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Mariupol-Gerettete: «Sie können sich gar nicht vorstellen, was wir durchgemacht haben»

Noch immer harren viele ukrainische Zivilisten und Kämpfer in dem von russischen Truppen belagerten Stahlwerk in Mariupol aus. Nun hat eine Frau, die evakuiert werden konnte, von ihrer Angst in der Bunkeranlage berichtet. 
02.05.2022, 16:21
Der Schrecken steht den Geretteten ins Gesicht geschrieben.
Der Schrecken steht den Geretteten ins Gesicht geschrieben.Bild: keystone
Ein Artikel von
t-online

Es sind nur etwa 30 Kilometer, die Natalia Usmanova zurückgelegt hat, und doch bedeuten sie den Weg aus einer langen Dunkelheit. Die 37-Jährige war eine der etwa hundert Zivilisten, die am Sonntag aus dem Asowstal-Stahlwerk in Mariupol gerettet werden konnten. In einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters erzählt die Augenzeugin von der schweren Zeit in den Bunkern. Am Montag sollen weitere Menschen aus dem Stahlwerk evakuiert werden.

Gegenüber einem Reporter beschreibt Usmanova ihre Erleichterung: «Wir haben die Sonne so lange nicht gesehen.» Sie beschreibt den Sauerstoffmangel und die Furcht der Menschen, die in dem Tunnelsystem Schutz vor den schweren Luftangriffen auf Mariupol suchten.

Zuvor war sie selbst eine Mitarbeiterin des Stahlwerks. «Ich habe mein ganzes Leben lang dort gearbeitet, aber was wir dort gesehen haben, war einfach schrecklich», berichtet Usmanova, «Sie können sich gar nicht vorstellen, was wir durchgemacht haben.»

Bild: keystone

Hunderte harren weiter aus

Besonders schlimm, so die 37-Jährige, seien die Angriffe gewesen, unter welchen auch die schweren Mauern des Tunnelsystems zu zittern begannen und Betonstaub auf die Menschen niederrieseln liess: «Mein Mann kann es bezeugen: Ich hatte solche Angst, dass der Bunker einstürzen würde.»

Bislang hält die unterirdische Anlage, die zur Zeit des Kalten Krieges auch zum Schutz vor möglichen Nuklearwaffen befestigt wurde , stand. Neben Kämpfern der ukrainischen Einheiten harren dort weiterhin Hunderte Zivilisten aus (nach ukrainischen Angaben etwa 1'000) – unter katastrophalen Umständen.

Bild: keystone

Die ersten Geretteten wurden am Sonntag unter Aufsicht russischer Einheiten in einem Buskonvoi in ein Auffanglager in das Dorf Besimene geleitet, gelegen etwa 30 Kilometer östlich der Hafenstadt Mariupol. Das Moskauer Verteidigungsministerium erklärte, dass die Menschen dort an Vertreter der Vereinten Nationen ( UN ) und des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) übergeben worden seien, die die Evakuierung koordiniert hatten.

Fortsetzung der Evakuierungen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj begrüsste die Rettungsmission und erklärte, die Menschen würden am nächsten Tag in der Stadt Saporischschja erwartet, die unter ukrainischer Kontrolle steht. Für den Montag sei ein weiterer Konvoi geplant. «Wir sind unserem Team sehr dankbar! Jetzt arbeiten sie gemeinsam mit #UN an der Evakuierung weiterer Zivilisten aus der Anlage», schrieb er am Sonntagnachmittag auf Twitter.

In der Nacht zum Montag bestätigte der Leiter der Militärverwaltung von Donezk , Pawlo Kyrylenko, die Pläne für eine weitere Evakuierung. Sie solle in den frühen Morgenstunden beginnen.

Das 11 Quadratkilometer grosse Gebiet des Stahlwerks in der südostukrainischen Hafenstadt ist seit Wochen heftig umkämpft. Das Gelände gilt als letzte Bastion des ukrainischen Widerstands im durch russische Angriffe weitgehend zerstörten Mariupol. Über die humanitäre Lage in der Hafenstadt gibt es wenige Informationen.

(t-online,jro )

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Angriff auf die ukrainische Hafenstadt Mariupol

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Angriff auf die ukrainische Hafenstadt Mariupol
quelle: epa/epa / sergey vaganov
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Das Grauen von Mariupol

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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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stormcloud
02.05.2022 16:46registriert Juni 2021
Mein Hass auf Putin und seine Unterstützer wächst mehr und mehr.
Ich hoffe auf Gerechtigkeit.
Dieser Verbrecher darf nicht ungestraft davon kommen. Unerträglich der Gedanke, dass Putin eines Tages mit anderen Staatschefs gleichberechtigt an einem Tisch sitzen darf...
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