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Dieser Schweizer Tourist in Heathrow realisiert gerade seinen Fehler

09.06.2020, 08:4509.06.2020, 09:53

Einreisende nach Grossbritannien müssen sich seit Montag zwei Wochen lang in Selbstisolation begeben. Das war wohl einem Passagier, der aus der Schweiz kommend in Heathrow ankam, nicht bewusst.

Ein Reporter von ITV fragte ihn, wie er zu seinem Ziel gelangen will. Der Passagier: «Mit der Subway» – «Niemand hat dir gesagt, dass du für zwei Wochen in Selbstisolation musst?» – «Nein.» Auch sei ihm nicht bewusst gewesen, dass man für die Missachtung dieser Regelung mit bis zu 1000 Pfund gebüsst werden kann.

Was die ganze Geschichte noch ein bisschen brisanter macht: Im Video erklärt der Passagier, dass er zum Krankenhaus wolle. In einem Tweet ergänzt der Reporter aber, dass der Schweizer davon ausgehe, dass er Symptome wegen einer Ohren- oder Zahn-Infektion habe. Er sich sich aber nicht ganz sicher, auch weil es eine gewisse Sprachbarriere gebe.

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Der Reporter schreibt weiter, dass ihm das Innenministerium mitgeteilt habe, dass die Transportunternehmer ihre Passagiere über die Massnahmen informieren müssten.

Wie kommt die 14-tägige Selbstisolation in Grossbritannien an?

Seit Montag müssen sich Einreisende nach Grossbritannien an zwei Wochen in Selbstisolation begeben. Die Luftfahrtbranche geht auf die Barrikaden. Selbst in der konservativen Regierungspartei rumort es.

Der Chef der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair, Michael O'Leary, hat die seit Montag geltende Quarantänepflicht für Einreisende scharf kritisiert. Im BBC-Radio bezeichnete er die Regelung als «irrational, ineffektiv und komplett undurchführbar». Er warnte vor einem «unermesslichen Schaden» für die Luftfahrtbranche und die britische Tourismusindustrie.

Der Ryanair-Chef hält wenig verwunderlich nichts von der Massnahme.
Der Ryanair-Chef hält wenig verwunderlich nichts von der Massnahme.Bild: EPA/ANSA

Innenministerin Priti Patel zufolge soll durch die Massnahme verhindert werden, dass in Grossbritannien eine zweite Welle an Coronavirus-Infektionen entsteht. Doch Kritiker bezweifeln, ob sie dazu wirklich geeignet ist. Befürchtet wird, dass die Regelung hauptsächlich wirtschaftlichen Schaden anrichten wird. Selbst innerhalb der konservativen Regierungspartei ist sie heftig umstritten.

Selbstisolation oder Bussgeld

Einreisende nach Grossbritannien müssen seit dieser Woche an der Grenze ihre Adress- und Kontaktdaten hinterlassen und zwei Wochen lang in Quarantäne gehen. Wer sich nicht an die 14-tägige Pflicht zur Selbstisolation hält, muss mit einem hohen Bussgeld rechnen.

Die Quarantänepflicht gilt für alle Einreisenden, ungeachtet ihrer Staatsbürgerschaft. Ausgenommen sind nur wenige Berufsgruppen wie Lastwagenfahrer, medizinisches Personal und Erntehelfer sowie Reisende aus Irland, der Isle of Man und von den Kanalinseln. Frühestens Ende Juni soll die Regelung überprüft werden.

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Ryanair-Chef O'Leary sagte, die Quarantänepflicht treffe vor allem Menschen aus Ländern, die weitaus niedrigere Infektionsraten als Grossbritannien hätten. Zudem sei es unmöglich zu überwachen, ob sich die Menschen an die Regelung hielten. British Airways rief die Regierung in einem Schreiben dazu auf, die Massnahme zurückzunehmen und drohte mit rechtlichen Schritten.

Die 14-tägige Selbstisolation sei «übereilt und nicht durchführbar», kritisierte die Kampagne Quash Quarantine. Ihr gehören nach eigenen Angaben 500 Reiseunternehmen an. «In dieser nicht praktikablen, schlecht durchdachten und wirtschaftlich schädlichen Regierungspolitik gibt es mehr Löcher als in einem Sieb», zitierte der «Telegraph» den stellvertretenden Leiter der Kampagne, Paul Charles.

Die Regierung verteidigte den Schritt indessen. «Wir alle möchten so schnell wie möglich wieder zur Normalität zurückkehren. Aber das kann nicht auf Kosten von Menschenleben gehen», teilte Innenministerin Patel am Montag mit.

Kommt eine Ausnahme für Touristen?

Ein Regierungssprecher hatte bereits vergangene Woche bestätigt, dass es Überlegungen über sogenannte Luftbrücken gibt. Gemeint ist damit, dass Reisen in bestimmte touristische Ziele von der Quarantänepflicht ausgenommen sein könnten. Medienberichten zufolge soll es bereits entsprechende Beratungen mit Portugal und Griechenland geben. Details waren dazu am Montag aber noch nicht bekannt.

Die Regierung in London steht wegen ihres Umgangs mit der Coronavirus-Pandemie seit Monaten stark in der Kritik. Ihr wird vorgeworfen, zu spät und falsch auf die Pandemie reagiert zu haben.

In keinem anderen Land in Europa wurden bisher so viele Todesfälle verzeichnet wie im Vereinigten Königreich. Dort starben bisher mehr als 40'000 Menschen, nachdem sie positiv auf das neue Coronavirus getestet wurden. Zählt man die Todesfälle hinzu, bei denen eine Covid-19-Erkrankung erst nach dem Tod diagnostiziert wurde, liegt die Zahl der Statistikbehörde ONS (Office for National Statistics) zufolge sogar bei mehr als 48'000 (jaw/awp/sda/dpa)

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