in ein Raffinerieprojekt. Ausserdem gibt es eine lukrative Partnerschaft für ein Tankstellennetz im Königreich. Total-CEO Patrick Pouyanné verteidigte seine Teilnahme an der Konferenz in Riad auf Twitter. Es sei auch in schwierigen Zeiten besser, die eigenen Werte «in einem offenen und bestimmten Dialog» gegenüber dem Partner klar zu machen.

Hyundai Heavy Industries

Der koreanische Schiffbau-Riese Hyundai Heavy Industries unterzeichnete eine Vereinbarung über Investitionen in den «King Salman International Maritime Complex». Im Rahmen dieses Grossprojekt soll dereinst die weltweit grösste Werft entstehen.

Sumitomo Chemical

Der japanische Chemiekonzern Sumitomo will eine seit 2005 gemeinsam mit der staatlichen Saudi Aramco betriebene Raffinerie weiter ausbauen. Dort werden petrochemische Produkte hergestellt, welche etwa in Plastik, Reinigungsmitteln, Schmiermitteln oder Shampoos verwendet werden.

A gas flame is seen in the desert at Khurais oil field, about 160 km from Riyadh, Kingdom of Saudi Arabia, 23 June 2008. A top executive at Saudi Aramco said that the company's plans are on track for its Khurais project south of Riyadh which puts put 1.2 million barrels per day (bpd), Gulf Daily News reported. A statement said the project is valued at $10 billion and would be on time giving another major boost to capacity from the Khursaniyah oil field. The processing facility will handle oil from the Abu Jifan and Mazalij fields, as well as Khurais.  EPA/ALI HAIDER

Ein Ölfeld von Aramco in Saudi-Arabien. Bild: EPA

Norinco

Das chinesische Unternehmen ist nebst Waffenherstellung und Fahrzeugbau auch im Bereich ziviler Konstruktionsbauprojekte tätig. Es will gemeinsam mit der staatlichen Erdölgesellschaft Saudi Aramco in Raffinerien und chemische Anlagen investieren.

Halliburton

Der als grosser Profiteur des US-Invasion im Irak bekannt gewordene texanische Ölindustrie-Dienstleister hat ebenfalls ein «Memorandum of Understanding» mit Saudi Aramco unterschrieben.

epa06465315 (FILE) - Visitors walk by the Halliburton stand in the 15th Society of Petroleum Engineers Middle East Oil & Gas Show and Conference (MEOS 2007) in Manama 12 March 2007. Halliburton on 22 January 2018 reported a loss for the fourth quarter of 2017 of 805 million USD. Total revenue for the full year of 2017 stood 20.6 billion USD, an increase of 4.7 billion USD, or 30 per cent from 2016.  EPA/MAZEN MAHDI *** Local Caption *** 00954413

Halliburton-Stand an einer Öl- und Gasmesse in Bahrain (Archivbild von 2007). Bild: EPA/EPA

Schlumberger

Auch das weltweit grösste Unternehmen für Erdölexplorations- und Ölfeldservice mit Sitz auf der niederländischen Karibikinsel Curaçao hat sich mit Saudi Aramco auf eine Vereinbarung über Investitionen verständigt.

Wichtiger Handelspartner der Schweiz

Saudi-Arabien war im vergangenen Jahr mit einem Handelsvolumen von 2,5 Milliarden Franken hinter den Vereinigten Arabischen Emiraten der zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz im Mittleren Osten. Die Schweizer Exporte nach Saudi-Arabien betrugen 2017 gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) 1,8 Milliarden Franken, die Importe aus Saudi-Arabien in die Schweiz 688 Millionen Franken. Die wichtigsten Exportgüter der Schweiz sind pharmazeutische Produkte, Uhren und Maschinen. Importiert werden aus Saudi-Arabien vor allem Edelsteine, Edelmetalle und Bijouterie. Da die Schweiz kein Rohöl direkt aus Saudi-Arabien importiert, taucht dieses nicht in der Aussenhandelsstatistik aus. Das Seco geht jedoch davon aus, dass indirekt Ölprodukte aus Saudi-Arabien importiert werden. Die Schweiz deckt rund 60 Prozent des gesamten Erdölverbrauchs durch Importe aus europäischen Nachbarstaaten. Dort wird auch saudisches Erdöl in Raffinerien zu Heizöl und Benzin verarbeitet wird. (cbe)

Die Chronologie des Falls Khashoggi

Fall Khashoggi: Ein Mord mit politischen Konsequenzen

Video: watson

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