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Thailand

Drei mysteriöse Cold Cases: Wenn Ferien tragisch enden

Drei Ferienverbrechen, die bis heute nicht aufgeklärt worden sind

23.07.2023, 15:41
Lena Moor
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Ferien – darunter stellen sich die meisten faule Strandstunden oder gemütliche Spaziergänge durch historische Städte vor. Doch manchmal enden Ferien auch als Cold Case – also ein Verbrechen, das nie aufgeklärt werden konnte.

Das sind die Geschichten von Lars Mittank, Truus und Harry Langendonk sowie sieben Touristen auf einer trügerisch schönen Insel Thailands. Ihre Gemeinsamkeit: Es sind alles Cold Cases.

Der Fall Lars Mittank

Der Goldstrand an Bulgariens Schwarzmeerküste ist für viele Deutsche das preisgünstigere Mallorca. Strand, Party und Alkohol prägen den bulgarischen Ballermann. So war auch der 28-jährige Lars Mittank 2014 mit seinen Freunden auf einem Partyurlaub unterwegs. Als er nach höchst mysteriösen Ereignissen spurlos verschwindet, erschüttert das nicht nur seine Verwandten.

Die Ferien in der bulgarischen Stadt Warna verlaufen ruhig. Lars’ Freunde wissen im Nachhinein nichts Auffälliges zu berichten – ausser, dass Lars während der ganzen Woche wenig gegessen hat. Erst in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Lars wird in eine Schlägerei verwickelt und zieht sich einen Trommelfellriss zu.

Am Abreisetag wird er deshalb in ein Spital eingewiesen und verpasst seinen Rückflug. Seine Freunde bieten an, bei ihm zu bleiben, er schlägt dies allerdings aus.

Allein begibt er sich ins Spital, wo ihm ein Antibiotikum verschrieben wird. Wenig später wird er vom zuständigen Arzt schon wieder entlassen. Da seine Freunde schon auf dem Rückflug sind und er keine Unterkunft mehr hat, sucht er nach einem neuen Hotelzimmer und findet auf Rat seines Taxifahrers hin eine preisgünstige Unterkunft in der Nähe. Ab jetzt wird die Geschichte mysteriös.

Mitten in der Nacht ruft Lars seine Mutter an und erzählt ihr, mit dem Hotel stimme etwas nicht, dann bricht die Verbindung ab. Um circa 3 Uhr morgens verlässt er mit all seinem Gepäck fluchtartig das Hotel und ruft seine Mutter ein weiteres Mal an. Er werde von vier Männern verfolgt und suche sich jetzt ein Versteck, erklärt er ihr panisch, dann beendet er das Telefonat wieder. Seine Mutter rät ihm, so schnell wie möglich zum Flughafen zu gehen, und bucht ihm trotz seines Trommelfellrisses ein Flugticket zurück nach Deutschland.

Erst gegen 5 Uhr morgens wird er von einem Taxi mitgenommen, nachdem er laut Aussagen des Taxifahrers panisch winkend am Strassenrand gestanden habe. Das Taxi bringt ihn zum Flughafen, wo er ein letztes Mal mit seiner Mutter telefoniert. Erleichtert erzählt er ihr, er sei endlich am Flughafen angekommen, und bittet sie, ihm per Western Union Geld zu überweisen, einen Betrag nennt er jedoch nicht. Die Mutter schickt ihm 500 Euro. Diese werden von Lars allerdings nie abgehoben. Auf ihren Rat hin besucht er den Flughafenarzt, um sicherzugehen, dass er mit seiner Ohrverletzung fliegen kann.

Später sagt der Arzt aus, dass Lars die ganze Zeit hindurch nervös gewirkt habe und nicht richtig bei der Sache gewesen sei.

Denn dann geschieht das, was sich niemand richtig erklären kann. Nach 40 Minuten beim Arzt betritt ein Flughafenmitarbeiter das Sprechzimmer. Als Lars diesen sieht, steht er abrupt auf und stürzt aus dem Raum. Sein Gepäck und sein Handy lässt er zurück. Es scheint, als würde Lars verfolgt werden, doch auf den Aufnahmen der Überwachungskameras des Flughafens ist weit und breit keine verdächtige Person zu sehen. Die Kameras halten fest, wie Lars fluchtartig das Gebäude verlässt, den Platz überquert und schliesslich über einen hohen Stacheldrahtzaun klettert. Dahinter befindet sich ein dichtes Sonnenblumenfeld, in dem Lars verschwindet.

Seither wurde Lars nicht mehr gesehen. Auch eine Leiche wurde nie gefunden.

Campingferien mit tödlichem Ende

1997 erschütterte ein grausamer Doppelmord mitten in der bayrischen Ferienidylle am Chiemsee die Welt. Er zählt zu den berühmtesten Cold Cases in Deutschland und ist ebenso mysteriös wie grausam.

Als Truus und Harry Langendonk im Mai 1997 in den Niederlanden losfahren, wissen sie nicht, dass dies ihr letzter Campingtrip sein wird. Die beiden Rentner führen ein beschauliches Leben, haben Enkelkinder, um die sie sich kümmern, und sie freuen sich auf ihre Ferien in Deutschland.

Am 7. Mai machen Truus und Harry Langendonk mit ihrem Camper am Waldrand in der Nähe der Stadt Traunstein Rast. Zeugen von einem nahe gelegenen Modellflugplatz berichten später, sie hätten gesehen, wie die Langendonks Campingstühle und einen Tisch vor ihrem Wohnmobil aufgestellt hätten. Danach sei es ruhig geblieben.

Gegen 18.30 hören Zeugen aus dem Dörfchen in der Nähe Schüsse und mehrere panische Schreie einer Frau. Ausserdem habe eine männliche Stimme im Kommandoton jemanden angeherrscht, sagen sie später aus. Die Polizei wird nicht gerufen, da sie dachten, es handle sich um Jäger.

In Wirklichkeit hat sich beim Wohnmobil gerade eine grausame Mordszene abgespielt: Ein unbekannter Täter tötet Harry Langendonk mit einem Kopfschuss. Truus beginnt zu schreien und wird mit einem Brustschuss niedergestreckt. Doch der Täter ist noch nicht fertig. Aus unerklärlichen Gründen schneidet er beiden die Kehle durch.

Danach treibt sich der Täter über zwei Stunden am Tatort herum, räumt auf und verfrachtet die Leichen in den Wohnwagen. Schlussendlich fährt er mit dem Campingwagen und den beiden Leichen im Kofferraum in einer wilden Fahrt so lange, bis ihm der Sprit ausgeht. In der Nähe von Nürnberg bleibt er schliesslich stehen und zündet den Wagen mitsamt den Leichen drin an. Erst jetzt werden die Polizei und die Feuerwehr gerufen, doch der Täter hat sich längst aus dem Staub gemacht, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt.

Von Nürnberg aus fährt er in verschiedenen Taxis quer durch Bayern, während er immer mit dem Geld aus der Reisekasse der Langendonks bezahlt. In den frühen Morgenstunden kehrt er wieder nach Traunstein zurück. Nicht mehr als 100 Meter vom Tatort entfernt, steigt er aus dem Taxi und verschwindet im Wald.

Seit mehr als 25 Jahren sucht die Polizei den Mörder der Langendonks, doch von ihm fehlt weiterhin jegliche Spur.

Todesinsel in Thailand

Die winzige thailändische Ferieninsel Koh Tao ist bekannt für türkisblaues Wasser, wunderschöne Korallenriffe und weisse Sandstrände. Doch hinter dieser trügerisch schönen Fassade steckt eine Insel voller Kriminalität und Gewalt, auf der innerhalb von nur drei Jahren 7 Touristen umgekommen sind.

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A view of Ngapali beach, on the Bay of Bengal, west coast of Myanmar (Burma), 08 March 2007. The unspoilt beaches are attracting foreign tourists looking f ...
Die wunderschönen Strände trügen.Bild: EPA

Am Neujahrsmorgen 2014 wird im Meer vor der Insel eine Leiche gefunden. Es sind die sterblichen Überreste des Briten Nick Pearson. Die Behörden sprechen von einem Unfall, der Brite sei von seinem Balkon gestürzt und ertrunken.

Im September des gleichen Jahres sind die britischen Backpacker Touristen Hannah Witheridge und David Miller für Tauchferien auf der Insel. In der Nacht vom 14. auf den 15. September werden sie mit einer Gartenharke und einem Holzknüppel angegriffen und gewaltsam getötet. Hannah wird zudem vergewaltigt.

In Folge werden zwei Wanderarbeiter festgenommen und zum Tode verurteilt. Menschenrechtsorganisationen erheben allerdings massive Kritik gegenüber dem Vorgehen der Polizei, die Angeklagten seien unter Folter zu einem Geständnis gezwungen worden, heisst es bei Amnesty International.

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Hannah Witheridge und David Miller werden auf grausame Art und Weise ermordet.Bild: EPA/BRITISH FOREIGN AND COMMONWEALTH

Am Neujahrsmorgen 2015 wird der Franzose Dimitri Povse erhängt in seinem Bungalow gefunden. Dass seine Hände auf den Rücken zusammengebunden waren, hält die Polizei nicht davon ab, von einem Suizid zu sprechen.

Nur 20 Tage später stirbt die Britin Christina Annesley an einer Mischung aus Antibiotika und Alkohol. Auch hier sind die Ermittlungen lückenhaft.

Am Morgen des 8. Januar 2016 wird der Brite Luke Miller tot im Pool gefunden. Die Todesursache ist unklar und die Verwandten erheben, laut BBC, massive Kritik gegenüber den Ermittlungen.

2017 wird die Leiche einer jungen Belgierin halb verwest und von Eidechsen angefressen im Dschungel gefunden. Die Polizei spricht von Suizid, die Mutter der Toten widerspricht dem allerdings vehement, wie Daily Mail berichtet.

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33 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Grohenloh
23.07.2023 17:32registriert August 2018
‚ …sind die britischen Backpacker Touristen Hannah…‘.
Warum macht ihr die Mode, deutsche mehrteilige Wörter auseinanderzuschreiben, mit? Das verändert die Bedeutung. Zur besseren Lesbarkeit sind Bindestriche vorgesehen. Also wären es hier die britischen Backpackertouristen oder die britischen Backpacker-Touristen. Ich finde das irritierend. Ein Helikopter Rotor oder ein Aufnahme Kriterium oder gar die Sprung Haftigkeit einer Person oder sich nicht wohl fühlen sind doch eher schwer lesbar bis sinnverändernd.
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Blitzen Oder Herzen, Hauptsache Meinung!
23.07.2023 16:33registriert Mai 2023
Zu Fall 2 habe ich eine Frage. Woher weiss man, dass der Täter nach dem Anzünden durch Bayern fuhr (ich nehme an aufgrund des Geldes, aber wie konnte man dem folgen) und v.a. woher weiss man, dass er im Wald verschwand? Bei den vielen Taxifahrern müsste es doch zumindest ein Phantombild geben.
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Janis Joplin
23.07.2023 16:45registriert April 2018
Bei Lars koennte ich mir ein Untertauchen vorstellen. Seinen Pass und seine Geldboerse hatte er am Mann - nur sein altes Mobiltelefon und seine Tasche liess er am Flughafen.
Es gab Zeugen die ihn der Autobahn entlang laufen sahen und ein LKW-Fahrer nahm ihn mit, nur hatte er vergessen wo er Lars abgesetzt hatte.
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Russland hat laut USA Weltraum-Waffe ins All geschickt
Russland hat nach Darstellung der USA einen Satelliten ins All geschickt, bei dem es sich wahrscheinlich um eine Weltraumwaffe handelt. Diese soll andere Satelliten angreifen können.

Der Satellit könne vermutlich andere Satelliten angreifen und befinde sich in einer erdnahen Umlaufbahn, sagte Pentagon-Sprecher Pat Ryder am Dienstag. Der Start sei am 16. Mai erfolgt. Der russische Satellit befinde sich nun in derselben Umlaufbahn wie ein Satellit der US-Regierung, so Ryder weiter. Auf die Frage, ob der russische Satellit eine Bedrohung für den US-Satelliten darstelle, sagte Ryder: «Nun ja, es handelt sich um eine Weltraumabwehrwaffe in derselben Umlaufbahn wie ein Satellit der US-Regierung.» Ähnliche russische Starts habe es bereits 2019 und 2022 gegeben.

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