DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Attentäter hatte sich in der Nähe einer Kinderschaukel in der Millionen-Stadt Lahore in die Luft gesprengt.<br data-editable="remove">
Der Attentäter hatte sich in der Nähe einer Kinderschaukel in der Millionen-Stadt Lahore in die Luft gesprengt.
Bild: RAHAT DAR/EPA/KEYSTONE

Pakistan: Attentäter zündete 20 Kilo Sprengstoff bei Kinderspielplatz

28.03.2016, 07:0028.03.2016, 09:34

Bei einem Selbstmordanschlag in Pakistan sind mindestens 70 Menschen getötet und mehr als 340 weitere teils schwer verletzt worden. Die Bombe explodierte in einem Park der Millionenstadt Lahore in der Nähe eines Kinderspielplatzes.

Unter den Opfern sind hauptsächlich Frauen und Kinder, wie die Behörden mitteilten. Lokale Medien sprachen von bis zu 29 toten Kindern. Der Täter brachte nach offiziellen Angaben etwa 20 Kilogramm Sprengstoff zur Detonation. Die pakistanische Taliban-Gruppe Jamaat ul-Ahrar bekannte sich zu der Bluttat und erklärte, Ziel seien Christen gewesen.

In dem gut besuchten Park waren am Ostersonntag, einem der ersten warmen Tage des Jahres, auch viele christliche Familien, wie der hohe Verwaltungsbeamte Mohammed Usman sagte. Die christliche Minderheit macht in Pakistan nur 1.6 Prozent der rund 200 Millionen Einwohner aus.

Ein verletztes Mädchen wird gerettet.<br data-editable="remove">
Ein verletztes Mädchen wird gerettet.
Bild: RAHAT DAR/EPA/KEYSTONE

Es war einer der schwersten Anschläge in Pakistan seit langem. Augenzeugen erzählten laut Medienberichten, blutende und verstümmelte Opfer seien teils mit Rikschas und Taxis in umliegende Spitäler gebracht worden. Dort wurden Notfallmassnahmen ergriffen. Laut dem Einsatzleiter wurden Armeeärzte zur Hilfe gerufen. Im Fernsehen wurde um Blutspenden gebeten.

Opferzahl dürfte steigen

Ein Vertreter des Jinnah-Spitals sagte der Nachrichtenagentur AFP, die meisten der Verletzten befänden sich in einem ernsten Zustand. Er rechne daher damit, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen werde.

Der Sprecher der Armee, General Asim Bajwa, meldete per Kurznachrichtendienst Twitter, dass die Regierung die Armee zur Sicherung des Geländes angefordert habe. Soldaten errichteten eine Sperrzone. Der Ministerpräsident der Provinz Punjab, Shehbaz Sharif, rief eine dreitägige Trauerzeit aus.

Terrorgruppe Jamaat ul-Ahrar
Die pakistanische Talibangruppe Jamaat ul-Ahrar (JA) ist eine der aktivsten und brutalsten Extremistengruppierungen des Landes. Die sunnitischen Islamisten verüben landesweit Anschläge gegen den Staat, aber auch gegen Nicht-Muslime, etwa Christen.Der Anschlag vom Sonntag auf einen Park voller Familien und Christen, die Ostern feierten, kam fast genau ein Jahr nach einem ähnlichen Angriff 2015. Damals hatte die Gruppe Selbstmordattentäter in zwei katholische Kirchen in Lahore geschickt. 15 Menschen starben.Auf ihr Konto ging auch der Anschlag an der indisch-pakistanischen Grenze im November 2014. Mehr als 50 Menschen wurden damals getötet.JA agiert in wechselnden Allianzen. Einigen Berichten zufolge hat Anführer Omar Khalid Khorasani der Terrormiliz Islamischer Staat die Anhängerschaft geschworen.Im September 2014 hatte er sich von der Dachorganisation der pakistanischen Taliban, Tehrik-e Taliban (TTP), getrennt, weil er die Führerschaft des neuen TTP-Anführers Mullah Fazlullah nicht anerkennen wollte. Mittlerweile sind JA und TTP wieder lose verbunden.Aus Sicherheitskreisen verlautet, die JA-Kommandoebene operiere aus Afghanistan heraus, vor allem aus den Provinzen Kunar und Nuristan. (sda/dpa)

Der pakistanische Regierungschef Nawaz Sharif verurteilte die Tat. Er empfinde «Schmerz und Kummer über den traurigen Verlust von unschuldigen Leben», erklärte er. Indiens Regierungschef Narendra Modi sprach dem Nachbarland laut Staatsmedien sein Mitgefühl aus.

Osterfest überschattet

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den verheerenden Selbstmordanschlag aufs Schärfste. Die Verantwortlichen hinter dem Terrorakt müssten rasch zur Rechenschaft gezogen werden, forderte Ban laut einer Mitteilung der Vereinten Nationen. Er rief die pakistanische Regierung auf, alles ihr Mögliche zu tun, um religiöse Minderheiten und alle anderen Menschen in dem Land zu schützen.

1 / 7
Pakistan: Attentäter zündete 20 Kilo Sprengstoff bei Kinderspielplatz
quelle: x00228 / mohsin raza
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Auch die EU und die USA verurteilten den Terroranschlag scharf. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Ned Price, sprach von einer «feigen» und «entsetzlichen» Tat. Die USA stünden an der Seite des pakistanischen Volkes und der Regierung.

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte, Papst Franziskus sei über «das schreckliche Massaker» unterrichtet worden, das «einen Schatten der Traurigkeit und Angst auf das Osterfest wirft». Er bete für die Opfer.

Punjab hat seit mehr als einem Jahr keinen grösseren Anschlag erlebt. In der Provinz Khyber Pakhtunkhwa gab es aber jüngst einen Anschlag auf einen Bus voller Regierungsangestellter; 16 Menschen starben.

Zahl der Anschläge ging zurück

Ende Februar hatten dort pakistanische Taliban auch eine Universität angegriffen und mehr als 20 Menschen getötet, darunter 17 Studenten. Kurz darauf kündigten sie weitere Anschläge an.

Seitdem im Dezember 2014 pakistanische Taliban in einer von der Armee betriebenen Schule in Peshawar 136 Kinder getötet hatten, hat die Armee ihre Operationen gegen Extremisten massiv erweitert. Dem Terrorismus werde das Rückgrat gebrochen, wiederholen Armeechef und -sprecher immer wieder. Die Zahl der Anschläge und ihrer Opfer ging 2015 auch stark zurück. Aber Anschläge wie in Lahore zeigen, dass Extremisten weiter über Ressourcen und Rekruten verfügen. (mbu/sda/dpa/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Baerbock besteht Härtetest gegen den «alten Fuchs» Lawrow
Der russische Aussenminister Sergej Lawrow gilt als Haudegen. Nach seinem Treffen mit der jungen deutschen Aussenministerin Annalena Baerbock aber gab er sich handzahm.

Das Treffen war von bangen Erwartungen begleitet. Wie würde sich Annalena Baerbock, eine 41-Jährige mit wenig politischer und diplomatischer Erfahrung, beim Treffen mit Sergej Lawrow in Moskau behaupten? Der russische Aussenminister ist mit 71 Jahren nicht nur wesentlich älter. Er ist auch berüchtigt für seine bärbeissigen Auftritte.

Zur Story