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Jetzt spricht die Polizei – 7 Antworten zum tödlichen Schuss am Baldwin-Filmset

28.10.2021, 07:4328.10.2021, 14:14

Nach dem Todesschuss bei Dreharbeiten zu dem Western «Rust» in den USA finden die Ermittler deutliche Worte. «Ich denke, die Fakten sind klar – eine Waffe wurde Mr. Baldwin gereicht. Die Waffe war funktionsfähig und gab scharfe Munition ab, die Ms. Hutchins tötete und Mr. Souza verletzte», sagte Sheriff Adan Mendoza am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico. Auch ein Mitarbeiter am Set räumte demnach Fehler bei den Sicherheitsvorkehrungen ein. Die neusten Entwicklungen.

Was ist passiert?

Sheriff Adan Mendoza und Bezirksstaatsanwältin Mary Carmack-Altwies am Mittwoch in Santa Fe.
Sheriff Adan Mendoza und Bezirksstaatsanwältin Mary Carmack-Altwies am Mittwoch in Santa Fe. Bild: keystone

Erstmals seit dem tragischen Vorfall auf der Bonanza Creek Ranch, bei dem die Kamerafrau Halyna Hutchins (42) getötet und Regisseur Joel Souza (48) verletzt wurde, standen Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag Journalisten Rede und Antwort. Und sie sparten nicht mit schockierenden Details.

Was wissen die Ermittler?

Das abgegebene Projektil, das zuerst die Kamerafrau traf und sie tödlich verletzte, habe dann den hinter ihr stehenden Regisseur erwischt. Die Ärzte hätten das Geschoss aus dessen Schulter entfernt, sagte der Sheriff. Die echte Waffe in der Hand von Hauptdarsteller und Produzent Alec Baldwin (63) beschrieb Mendoza als 45-Colt-Revolver. Am Set stiessen die Ermittler auf drei Handfeuerwaffen und etwa 500 Munitionsladungen, darunter Platzpatronen und sogenannte Dummy-Patronen, die kein Schiesspulver enthalten. Doch vermutlich war auch noch «live» Munition darunter, sagte Mendoza. Weitere Labortests seien nötig, um das abschliessend zu klären.

Wie konnte es dazu kommen?

Scharfe Munition hat auf Drehsets nichts zu suchen, betonen Film-Experten in Hollywood. Mendoza drückte sich am Mittwoch betont vorsichtig aus, als er den Umgang mit Waffen auf dem Western-Set mit «etwas Bequemlichkeit» umschrieb.

Wie geht es nun weiter?

Schauspieler und Produzent Alec Baldwin nach dem tödlichen Schuss auf die Kamerafrau.
Schauspieler und Produzent Alec Baldwin nach dem tödlichen Schuss auf die Kamerafrau.Bild: keystone

Die Untersuchungen dauerten an, sagte Bezirksstaatsanwältin Mary Carmack-Altwies. Es sei zu früh, um über eine mögliche Anklage zu entscheiden, aber «alle Optionen sind auf dem Tisch», betonte die Juristin. Zu diesem Zeitpunkt sei niemand, auch nicht Baldwin, von einem möglichen Verfahren ausgeschlossen.

Weiter ins Visier gerieten am Mittwochabend (Ortszeit) die beiden Mitarbeiter am Set, die mit den Waffen Umgang hatten: eine 24-jährige Waffenmeisterin und der Regieassistent, der Baldwin die Waffe gereicht hatte. Die Behörden in Santa Fe veröffentlichten Details aus einem Untersuchungsbericht nach der Befragung der beiden Mitarbeiter.

Wie äussert sich der Regieassistent?

Der Regieassistent räumte gegenüber den Ermittlern ein, dass er die Sicherheitsvorkehrungen nicht strikt befolgt habe. Er habe die Waffe nur unvollständig geprüft und nicht alle Patronen inspiziert. Er könne sich auch nicht daran erinnern, ob die zuständige Waffenmeisterin die Trommel des Revolvers vollständig rotiert habe.

Der Regieassistent sei 2019 wegen eines ähnlichen Vorfalls bei einem Film entlassen worden, berichteten zuvor zahlreiche US-Medien. Bei dem Dreh zu «Freedom's Path» sei damals ein Tontechniker leicht verletzt worden, nachdem unerwartet eine Waffe am Set losgegangen sei, hiess es unter Berufung auf die Produktionsfirma des Films.

Was sagt die Waffenmeisterin?

Die 24-jährige Waffenmeisterin gab laut Polizeibericht an, dass sie an dem Drehtag, als der tödliche Schuss fiel, vor der Mittagspause geprüft habe, dass keine «heisse» Munition in der Waffe war. Während der Pause seien die Waffen in einem Safe eingeschlossen gewesen. Der Vorfall passierte kurz danach bei den Proben für eine Szene, in der Baldwin den Revolver aus einem Gürtelhalfter ziehen musste. Die Waffenmeisterin sagte den Ermittlern, dass keine «live ammo» (scharfe Munition) am Set aufbewahrt werde. «Rust» ist erst der zweite Film, an dem die junge Waffenmeisterin in dieser Funktion beteiligt war.

Wie reagiert Hollywood?

Der Vorfall auf dem «Rust»-Set hat Hollywood schockiert und aufgewirbelt. Viele Filmschaffende fordern nun striktere Sicherheitsprüfungen und ein Umdenken beim Umgang mit Schusswaffen. Regisseur Bandar Albuliwi, der wie die getötete Kamerafrau Halyna Hutchins an dem renommierten American Film Institute Conservatory studierte, hat eine Petition zum Verbot echter Waffen am Set ins Leben gerufen. In kurzer Zeit kamen über 64'000 Unterschriften zusammen. Albuliwi fordert Baldwin darin auf, seinen Status und Einfluss in Hollywood für dieses Ziel zu nutzen.

«Booksmart»-Regisseurin und Schauspielerin Olivia Wilde verlinkte die Petition auf Twitter. Es sei Zeit für die Schaffung von «Halyna’s Gesetz», das echte Waffen am Set verbieten würde, fordert Wilde. Regisseur Paul Feig («Taffe Mädels») würde auch Platzpatronen verbieten. Alle Effekte könnten digital am Computer entstehen, um solche Tragödien zu vermeiden, schrieb Feig auf Twitter. (mlu/sda/dpa)

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