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Der Virologe Christian Drosten der Berliner Universitätsklinik Charité.
Der Virologe Christian Drosten der Berliner Universitätsklinik Charité.
Bild: keystone

Drosten-Aussage sorgt für Aufsehen – der Virologe will sich selbst mit Corona infizieren

Damit der Impfschutz gegen das Coronavirus möglichst lange anhält, empfehlen immer mehr Länder eine Booster-Impfung. Der deutsche Top-Virologe Christian Drosten sieht jedoch in den «natürlichen Boostern» Vorteile.
07.09.2021, 19:5408.09.2021, 08:58

Immer mehr Länder lassen eine dritte, sogenannte Booster-Impfung zu. Der Sinn dahinter: Der Impfschutz der Corona-Impfung lässt mit der Zeit nach, der Booster holt den Impfschutz wieder hoch.

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In Israel gelten etwa nur noch Menschen mit einer dritten Impfung als immun, in Grossbritannien sollen sich Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem nachimpfen lassen. Und die Europäische Arzneimittelbehörde EMA will in den nächsten Wochen ihre Bewertung einer Auffrischungsimpfung abschliessen.

Der deutsche Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité sieht es hingegen anders. Im Podcast Coronavirus-Update des NDR meint er:

«Eigentlich ist es nicht das Ziel für alle Zeiten, immer impfen zu müssen.»

Zwar plädiert er sehr deutlich für Impfungen, aber auf lange Sicht müssten sich die Menschen mit dem Virus anstecken, um eine «robustere Immunität» zu erreichen.

Er sieht es für sich selbst so:

«Mein Ziel als Virologe Drosten, wie ich jetzt gerne immun werden will, ist: Ich will eine Impf-Immunität haben und darauf aufsattelnd will ich dann aber auch durchaus meine erste Allgemeininfektion (...) haben.»

Das individuelle «Immun-Update, also die Booster-Immunisierung» werde dann durch immer wiederkehrende Kontakte mit dem Virus erfolgen, so Drosten. Der Vorteil? Die Bevölkerungsimmunität werde belastbarer, weil es sich um wirkliche Infektionen handele.

Karl Lauterbach warnt Geimpfte vor freiwilliger Corona-Infektion
Der deutsche Gesundheitspolitiker und Mediziner Karl Lauterbach warnt vollständig geimpfte Personen davor, sich mit dem Virus zu infizieren. «Es ist richtig, dass eine Corona-Infektion nach einer doppelten Impfung die Immunität abrundet», sagte er gemäss Spiegel Online. «Aber ich würde niemandem empfehlen, sich freiwillig zu infizieren oder eine Ansteckung auch nur zu riskieren.»

Seine Begründung: Auch vollständig Geimpfte können mit schweren Verläufen ins Krankenhaus kommen. Ausserdem gebe es das Risiko von Long Covid auch bei Geimpften. Und drittens vergrössere eine solche Praxis die Gefahr für alle Ungeimpften auf eine riskante Art und Weise.

Denn gemäss Drosten sei eine durchgemachte Infektion auf Dauer robuster, weil dann eigene T-Zellen lokal Antikörper produzierten. Drosten dazu:

«Dann weiss ich, bin ich richtig langhaltig belastbar immun und werde nur noch alle paar Jahre überhaupt mal dieses Virus sehen, genau wie ich die anderen Coronaviren auch immer mal wieder sehe.»

Als relativ gesunder Erwachsener könne er diesen individuellen Weg für sich verantworten. Für andere Bevölkerungsgruppen gelte das natürlich nicht. Und Drosten betonte mit Nachdruck, dass er das auch nur so sehe, weil er bereits doppelt geimpft sei.

Den ganzen Podcast mit Drosten kannst du übrigens hier nachhören.

Schweizer Biologe sieht es ähnlich

Christian Münz, Professor für virale Immunbiologie an der Uni Zürich, sah es in einem Interview mit watson ähnlich. Er geht nicht davon aus, dass man alle sechs bis zwölf Monate zum Impftermin muss: «Wenn das Virus ausreichend zirkuliert, dann reichen die Reinfektionen aus, um unser Immunsystem zu boosten.»

Er glaubt, dass die Impfungen nur für die Zeit nötig sein werden, in der wir das Virus nicht frei zirkulieren lassen können. Und weiter: «Haben nahezu 100 Prozent der Leute eine Grundimmunität erreicht, müssen die Transmissionen nicht mehr durch Massnahmen künstlich niedrig gehalten werden.»

Münz geht davon aus, dass wir im kommenden Winter diesen 100 Prozent ziemlich nahe kommen werden. «Entweder werden die Leute durch die Impfung oder durch eine Ansteckung immun.»

Was sagt das BAG zu diesem Vorschlag?

Das Bundesamt für Gesundheit zeigte sich auf Nachfrage von watson während der Pressekonferenz am Dienstag eher skeptisch. In der momentanen Situation müsse man die Zirkulation bremsen, sagt Stadler. Die Lage auf den Intensivstationen sei zu angespannt. «Momentan müssen Infektionen verhindert werden.»

Mittelfristig stelle sich aber schon die Frage, ob doppelt Geimpfte sich auf natürliche Weise anstecken sollen, um sich zu boosten. Aber das sei noch nicht abschliessend geklärt. (jaw)

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quelle: keystone / peter klaunzer
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