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Terrorismus

Bondi-Attentäter reisten auf die Philippinen – zur Terror-Ausbildung

Bondi-Attentäter reisten kurz vor Angriff auf die Philippinen – zur Terror-Ausbildung

Die mutmasslichen Täter von Bondi Beach reisten kurz vor dem Anschlag auf die Philippinen – wohl für ein Terrortraining. Ermittler prüfen weitere Hinweise im Zusammenhang mit der Radikalisierung der Männer.
16.12.2025, 05:4316.12.2025, 05:51
Anna-Lena Janzen / t-online
Ein Artikel von
t-online

Nach dem tödlichen Anschlag am Bondi Beach in Sydney verdeutlichen sich die Hinweise auf eine islamistisch motivierte Tat. Die beiden Angreifer sollen nach Angaben von Premierminister Anthony Albanese der Ideologie des «Islamischer Staats» (IS) gefolgt sein. «Es scheint, dass der Anschlag durch die Ideologie des Islamischen Staates motiviert war», sagte Albanese am Dienstag dem Radiosender ABC Sydney.

terrorist sydney
Der jüngere der beiden Attentäter konnte festgenommen werden und befindet sich im Spital.Bild: x

Vater und Sohn sind wohl auf die Philippinen gereist

Der Polizeichef von New South Wales Mal Lanyon bestätigte am Dienstag, dass die beiden Schützen – ein Vater und sein 24-jähriger Sohn – im vergangenen Monat auf die Philippinen gereist waren. «Die Gründe für ihre Reise, deren Zweck und ihr Aufenthaltsort dort werden derzeit untersucht», sagte er.

Im Fahrzeug der beiden fanden Ermittler zwei selbst gemachte IS-Flaggen. Das Auto war auf den Sohn zugelassen. Der Vater wurde am Tatort erschossen, der Sohn schwer verletzt und festgenommen. Er befindet sich derzeit im Krankenhaus. «Wir arbeiten intensiv daran, die Hintergründe beider Personen aufzuklären», so Lanyon.

Der australische Sender ABC berichtete unter Berufung auf einen anonymen hochrangigen Sicherheitsbeamten, Vater und Sohn seien zunächst nach Manila und dann in den Süden des Landes gereist, um sich dort einer «militärischen Ausbildung» zu unterziehen. Erst zwei Wochen vor der Tat seien sie nach Australien zurückgekehrt. Anti-Terror-Ermittler gehen dem Bericht zufolge davon aus, dass das Duo dort dem IS die Treue schwor.

Die Philippinen gelten seit den 1990er-Jahren als Rückzugsort islamistischer Gruppen. Nach der Schliessung von Terrorcamps an der afghanisch-pakistanischen Grenze verlagerten sich einige davon in den Süden der Insel Mindanao. Seither wurden islamistische Bewegungen in dem Landesteil stärker, es kommt bis heute immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Extremisten.

2017 ging das philippinische Militär massiv gegen Islamisten, die die Stadt Marawi unter Kontrolle bringen wollten, vor. Der damalige Präsident Rodrigo Duterte rief das Kriegsrecht aus. In monatelangen Kämpfen und unter Inkaufnahme ziviler Opfer wurden die Islamisten stark dezimiert, sie sind seither aber weiter in Teilen Mindanaos und insbesondere auf dem Sulu-Archipel aktiv. 2012 geriet der Schweizer Tierpräparator Lorenzo Vinciguerra in dem Gebiet in die Fänge der Miliz Abu Sayyaf. 2014 konnte er nach mehr als 1000 Tagen fliehen.

Terrorverdacht bestand offenbar schon 2018

Der australische Inlandsgeheimdienst ASIO hatte laut Berichten bereits vor sechs Jahren mögliche Verbindungen des jüngeren Täters zu einer IS-Zelle in Sydney überprüft. Die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt. ASIO habe in einer sechsmonatigen Untersuchung keine Beweise für eine Radikalisierung gefunden, teilte Premier Albanese am Montagabend im Interview in der Sendung ABC 7.30 mit. Die Männer standen demnach nicht auf einer Terror-Beobachtungsliste. Der Vater war ein registrierter Waffenbesitzer und konnte legal an Schusswaffen gelangen.

Der Sohn wurde den Berichten zufolge 2001 in Australien geboren. Der Vater war 1998 mit einem Studierendenvisum eingereist und verfügte inzwischen offenbar über eine permanente Aufenthaltsgenehmigung. Zuletzt lebten die beiden im westlichen Sydney-Vorort Bonnyrigg. Kurz vor dem Anschlag hielten sie sich in einer Kurzzeitunterkunft im Stadtteil Campsie auf. (t-online/con)

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23 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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harbourCity
16.12.2025 06:51registriert Januar 2021
Ich verstehs wirklich nicht, bei so vielen Terroranschlägen, heisst es der Täter war polizeilich bekannt oder es war gar bekannt, dass er Kontakte zum IS hat. Wann hören wir auf mit dem Täterschutz? Jemand der mit dem IS in Konakt steht ist ein massives Sicherheitsrisiko und hat auch keine zweite Chance verdient. Solche Leute gehören entweder zurückgeschafft oder in Sicherheitsverwahrung. Ihr Leben und ihre Freiheit dürfen nicht länger mehr Wert sein, als das Leben der möglichen Opfer
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