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Bild: EPA/PRESIDENTAL PRESS OFFICE HANDOUT

Keine Gnade: Erdogan will Putsch-Drahtziehern «den Kopf abreissen» 

Hundertausende Erdogan-Anhänger gingen ein Jahr nach dem gescheiterten Putschversuch auf die Strasse. Der türkische Präsident kündigte an, Gefangene wie Guantanamo-Häftlinge vor Gericht zu bringen. 
16.07.2017, 01:3416.07.2017, 11:15

Ein Jahr nach dem gescheiterten Militärputsch hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan jegliche Gnade im Umgang mit den Verantwortlichen ausgeschlossen: «Wir werden diesen Verrätern den Kopf abreissen», sagte Erdogan am Samstagabend auf einer Kundgebung vor hunderttausenden Anhängern in Istanbul.

Er erneuerte sein Plädoyer für eine Wiedereinführung der Todesstrafe. Dabei warte er auf eine Entscheidung des Parlaments, sagte Erdogan. «Wenn die Vorlage aus dem Parlament zu mir kommt, werde ich sie unterzeichnen.» Viele der Zuhörer skandierten Parolen für die Todesstrafe; manche trugen Schlingen mit sich, um ihr Anliegen zu illustrieren. «Wir sind Tayyips Soldaten!», skandierte die Menge in Sprechchören.

Die Wiedereinführung der Todesstrafe würde die Türkei weiter von den anderen europäischen Ländern entfernen. Die EU hatte bereits deutlich gemacht, dass der Schritt automatisch das Ende der Beitrittsverhandlungen bedeuten würde.

Putschisten sollen Guantanamo-Uniformen tragen

Die Türkei beging am Samstag mit einer Reihe von Gedenkfeiern und Kundgebungen den ersten Jahrestag des gescheiterten Militärputsches gegen Erdogan. Am Abend folgten hunderttausende Menschen dem Aufruf der Regierung, sich auf einer Bosporus-Brücke in Istanbul zu versammeln, wo sich Putschisten und ihre Gegner vor einem Jahr blutige Kämpfe geliefert hatten.

Hundertausende Erdogan-Anhänger strömten auf die Bosporus-Brücke. 
Hundertausende Erdogan-Anhänger strömten auf die Bosporus-Brücke. Bild: EPA/PRESIDENTAL PRESS OFFICE HANDOUT

Erdogan äusserte sich in seiner Rede voller Abscheu über die Putschisten. Er schlug vor, die Putschisten in Häftlingsuniformen nach dem Vorbild der berüchtigten orangefarbenen Overalls im US-Gefangenenlager Guantanamo zu stecken. «Wenn sie vor Gericht auftreten, lassen wir sie in Uniformen wie in Guantanamo erscheinen», sagte der Präsident.

50'000 Menschen in Haft
Nach der Niederschlagung des Putschversuchs hatte Erdogans Regierung mit aller Härte gegen ihre Kritiker und politischen Gegner durchgegriffen. Mehr als 50'000 Menschen wurden inhaftiert, mehr als 100'000 Staatsbedienstete entlassen oder vom Dienst suspendiert. Betroffen sind neben tausenden Militärs, Polizisten, Staatsanwälten und Richtern auch kurdische Oppositionelle, kritische Journalisten und unabhängige Wissenschaftler.

Am Abend des 15. Juli 2016 hatte eine Gruppe Militärs versucht, die Macht in der Türkei an sich zu reissen. Sie besetzten Strassen und Brücken und bombardierten das Parlament und den Präsidentenpalast, doch scheiterte der Umsturzversuch am Widerstand der Bevölkerung. (sda)
Nationalisten fordern die Wiedereinführung der Todesstrafe. 
Nationalisten fordern die Wiedereinführung der Todesstrafe. Bild: ERDEM SAHIN/EPA/KEYSTONE

Erdogans Regierung macht den islamischen Prediger Fethullah Gülen für den Umsturzversuch verantwortlich. Der in den USA lebende Geistliche bestreitet jede Verwicklung.

Junker lässt Tür für Türkei offen
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will der Türkei trotz aller Meinungsverschiedenheiten die Tür zu Europa offen halten. «Ein Jahr nach dem Putschversuch bleibt Europas Hand ausgestreckt», schrieb Juncker in einem Gastbeitrag für die «Bild am Sonntag». Europa stehe gerade auch in schwierigen Zeiten an der Seite der Türkei, betonte der Kommissionschef. Im Gegenzug erwarte er, «dass auch die Türkei klar europäische Farbe bekennt und europäische Grundwerte nachdrücklich beherzigt».

«Als Europäische Union liegt uns viel daran, dass unser Nachbar demokratisch, stabil und wirtschaftlich erfolgreich ist», schrieb Juncker. Im «Mittelpunkt all unseres Handelns» stehe die türkische Bevölkerung. «Ich wünsche mir, dass die Türkei näher an Europa heranrückt statt sich von uns zu entfernen.»

 (sda/afp)

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