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U.S. President-elect Donald Trump speaks at his election night rally in Manhattan, New York, U.S., November 9, 2016. REUTERS/Carlo Allegri

Der neue Präsident Donald Trump hält seine Siegesrede. Bild: CARLO ALLEGRI/REUTERS

Im Kreml knallen die Krimsekt-Korken: Mit Präsident Trump wird die Welt unsicherer

Mit Donald Trump zieht ein Isolationist ins Weisse Haus ein. Er bewundert autoritäre Herrscher und wird sich in die Weltpolitik nur einmischen, wenn es darum geht, die Interessen seines Landes durchzusetzen. 



Im Kreml in Moskau haben sie vermutlich Champagner entkorkt. Oder vielmehr Krimsekt, das in jeder Beziehung passendere Getränk. Mit Donald Trump erhalten die Russen einen US-Präsidenten nach ihrem Geschmack. Zwar wird kolportiert, die Begeisterung von Wladimir Putin für den unberechenbaren Republikaner halte sich in Grenzen.

Umgekehrt aber hat Trump seine Bewunderung für Putin nie verheimlicht. Er hält ihn für einen stärkeren Anführer als etwa Barack Obama. Ohnehin hat der neue Präsident eine Schwäche für autoritäre Herrscher, die ohne lästige «Bremsklötze» wie Parlamente schalten und walten können, wie sie wollen.

epa05624146 Russian President Vladimir Putin holds a glass during a ceremony of receiving diplomatic credentials from foreign ambassadors at the Kremlin in Moscow, Russia, 09 November 2016.  EPA/SERGEI KARPUKHIN / POOL

Wladimir Putin erhält einen US-Präsidenten nach seinem Geschmack. Bild: EPA/REUTERS POOL

Deshalb wird Putin mit der unerwarteten Wahl der Amerikaner sehr gut leben können. Sein Geheimdienst soll dabei tatkräftig mitgeholfen haben. Präsident Trump wird den Russen weitgehend freie Hand lassen, sei es in Syrien oder in der Ukraine. Auch andere Autokraten wie der türkische Staatschef Erdogan haben von ihm kaum etwas zu befürchten.

Ein Isolationist alter Schule

Für den Nahen Osten sind dies schlechte Nachrichten, insbesondere für Syrien. Jene Politiker und Kommentatoren, die Barack Obama wegen seiner Zurückhaltung gescholten haben und sich den grossen US-Militärschlag herbeisehnen, dürften nun erst recht enttäuscht werden. Donald Trump wird sich auf den Kampf gegen die Terrormiliz «IS» beschränken, und auch dazu kaum mehr leisten als die heutige Regierung.

Sehr erfreut auf Trumps Wahl reagierte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Acht Jahre musste er sich mit dem störrischen Barack Obama herumschlagen. Trump wird ihm freie Hand lassen, möglicherweise auch gegenüber dem Iran. Das Atomabkommen mit der islamischen Republik will der neue Präsident schon am ersten Amtstag shreddern.

Seine Aussagen im Wahlkampf zeigen: Donald Trump ist ein Isolationist alter Schule. Er will die USA aus den Irrungen und Wirrungen dieser Welt heraushalten und nur dann eingreifen, wenn es um die Interessen seines Landes geht. Diese kämen zuerst, sagte er in seiner Siegesrede. Gleichzeitig betonte er, er strebe ein faires Verhältnis zu den anderen Staaten an. Was auch immer das heissen mag – etwa Strafzölle gegen die Chinas Billigexporte?

Das mag alle freuen, die den Amerikanern gerne ihre realen und angeblichen Sünden vorhalten. Für Europa aber ist dies eine schlechte Nachricht. Trump hat die Beistandspflicht der NATO in Frage gestellt und faktisch mit einem Preisschild versehen. Was in Osteuropa für helle Aufregung sorgte, insbesondere in den baltischen Staaten, die sich von Russland bedroht fühlen.

Ein faktischer Rückzug der USA aus Europa wäre fatal für die freie Welt. Ob es so weit kommt, wird sich zeigen. Die Führung des US-Militärs wird ein Wörtchen mitreden wollen. Vieles hängt auch davon ab, wen Trump für die Schlüsselpositionen in seiner Regierung nominieren wird, insbesondere das Aussen- und Verteidigungsministerium.

Heilsamer Schock für Europa

Vielleicht ist die Wahl Trumps für Europa ein heilsamer Schock. Er könnte in der auseinander driftenden Europäischen Union zu einer Wiederannäherung führen. Das gilt etwa für Polen, dessen nationalkonservative Regierung einige Dissonanzen mit Brüssel hatte. Und er könnte dazu führen, dass Deutschland, das sich aussenpolitisch gerne verkriecht, endlich mehr Verantwortung übernimmt, auch militärisch.

Insgesamt aber wird die Welt mit der Wahl von Donald Trump ein gutes Stück unsicherer. Das könnte auch die Schweiz zu spüren bekommen. Wer glaubt, mit Trump werde es einfacher, könnte sich täuschen. Er wird auch uns danach beurteilen, ob wir den USA nützlich sind oder nicht.

Donald Trump ist der neue US-Präsident. Die Wahl-Nacht in Bildern.

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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • arnoleon 15.11.2016 16:27
    Highlight Highlight Ach mein Gott Watson hört mal mit der Propaganda auf und kommt wieder zurück auf die Welt. Journalisten sollten die Finger von der Interpretation und Meinungsweiterleitung halten. In einer idealen Welt würdet Ihr nämlich rohe Fakten publizieren und die Meinungsbildung unseren intelligenten Mitbürgern lassen. Und wenn euch die Lust zum interpretieren nicht zu nehmen ist dann bitte Korrekt dargestellt, das heisst These aufbauen, Antithese präsentieren, argumentieren und eine Schlussfolgerung präsentieren in der eure Meinung klar und deutlich als Meinung (nicht Wahrheit) reflektiert wird.
  • Einfache Meinung 15.11.2016 03:20
    Highlight Highlight Unsicherer für wen ist hier die Frage ?! Völker unterdrücken heißt nicht gleich Frieden!
  • Pitsch Matter 10.11.2016 18:01
    Highlight Highlight Die USA hat nur Angst, Russland und Europa könnten sich vertragen, dies würde nähmlich das Aus für das Imperium heissen.
  • pun 10.11.2016 17:45
    Highlight Highlight Das liest sich so, als ob der US-Imperialismus am Ende wäre. Haha, wer's glaubt.
    Dann sich noch ein militärisch starkes Deutschland wünschen. Jippiejaijee.
  • TheCloud 10.11.2016 17:30
    Highlight Highlight Wenn Putin Trump verspricht, Europa nicht zu überfallen, wird sich die USA natürlich aus Europa zurückziehen.
  • Dä Brändon 10.11.2016 17:19
    Highlight Highlight Falsch! Mit Trump werden die Konflikte weltweit abnehmen.
    • Dopamin 10.11.2016 18:23
      Highlight Highlight Mag sein, dass es weniger interstaatliche Konflikte geben wird. Ob es so viel besser ist, dass u.a. totalitäre Staaten mehr Freiraum besitzen, ohne die Weltpolizei USA zu fürchten, weiss ich allerdings nicht.
    • Dä Brändon 10.11.2016 19:03
      Highlight Highlight Das Problem ist ja genau das. Entweder man spielt die Weltpolizei und behandelt alle totalitären Staaten gleich, u.a auch die Saudis oder man versucht es mit Diplomatie. Mit Respekt an einem Tisch kann unglaublich viel erreichen.
    • FrancoL 10.11.2016 20:41
      Highlight Highlight Beispiel für gute Diplomatie ohne Druck im Hintergrund????
    Weitere Antworten anzeigen
  • The oder ich 10.11.2016 16:25
    Highlight Highlight Herr Trump hat Estland, Lettland und Litauen schon mehr oder weniger aufgegeben, so dass ihnen wohl in absehbarer Zeit das Schicksal der Krim blühen dürfte.

    Ich werde jedenfalls bald mal noch da Ferien machen, bevor diese Kleinstaaten hinter dem neuen eisernen Vorhang verschwinden.
    • Maett 10.11.2016 19:14
      Highlight Highlight @The oder ich: hat Russland in Estland, Lettland und Litauen militärisch lebenswichtige Stützpunkte, die sie durch Assoziierungsabkommen mit westlichen Bündnissen bedroht sehen?

      Eigentlich nicht, das war nur in der Ukraine der Fall. Insofern wäre es unverständlich und auch unlogisch, wenn sich Russland dort in irgendeiner Art und Weise einmischen würde.

      Das einzige was Russland stört, sind wahrscheinlich die an der Grenze stationierten NATO-Truppen. Aber diese braucht ja das Säbelrasseln, um sich zu rechtfertigen, also bleibt das wohl so.
    • The oder ich 11.11.2016 06:19
      Highlight Highlight @Maett: Du hast den russischen Diskurs bei der Krim aber schon auch mitbekommen. Und russisch-stämmige Einwohner hat es in den baltischen Staaten genug, um als "Rechtfertigung" zu dienen. Aber hoffen wir mal, Dein Optimismus sei berechtigt.
  • Theor 10.11.2016 15:46
    Highlight Highlight Sehr selbstgefälligt, die Verteidigung der Welt den Amerikanern zuzuschieben, Herr Blunschi. Amerika ist nicht für das Wohl der Welt verantwortlich, in Tat und Wahrheit aber in vielen Brandherden weltweit für das "unwohl" verantwortlich.Vieleicht tut die Wahl von Trump der Welt ja auch ganz gut, wenn man sich nicht mehr ständig überall einmischt?

    Auf einmal muss Europa mal auf eigenen Beinen stehen, anstatt immer Papa Amerika um Hilfe zu bitten?
  • Fafnir 10.11.2016 15:42
    Highlight Highlight Könnte, hätte, würde.
    Ich zitiere hier gern den Chef von Siemens: Gebt Trump eine Chance sich zu beweise. Er hatte bis jetzt kein politisches Amt. Ergo ist es auch kaum möglich seine Linie in den nächsten 4 Jahre vorauszusagen.
    Ausserdem wird auch er an vielen Stellen Kompromisse eingehen müssen.
  • saukaibli 10.11.2016 15:32
    Highlight Highlight Trump und Putin, eine gefährliche Kombination. Solange sie sich verstehen mag ja alles gut sein, aber was wenn nicht? Beide sind von sich überzeugt, beide halten sich für den intelligentesten, erfolgreichsten und bewundernswertesten Menschen der Welt. Auf lange Sicht kann das nicht gut gehen, denn es kann bekanntlich nur einen geben. Wenn sich einer der beiden vom anderen nicht genug geachtet fühlt ist die Freundschaft schnell vorbei und Trump ist für seine Kurzschlusshandlungen bekannt. Wenn das nur gut geht...
    • TheCloud 10.11.2016 17:33
      Highlight Highlight Ich bin überzeugt, wenn Putin in Europa walten kann wie er will, wid er Trump auch in Ruhe lassen.
      Win-win Situation für beide, was wollen wir noch mehr?
    • zombie woof 10.11.2016 17:44
      Highlight Highlight Putin wird mit Trump spielen, ohne dass der etwas merkt
  • Raketen Costa 10.11.2016 15:09
    Highlight Highlight Eine korrupte Kriegstreiberin wurde nicht gewählt, einer der sich für eine Deeskalation mit Russland bemüht wurde gewählt. Ich fühle mich schon ein wenig sicherer.
  • DerWeise 10.11.2016 14:52
    Highlight Highlight "Mit Präsident Trump wird die Welt unsicherer"

    Ds isch e Witz oder?

    Clinton gab sich immer Hawkish und warauf noch stolz (Lybien, Irak, Syrien).

    Donald Trump sagt, er redet mit jedem und will keine Weltpolizei sein. Klingt für mich im Gegenteil zum Rest was er zwischendurch rauslässt ziemlich vernüftig.

    Ich finde die Aussagen Blunschis in anbetracht der Mio von Flüchtlingen und Toten, welche uns die Kriege von nicht-"Isolationisten" wie Clinton und co gebacht haben gerade zu menschenverachtend und beschämend.

    Unglaublich...

  • Datsyuk * 10.11.2016 14:41
    Highlight Highlight Welche beweisen liegen vor bezüglich Einmischung Russlands in die Wahl?
    • Stachanowist 10.11.2016 16:46
      Highlight Highlight Keine. Aber Watson bewegt sich in dieser Frage gerne auf dem Niveau von Verschwörungstheorien.
  • YesImAMillenial 10.11.2016 14:29
    Highlight Highlight mit Hillary wäre die Welt sicherer geworden? Mit ihr, die in Syrien härter durchgreifen wollte? Die dem Iran keine Zugeständnisse machen wollte? Die dazumals Obama dazu überredet hat, Libyen zu bombardieren und damit tausende Zivilisten auf dem Gewissen hat?
    Aye Aye Aye was für eine Logik...

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