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epa08919019 A health worker receives a dose of the Pfizer-BioNTech COVID-19 vaccine at Antoine Balmes hospital in Montpellier, France, 04 January 2021. It is part of the launch of the vaccination campaign for healthcare professionals over 50 and/or with co-morbidities.  EPA/Guillaume Horcajuelo

Eine Frau wird in Montpellier gegen das Coronavirus geimpft – viele Personen sind seither nicht dazu gekommen. Bild: keystone

Du denkst, die Schweiz verschläft den Impfstart? Schau mal, was im Rest Europas los ist



Der Impfstart in der Schweiz verläuft schleppend. Dies hat damit zu tun, dass die bestellten Impfdosen von Pfizer/Biontech bei Weitem nicht ausreichen, um flächendeckend zu impfen. Bisher sind erst 233'000 Dosen eingetroffen, wie viel davon bereits verabreicht wurden, ist unklar. Die weiteren Impfstoffe warten noch auf die Zulassung.

Kritik gab es in den vergangenen Tagen auch an die Adresse der Kantone, welche mit der frühen Zulassung des Pfizer/Biontech-Impfstoffes «überrumpelt» wurden. Vielerorts fehlt es etwa an der nötigen IT-Struktur, um die Impftermine geordnet zu regeln.

Als Paradebeispiel in Sachen Impfung wird in diesen Tagen oftmals Israel herbeigezogen. Dort werden pro Tag über 150'000 Impfungen durchgeführt.

Doch nicht nur in der Schweiz hinkt man diesem Wert meilenweit hinterher. Auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern scheint man schlecht auf den Impfstart vorbereitet zu sein. Eine kleine Auswahl:

Niederlande

Die niederländische Regierung ist wegen des späten Impf-Starts scharf kritisiert worden. Oppositionsparteien warfen Ministerpräsident Mark Rutte und seinem Gesundheitsminister Hugo de Jonge Versagen vor, weil das Land erst mehr als zwei Wochen nach anderen EU-Ländern impfen wird.

Auch Abgeordnete der Koalitionsparteien äusserten bei einer Dringlichkeitssitzung am Dienstag in Den Haag Kritik. Die Niederlande werden am Mittwoch als letztes Land der EU mit ihrer Impfkampagne gegen Covid-19 starten.

Das sei «beschämend», sagte der Rechtspopulist Geert Wilders. «Das ist keine Strategie, sondern Chaos.» Auch der sozialdemokratische Fraktionsvorsitzende Lodewijk Asscher sprach von «Chaos». «Wir haben alle Ausreden gehört.»

ARCHIV - Die Oppositionsparteien werfen Ministerpräsident Mark Rutte (Bild) und seinem Gesundheitsminister Hugo de Jonge Versagen vor, weil das Land erst mehr als zwei Wochen nach anderen EU-Ländern impfen wird. Foto: Yves Herman/Pool Reuters/AP/dpa

Setzte zu stark auf den Impfstoff von Astrazenaca: Premierminister Mark Rutte. Bild: sda

Premier Rutte räumte Fehler ein. Die Regierung habe zu lange nur auf den Impfstoff des Herstellers Astrazeneca gesetzt, der einfacher über Hausärzte zu verteilen sei. Das Präparat ist aber noch nicht in der EU zugelassen. Stattdessen wurde noch vor Weihnachten der Impfstoff der Hersteller Biontech und Pfizer zugelassen. Die dafür notwendigen grossen Impfzentren sind in den Niederlanden aber bisher erst teilweise einsatzbereit.

Erst in der nächsten Woche soll auch landesweit geimpft werden. «Die Kapazität wird in den nächsten Wochen immer weiter erhöht», versprach der Premier. Zur Zeit lagern bereits rund 280'000 Dosen ungenutzt im Osten des Landes.

Spanien

Der langsame Start der Corona-Impfkampagne sorgt auch in Spanien für grosse Empörung. Es herrsche ein «inakzeptables Chaos», hiess es am Dienstag in einem Leitartikel der Zeitung «El Mundo».

Der Gesundheitsminister der linken Zentralregierung, Salvador Illa, müsse dem Parlament in Madrid dringend Rede und Antwort stehen, forderte auf Twitter die Vizesekretärin für Sozialpolitik der oppositionellen Volkspartei (PP), die Ärztin, ehemalige Gesundheitsministerin und Ex-Parlamentspräsidentin Ana Pastor.

«Wir sind immer noch mittendrin in der Pandemie, und er (Illa) ist dafür verantwortlich», twitterte Pastor. Der Oppositionsführer und PP-Chef Pablo Casado forderte Illa, der von den Sozialisten jüngst zum Spitzenkandidat für die Regionalwahlen vom 14. Februar in Katalonien ernannt wurde, sogar zum sofortigen Rücktritt auf.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Montagabend waren in Spanien nur gut elf Prozent der erhaltenen Impfdosen verabreicht worden - rund 83'000 von insgesamt knapp 720'000 Einheiten. Minister Illa beteuerte, die Impfkampagne verlaufe nach Plan. Man werde bald die angestrebte «Fahrtgeschwindigkeit» erreichen, versicherte er.

Illa und Ministerpräsident Pedro Sánchez hatten erklärt, man wolle «bis Ende des Sommers» 70 Prozent der rund 47 Millionen Bürger des Landes geimpft haben. «Bei dem derzeitigem Tempo wird das aber unmöglich sein», schrieb «El Mundo». Kritisiert wird unter anderem, dass an den Wochenend- und Feiertagen überhaupt nicht geimpft werde. Konservative Regionalpräsidenten wie Isabel Díaz Ayuso (Madrid) und Alberto Nuñez Feijóo (Galicien) berichteten von Lieferverzögerungen und warfen der Zentralregierung des Sozialisten Sánchez eine «ungleiche Verteilung» der Impfdosen vor.

Deutschland

Auch in Deutschland geht es drunter und drüber. Politiker diverser Parteien beschuldigen die Regierung, den Start verschlafen zu haben. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hatte Montag im ARD-«Morgenmagazin» eine «nationale Kraftanstrengung» unter der Leitung von Kanzlerin Angela Merkel gefordert. Deutschland stehe im Vergleich zu anderen Ländern bei der Impfstoffmenge schlechter da, sagte Klingbeil.

Länder ausserhalb der EU wie die USA und Grossbritannien hatten Impfstoffen nach weniger umfangreichen Prüfungen Notfallzulassungen erteilt und begannen deshalb früher mit dem Impfen.

Die Umsetzung läuft in Deutschland über die 16 Bundesländer, die jeweils eigene Regelungen haben. «Wir sehen in diesen Tagen, dass es chaotische Zustände gibt», sagte Klingbeil. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion der Liberalen (FDP), Christine Aschenberg-Dugnus, nannte die Beschaffung des Impfstoffes eine «einzige Katastrophe». Der politische Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner sagte derweil gegenüber t-online.de: «In der grossen Koalition herrscht das absolute Impfchaos.» Die Bild-Zeitung sprach bereits von einem «Impf-Desaster».

Bislang wurden in Deutschland 1,3 Millionen Dosen des Impfstoffes der Mainzer Firma Biontech an die Bundesländer geliefert. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) - der Bundesbehörde für Infektionskrankheiten - sind bislang rund 265'000 Menschen in Deutschland gegen Covid-19 geimpft worden.

Die Kritiker halten das für zu wenig, Deutschland hätte aus ihrer Sicht jenseits der europäischen Vereinbarungen eine grössere Menge des Impfstoffes separat sichern sollen.

Berlin weist diesen Vorwurf zurück. Regierungssprecher Steffen Seibert verteidigte am Montag die Entscheidung für eine Beschaffung des Corona-Impfstoffs durch die EU. Die Bundesregierung stehe hinter dieser «Grundsatzentscheidung», sagte er. «Wir sind überzeugt, dass das der richtige Weg war und ist.»

Lettland

Gar zu einem Rücktritt kam es in Lettland. Die lettische Gesundheitsministerin stolperte über eine Kontroverse über den Impfplan.

Ressortchefin Ilze Vinkele kündigte den Rücktritt am Dienstag in Riga an, nachdem ihr Ministerpräsident Krisjanis Karins zuvor das Misstrauen ausgesprochen hatte. Karins begründete den Schritt mit dem Fehlen eines «klaren und verständlichen Plans für die Impfung gegen Covid-19» und verwies auch auf vorherige Versäumnisse. Er betonte bei einer Online-Pressekonferenz, dass es derzeit «nichts Wichtigeres als den Impfplan» gebe.

epa08874333 Latvian Prime Minister Krisjanis Karins  attends a two days face-to-face EU summit in Brussels, Belgium, 10 December 2020. The EU Leaders will mainly focus on response to the COVID-19, Multi annual framework (MFF) agreement and new EU emissions reduction target for 2030.  EPA/JOHN THYS / POOL

Will nicht mehr mit der Gesundheitsministerin zusammenarbeiten: Der lettische Premierminister Krisjanis Karins. Bild: keystone

Nahezu zeitgleich präsentierte Vinkele ihrerseits in einer Video-Schalte der Öffentlichkeit den Impfplan, der Karins zufolge der Regierung am Dienstag erst kurz vor einer Kabinettssitzung vorgelegt worden war.

Vinkeles liberale Partei Für die Entwicklung/Dafür! kritisierte das Rücktrittsersuchen des Ministerpräsidenten als «voreilig und unbegründet». Auch Vinkele warf ihm vor, die Verantwortung für das in Lettland zuletzt vielfach kritisierte Krisenmanagement der Regierung abschieben zu wollen.

Ein Nachfolger für Vinkele steht noch nicht fest. Bis zur Ernennung eines neues Ressortchefs sollte Verteidigungsminister Artis Pabriks die Aufgaben des Gesundministers wahrnehmen - doch Vinkeles Parteikollege lehnte dies ab. «In dieser Covid-19-Krisensituation glaube ich, dass die Verantwortung vom Regierungschef selbst übernehmen werden muss», schrieb er auf Twitter.

Frankreich

Auch in Frankreich wächst der Ärger über den extrem langsamen Impfstart. Es handele sich um einen «Staatsskandal», sagte der Präsident der an Deutschland grenzenden Region Grand Est, Jean Rottner, dem Sender France 2 am Montag. «Alles wird von Paris aus entschieden», monierte er. Die Regionen würden nicht richtig eingebunden. Sich impfen zu lassen, sei komplizierter als der Kauf eines Autos. Die Region Grand Est ist schwer von der Covid-19-Pandemie getroffen.

Bei BFMTV zog man am Montag eine wenig begeisterte Bilanz:

Der grüne Europa-Abgeordnete Yannick Jadot bezeichnete den Impfstart als «Fiasko». «Frankreich hat die gleiche Anzahl von Dosen pro Million Einwohner wie Deutschland», schrieb er auf Twitter. Wenn man sie verspätet einsetze, sei das die Schuld von Präsident Emmanuel Macron.

In Frankreich herrschte am Dienstagmorgen noch immer Unklarheit über die konkrete Zahl der geimpften Menschen. Viele sind es bislang noch nicht: Am Montag sind erst 2000 Impfungen überschritten worden. (cma/sda/dpa)

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Video: watson/leb

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