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President Donald Trump exits the Oval Office of the White House in Washington, Friday, Aug. 4, 2017, as he walks to Marine One on the South Lawn  for a short trip to Andrews Air Force Base, Md. en route to Bedminster, N.J., for vacation. (AP Photo/Alex Brandon)

Bild: AP/AP

Flügel, Kämpfe und Fraktionen – Klimakrise im Weissen Haus



Nach 200 Tagen Donald Trump kann es niemanden wundern, dass dieses Weisse Haus eine Renovierung nötig hat. Es ist zwar nur die Klimaanlage, technisch gesehen. Doch was in diesem Sommer im Sitz des US-Präsidenten der dringenden Reparatur bedarf, dürfte komplexer sein als Probleme von warm und kalt.

Unter Trump sind Seilschaften und Schützengräben entstanden. Dies ist keine Regierungszentrale aus einem Guss. Trumps «Arbeitsurlaub» hin oder her, die Herzkammer der Supermacht hat tiefe innere Risse.

«Der General in seinem Labyrinth»: Auf welchen der Trump'schen Ex-Militärs trifft der Titel des Romans von Gabriel García Márquez dieser Tage mehr zu? Der eine ist der neue Stabschef, Ex-General John F. Kelly. Als «Aufräumator» gekommen, soll er die Regierungsarbeit stabilisieren, muss als Externer aber erst mal das Geflecht der Macht verstehen und entwirren.

Der andere ist H.R. McMaster, als Ex-General in sechs Monaten Regierung schon Trumps zweiter Sicherheitsberater. Er folgte Michael Flynn - einem Ex-General.

Nationalisten gegen Globalisten

Ausgerechnet McMaster musste zuletzt um seine Sicherheit fürchten. Als er aus dem - seinem - nationalen Sicherheitsrat drei Loyalisten des Chefstrategen Steve Bannon entfernte, ritten die sogenannten «Nationalisten» im Weissen Haus eine heftige Attacke gegen ihn, mit externer Unterstützung rechtsgerichteter Medien.

Ständig widerspreche er Trump, zersetze dessen Agenda, sei zu international und zu bündnisorientiert ausgerichtet. Das letzte Gerücht: Wenn er die US-Truppen schon so gern in Afghanistan belassen wolle, statt sie abzuziehen, warum er sie dann nicht gleich anführe, also vor Ort?

FILE - In this July 31, 2017, file photo, national security adviser H.R. McMaster listens during the daily press briefing at the White House in Washington. A long-simmering dispute between two top White House aides has boiled into a public battle over the direction President Donald Trump’s foreign policy, as a cadre of conservatives groups are pushing for the ouster of McMaster.(AP Photo/Evan Vucci, File)

Sicherheitsberater McMaster Bild: AP/AP

Kaum im Amt, sprang Stabschef Kelly McMaster bei. Dann war an dieser Front erstmal Ruhe. Die reichlich gute Presse über erste Erfolge Kellys wird Trump argwöhnisch verfolgen, will er doch immer und immer selbst das unangefochtene Zentrum allen Ruhmes sein.

Bannon und Stephen Miller werden von US-Medien als die Hauptgegner McMasters beschrieben. Der Chefstratege soll in den vergangenen Monaten ein paar Mal heftig gewackelt haben, agiert aber nach wie vor als eine Art dunkler Lord des Weissen Hauses. Berater Miller wurde zuletzt als Nachfolger des pompösen Anthony Scaramucci gehandelt, als bestallter Kommunikationschef binnen zehn Tagen verglüht.

Das Lager Bannon/Miller kennt Berichten zufolge in seiner so rücksichtslosen wie geschickt ins Land verkauften Durchsetzung von Trumps Agenda keine Verwandten. In der Konfiguration des Weissen Hauses ist das aber ein Problem, denn Familienbande gibt es unter Trump ja reichlich.

Einfluss von «Javanka» überschätzt

Ivanka Trump und Jared Kushner, im promiverliebten Amerika als Tochter und Schwiegersohn des Präsidenten zärtlich mit dem glamourösen «Javanka» gestempelt, waren in sechs Monaten Trump schon vieles. Eigentliche Machtachse, die grossen Präsidentenbesänftiger, New Yorks liberales Gegengewicht zur rechtsgelagerten Kernmannschaft.

Nichts davon stimmte wirklich. Ihr Einfluss ist offenkundig begrenzt, und Trumps vielgepriesener Allesberater Kushner kocht ersichtlich auch nur mit Wasser, manchmal sogar mit recht wenig.

Problem: Das Paar zählt zu den «Globalisten», die wie etwa auch Wirtschaftsberater Gary Kohn die USA gerne in Bündnissen verankert lassen wollen. In elektronischer Post wird Kohn von seinen Gegnern mit dem Symbol einer Weltkugel versehen, für die Bannons und Millers ist das in Zeiten von «Amerika zuerst» ein Kampfbegriff. Die Reibefläche «Globalisten» gegen «Nationalisten» gehört im Weissen Haus zu den grössten und rauesten.

Trump fördert Zwist unter sich

Schon als Geschäftsmann war Trump dafür bekannt, Zwist unter sich bewusst zu erzeugen, möge der Stärkere gewinnen. Mit Verlierern konnte schon der Milliardär nichts anfangen, daran hat sich als Regent nichts geändert.

Die Berichte in «New York Times», Politico, «Washington Post» oder Axios über das Weisse Haus als Schlangengrube, Haifischbecken, Raubtiergehege oder Piranhabecken sind Legion. Trump sieht sein Haus als «gut geölte Maschine».

Zu all den Gruppen und Anführern dieses massiven Gegeneinanders gesellen sich Einzelne aus dem weitverzweigten Regierungsapparat. So verschieden ihre Interessen sein mögen, eines eint sie: Der Kampf gegen Trump.

Anders lässt sich der stete Fluss durchgestochener vertraulicher Informationen nicht erklären. Die US-Regierung hat diesem «Leaken» soeben den verschärften Kampf angesagt. Ob das dem belagerten Präsidenten hilft, kann noch nicht gesagt werden.

Kann Ex-General Kelly diese Schlachtordnung befrieden? Ohne den Chef sicher nicht. Trump aber wechselt Koalitionen, Sympathien und Interessen weiter nach Belieben. Auch aus den Ferien heraus twittert er, als gäbe es kein Morgen. Auch wenn der West Wing fertig renoviert sein wird - mit seinem Binnenklima wird das Weisse Haus weiter reichlich zu tun haben. (nfr/sda/dpa)

Donald Trump ahmt Menschen nach

Video: watson

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Analyse

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