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Russland-Ukraine: Ukraine macht mit US-Infos Jagd auf russische Generäle

Wie die Ukraine mit US-Hilfe Jagd auf russische Generäle macht

05.05.2022, 09:0305.05.2022, 09:43
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Sie hiessen Andrei Suchowetsky, Oleg Mitjajew oder Wladimir Frolow – und sie alle waren hochrangige Generäle der russischen Armee, die im Ukraine-Krieg getötet wurden. Ukrainischen Angaben zufolge haben bereits 12 russische Generäle an der Front ihre Leben verloren – eine Zahl, die Militäranalysten erstaunt.

Nun enthüllt die «New York Times», wie die ukrainische Armee bei ihren erfolgreichen Angriffen auf russische Generäle teilweise auf Informationen aus den USA zurückgreift. Die Zeitung beruft sich dabei auf Angaben nicht genannter ranghoher US-Militärs.

FILE - Russian President Vladimir Putin, right, and, Defense Minister Sergei Shoigu leave Red Square after the Victory Day military parade marking the 75th anniversary of the Nazi defeat in Moscow, Ru ...
Wladimir Putin und sein Verteidigungsminister, General Sergei SchoiguBild: keystone

Geheime Satelliten im Spiel

Der «New York Times» zufolge versorgen die USA die Ukraine mit Informationen über russische Truppenbewegungen im ostukrainischen Donbas. Die ukrainische Armee ergänze diese Angaben mit Ergebnissen ihrer eigenen Aufklärung, so die Beamten. Pentagon-Sprecher John Kirby bestätigt, dass die USA der Ukraine Informationen lieferten, «die sie braucht, um sich verteidigen zu können».

Zu Details äussere man sich aber nicht, um Quellen und Erfassungsmethoden nicht zu gefährden, wie die Beamten der «New York Times» sagten – allerdings seien unter anderem geheime Satelliten im Spiel. Die Beamten lehnten es zudem ab, zu enthüllen, wie viele der 12 Generäle infolge der US-Hilfe getötet worden waren.

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Und die US-Quellen dementierten der «New York Times» zufolge auch, Infos über einen Frontbesuch des russischen Generalstabschefs Waleri Gerassimow weitergegeben zu haben. Der ranghöchste russische Offiziere hatte sich am Wochenende an einem Ort in der Ostukraine aufgehalten, kurz darauf startete ein ukrainischer Angriff auf die Position.

Teil der US-Unterstütung

Die Weitergabe von Geheimdienstinformationen sei Teil der verstärkten US-Unterstützung, wie die «New York Times» schreibt. Trotz der anfänglichen Zurückhaltung liefern die USA neben den Informationen mittlerweile auch schwerere Waffen und Hilfe in zweistelliger Milliardenhöhe.

Ursprünglich hatte die US-Regierung versucht, einen Grossteil ihrer Informationen über die Kampfhandlungen geheim zu halten. Denn es wurde befürchtet, dass die Weitergabe von Informationen dem russischen Präsidenten Waldimir Putin einen Vorwand liefern könnte, den Krieg über die Ukraine hinaus eskalieren zu lassen.

Unterdessen kommen aber andere Töne aus den USA. Evelyn Farkas, die ehemalige Beauftragte des Verteidigungsministeriums für Russland und die Ukraine in der Regierung Obama sagte der «New York Times» zufolge:

«Wir wollen natürlich, dass die Russen in gewissem Masse wissen, dass wir den Ukrainern in diesem Umfang helfen, und das werden wir auch weiterhin tun.»

Und weiter:

«Wir werden ihnen alles geben, was sie brauchen, um zu gewinnen, und wir haben keine Angst vor Wladimir Putins Reaktion darauf. Wir werden uns nicht abschrecken lassen.»

Russland hat sich noch nicht geäussert

Nach der Erst-Veröffentlichung des Artikels in der «New York Times» sagte eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates in einer Erklärung, dass die Informationen über das Schlachtfeld den Ukrainern eigentlich nicht in der Absicht zur Verfügung gestellt würde, um russische Generäle zu töten.

Doch unter den neusten US-Waffenlieferungen befindet sich auch eine Switchblade-Drohne, die zur Identifizierung und Tötung einzelner Soldaten eingesetzt werden kann. Theoretisch könnte damit ein General ausgeschaltet werden, der in einem Fahrzeug sitzt oder an der Frontlinie Befehle erteilt.

Moskau hat sich zum angeblichen Verlust der Generäle nicht geäussert. Der Tod solch ranghoher Offiziere gilt als ungewöhnlich. Allerdings mussten sich bei den Schwierigkeiten des russischen Vormarsches in den ersten Wochen des Krieges viele Generäle selbst an die Front begeben und setzten sich damit der Gefahr aus, getroffen zu werden.

(yam mit Material der sda/dpa)

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Ukraine-Krieg: die Akteure im Überblick
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Ukraine-Krieg: die Akteure im Überblick
Durch Russlands Angriff auf die Ukraine in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar, ist die jahrelange Ukraine-Krise von einem blossen Konflikt zum Krieg geworden. Wer die wichtigsten Beteiligten sind, erfährst du hier:

Wladimir Putin ist seit 2000 (mit Unterbrechung von 2008 bis 2012) Präsident von Russland. Er sieht die Stabilität seines Systems seit den frühen Jahren seiner Präsidentschaft durch den Westen bedroht und will verhindern, dass die Ukraine Nato-Mitglied wird und eine westlich orientierte Demokratie aufbaut. Am 24. Februar befahl Putin schliesslich den Angriff auf die Ukraine. Offizielle Leitmotive für den Krieg sind die «Demilitarisierung und Entnazifizierung».
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29 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Kommissar Rizzo
05.05.2022 09:38registriert Mai 2021
Russland hat absolut das Gegenteil von dem erreicht, was es wollte: Die USA & Nato bauen die Koordinations- und Kommunikations-Strukturen aus und festigen diese. Da es Russland nicht gelingen wird, die Ukraine zu besiegen (Krim & Donbass mal ausser acht gelassen), wird es ihnen auch nicht gelingen, diese Strukturen wieder zu vernichten. Zynisch muss man sagen: Russland hat ausser der Entsorgung von Alteisen (und nicht-russisch stämmigen Soldaten) nicht viel erreicht - aber sehr viel angerichtet.
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Amateurschreiber
05.05.2022 11:48registriert August 2018
Sehe kein Problem darin, dass man mal die "Höheren" ins Visier nimmt, statt den einfachen Befehlsempfänger!
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Päule Freundt
05.05.2022 11:03registriert März 2022
Was dieser Bericht ausklammert, ist dass die Russen ebenfalls Listen von ‘wichtigen’ ukrainischen Zielpersonen haben, welche es zu verhaften oder eliminieren gilt. Die Russen hatten eine solche Liste parat, wenn es ihnen am 24.02. mittels Luftlandeoperation gelungen wäre, nach Kyiv vorzudringen. In den besetzten Städten im Süden und Osten haben die Russen mittlerweile ihre Listen ‘abgearbeitet’, was immer das bedeuten mag.
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