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Epstein-Opfer fordert Prozess gegen Andrew in den USA

Epstein-Opfer fordert Prozess gegen Andrew in den USA

Immer neue Anschuldigungen werden gegen Andrew Mountbatten-Windsor laut. Die Strafbehörden halten sich allerdings auffallend zurück.
26.12.2025, 07:4826.12.2025, 07:48
Thomas Wanhoff / t-online
Ein Artikel von
t-online

Andrew Mountbatten-Windsor ist ein freier Mann, trotz erheblicher Anschuldigungen gegen ihn. Sein Name taucht in zahlreichen Dokumenten der Epstein-Akten auf. Scotland Yard will keine Ermittlungen einleiten. Doch der ehemalige Prinz könnte in den USA vor Gericht gestellt werden.

FILE - Andrew Mountbatten-Windsor speaks during a television interview at the Royal Chapel of All Saints at Royal Lodge in Windsor, April 11, 2021. (Steve Parsons/Pool Photo via AP, File)
Britain-Roya ...
Andrew Mountbatten-Windsor.Bild: keystone

Eines der Epstein-Opfer, die Brasilianerin Marina Lacerda, fordert, dass Andrew in den USA von den Strafbehörden befragt werden soll. Sie möchte ihn auch vor einem US-Richter sehen. Der Royal wurde beschuldigt, das Epstein-Opfer Virginia Giuffre sexuell missbraucht zu haben. Er soll sie 2001 gelernt haben, als sie 17 Jahre alt war – etwas, das er stets bestritten hat. Giuffre nahm sich im April das Leben.

In den neuesten Epstein-Dokumenten, die die US-Regierung freigegeben hat, wird unter anderem erwähnt, dass Andrew die Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell um Treffen mit «unangemessenen Freunden» gebeten habe. Maxwell soll ihm «diskrete, freundliche und lustige Mädchen» besorgt haben.

Kritik an US-Behörden

Lacerda, die ursprünglich aus Brasilien stammt und heute in den USA lebt, lernte Epstein, damals Finanzier, nach ihren Aussagen im Alter von 14 Jahren kennen und wurde nach ihren Angaben drei Jahre lang von ihm ausgebeutet. Sie hat zwar Andrew nie persönlich getroffen, will ihn aber wegen seiner mutmasslichen Verwicklung in die Epstein-Machenschaften zur Rechenschaft ziehen. «Ich denke, das Erste, was hier getan werden muss, ist, dass Grossbritannien [Mountbatten-Windsor] vor Gericht stellt», sagte sie.

FILE - Marina Lacerda speaks during a news conference at the U.S. Capitol, Sept. 3, 2025, in Washington. (AP Photo/Jose Luis Magana, File)
Marina Lacerda
Marina Lacerda.Bild: keystone

Sie kritisierte, dass die amerikanischen Behörden die Vorwürfe von Virginia Giuffre nicht ausreichend geprüft hätten. «Viele Leute glaubten ihr nicht. Alle ignorierten es, und er schwieg, und jetzt ist es so weit: Wirklich? Darauf läuft es hinaus – sie musste sterben und ein Buch veröffentlichen», sagte Lacerda. «Wir haben viele prominente Personen, die nicht vor Gericht gestellt werden oder einfach unter den Teppich gekehrt werden.»

Ein Vergleich und ein Versuch einer Befragung

Andrew in den USA vor Gericht zu stellen, sei das Richtige. «Ich glaube aber nicht, dass er freiwillig kommen wird». In Grossbritannien muss Andrew, der alle seine königlichen Titel wegen der Epstein-Affäre verloren hat, zunächst keine Verfolgung befürchten. Weder der Vorwurf des Menschenhandels noch der Versuch, belastendes Material gegen Virginia Giuffre zu besorgen, konnten ihm von den Ermittlern nachgewiesen werden.

Andrew schloss in den USA nach einer Zivilklage von Giuffre einen angeblich millionenschweren Vergleich. Ermittlungen der Strafbehörden gab es gegen ihn nicht. Allerdings zeigen neue Epstein-Akten, dass das FBI ihn wegen einer anderen Verbindung befragen wollte: zu dem kanadischen Modeunternehmer und Sexualstraftäter Peter Nygard. Dieser wurde im vergangenen Jahr von einem Richter in Ontario zu elf Jahren Haft verurteilt, der ihn bei der Verkündung des Urteils wegen sexueller Nötigung als «Sexualstraftäter» bezeichnete.

FBI hatte Fragen wegen Beziehung zu kanadischem Sexualstraftäter

In einem Schreiben vom April 2020 baten die amerikanischen Behörden ihre britischen Kollegen offiziell um Unterstützung bei der Durchführung einer Befragung des ehemaligen Prinzen. Man habe Fragen zu Reisen Andrews zum Haus Nygards auf den Bahamas und den Verbindungen zu mehreren Personen. In dem Brief wurde aber deutlich gemacht, dass nicht gegen Andrew selbst ermittelt werden.

Bis zum heutigen Tag gibt es keine Ermittlungen gegen den in Ungnade gefallenen Bruder von König Charles. Zwar hat er seine königlichen Titel verloren, darf nicht mehr in seinem royalen Anwesen wohnen und wird auch von seiner Familie öffentlich gemieden. Strafrechtlich haben aber alle Anschuldigungen bislang keine Auswirkungen für ihn gehabt.

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18 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Cpt. Jeppesen
26.12.2025 09:24registriert Juni 2018
Die einzige Person, die bis heute die vollständige Offenlegung aller Photos und Daten über sich gefordert hat, im Epstein Fall, ist Bill Clinton.
Von den anderen, von Bill Gates über Prinz Andrew bis hin zu Donald Trump, hört man nichts oder aber alles wäre gelogen man kenne Epstein nicht.
In der Grössenordnung, in der hier belastendes Material gesammelt wurde, gehe ich davon aus, dass Epstein im Auftrag von jemanden das Material gegen die Reichen und Mächtigen systematisch, gesammelt hat. Es sind Millionen von Dokumenten, das spricht für staatliche Akteure.
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