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International
Ukraine

Russland plant offenbar Ausreiseverbot für wehrfähige Männer

Russland plant offenbar Ausreiseverbot für wehrfähige Männer

Um die Kriegsmobilisierung durchzusetzen, will der Kreml offenbar den Grenzübertritt massiv einschränken. Die Rekrutierung läuft teils chaotisch ab.
26.09.2022, 06:35
Ein Artikel von
t-online

Der Kreml plant offenbar, die Landesgrenzen für Männer im wehrfähigen Alter am 28. September zu schliessen. Der Schritt könne direkt nach Ende der Scheinreferenden in der Ukraine erfolgen, berichtet das unabhängige russische Portal Verstka auf Telegram und beruft sich auf Quellen aus dem Parlament. Die Pseudoabstimmungen enden am Dienstag, 27. September. Der Schritt solle erfolgen, weil russische Behörden alarmiert seien, wie viele Männer derzeit das Land verlassen, heisst es weiter bei Verstka.

epa10195298 A billboard depicting a soldier with the slogan 'Serving Russia is a real job' stands in St. Petersburg, Russia, 20 September 2022. On 24 February 2022 Russian troops entered the Ukrainian ...
Ein Rekrutierungsplakat in St-Petersburg.Bild: keystone

Der Kreml hatte in dieser Woche bekannt gegeben, dass 300'000 Menschen für den Kampfeinsatz in der Ukraine rekrutiert werden sollen. Der Krieg läuft für Russland schlecht, zuletzt hatten ukrainische Truppen deutliche Rückeroberungen erzielt und russische Einheiten zurückgedrängt.

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Nach dem Ausreiseverbot könnte Putin Annexion verkünden

Die Kriegsmobilisierung hatte in Russland Entsetzen ausgelöst. Während der Kreml innerhalb weniger Stunden die ersten Menschen in Bussen abtransportieren liess und es zeitgleich zu Protesten kam, versuchten andere, insbesondere Männer, das Land vor ihrem Einzug zu verlassen. An Grenzübergängen bilden sich lange Staus, Flugtickets aus Russland in visa-freie Staaten waren in Kürze ausverkauft oder wurden extrem teuer.

Das Ausreiseverbot könnte noch vor einer erwarteten offiziellen Ansprache des Präsidenten Putin verkündet werden. Derzeit wird damit gerechnet, dass sich Putin am 30. September offiziell zu den Ergebnissen der bis Dienstag laufenden Scheinreferenden in der Ukraine äussern und die international massiv kritisierte Annexion der vier ukrainischen Gebiete besiegeln wird. Wie die Annexion in der kommenden Woche ablaufen könnte, kannst du hier lesen.

Rekrutierte Männer sollen wieder nach Hause

Unterdessen läuft die Mobilisierung in Russland teils chaotisch ab. Aus mehreren Gebieten wird gemeldet, dass Menschen rekrutiert werden, die offiziellen Angaben zufolge nicht dafür vorgesehen sind. Aus Jakutien, in Russlands fernem Osten, wurden Fehler gar von offizieller Ebene eingeräumt. Der Regierungschef der Region Sacha, Aysen Nikolajew, erklärte, dass irrtümlich Väter mit vielen Kindern rekrutiert worden seien. Sie müssten nun zurückgebracht werden. Die Rede war von 70 betroffenen Vätern.

Aus anderen Gebieten hatten sich Männer gemeldet, die trotz fehlender Militärerfahrung aufgefordert worden waren, sich zum Dienst zu melden, andernfalls drohe Strafverfolgung.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte mitgeteilt, rekrutiert werde nur, wer bereits Erfahrung in der Armee gesammelt habe. Auch Studierende seien ausgenommen. Dennoch hatte es Berichte aus einer Universität gegeben, aus der Studierende abgeführt worden waren. Väter aus kinderreichen Familien oder chronisch kranke Menschen sollen eigentlich ebenfalls nicht eingezogen werden. (t-online/cli)

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Russische Männer verlassen das Land nach der Teil-Mobilmachung

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62 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Pragmatiker17
26.09.2022 07:42registriert Juni 2018
Gilt das Ausreiseverbot dann konsequenterweise auch für die russische Armee? 🤔
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Liebu
26.09.2022 07:07registriert Oktober 2020
Der Krieg hat eine Flüchtlingswelle ausgelöst, wo sie Russland nicht erwartet hat.
Potentielle russische Kriegsopfer wollen nicht zum Schafott geführt werden.
Ich hoffe, dass sie stattdessen schon bald ihre Führungsriege zu diesem führen.
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HPOfficejet3650
26.09.2022 07:17registriert November 2015
Der Anfang vom Ende hat begonnen
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2021 wurden weltweit Waffen im Wert von fast 600 Milliarden Dollar verkauft

Die 100 grössten Rüstungskonzerne der Erde haben im Jahr vor dem Ukraine-Krieg schwere Waffen und Militärdienstleistungen im Wert von fast 600 Milliarden Dollar verkauft. Trotz pandemiebedingter Störungen der Lieferketten mit Verzögerungen und Engpässen stiegen die weltweiten Rüstungsverkäufe im Jahr 2021 um währungsbereinigte 1.9 Prozent auf 592 Milliarden Dollar (rund 570 Mrd. Euro), wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri in einem am Montag veröffentlichten Bericht mitteilte. Die erneute Zunahme war damit höher als im Vorjahr, lag allerdings unter dem durchschnittlichen Anstieg der vier Vor-Corona-Jahre.

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