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US-Kongress legt gegen den «Verräter» Snowden nach – der wehrt sich via Twitter



Ein Parlamentsausschuss in den USA hat dem Informanten Edward Snowden ehrenwerte Motive bei der Weitergabe von Geheimdienstinformationen rundweg abgesprochen. Snowden sei «kein Held», sondern er sei ein «unzufriedener Angestellter gewesen.

In this image made from video released by WikiLeaks on Friday, Oct. 11, 2013, former National Security Agency systems analyst Edward Snowden speaks during a presentation ceremony for the Sam Adams Award in Moscow, Russia. Should Snowden ever return to the U.S., he would face criminal charges for leaking information about NSA surveillance programs. But legal experts say a trial could expose more classified information as his lawyers try to build a case in an open court that the operations he exposed were illegal.  (AP Photo)

Snowden auf einem Foto von 2013. Bild: AP/WikiLeaks

Er habe häufige Konflikte mit Vorgesetzten gehabt», heisst es in einem Untersuchungsbericht, den der Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses am Donnerstag nach zweijähriger Ermittlungsarbeit vorlegte. «Er ist ein Verräter, der seine Kollegen und sein Land vorsätzlich verraten hat.»

Die Autoren legen den Schluss nahe, dass der frühere Mitarbeiter des Geheimdiensts NSA aus persönlicher Unzufriedenheit die Geheimdaten weitergab, die dann einen weltweiten Skandal auslösten. Snowden sei «nur zwei Wochen, bevor er mit dem illegalen Herunterladen geschützter Informationen begann, abgemahnt worden», heisst es in dem Bericht.

«Lebenslauf frisiert»

Die Autoren werfen Snowden vor, seine Leistungsbeurteilungen manipuliert und «seinen Lebenslauf frisiert zu haben, um neue Positionen innerhalb der NSA zu bekommen». Sie kritisierten ihn auch dafür, dass er die Bedenken hinsichtlich der Abhörpraktiken der NSA, mit denen er die Weitergabe der Daten rechtfertigte, «niemals einem Vorgesetzten gegenüber geäussert» habe.

Whistleblower

Der Grossteil des Ausschussberichts ist als vertraulich eingestuft, allerdings wurden Auszüge in Washington der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Vorsitzende des für die NSA zuständigen Unterausschusses, Lynn Westmoreland, richtete dabei schwere Vorwürfe an Snowden: Dieser habe «der Sicherheit der USA schwereren Schaden zugefügt als jeder andere Mensch in der Geschichte der USA».

«Besseres verdient»

Snowden reagierte über den Kurznachrichtendienst Twitter und wies die Vorwürfe zurück. «Mit diesem Bericht setzt sich der Ausschuss selbst herab», schrieb er. Nach zwei Jahren Ermittlungsarbeit hätte «das amerikanische Volk Besseres verdient».

In den USA hatten sich zuletzt die Forderungen nach Snowdens Begnadigung durch US-Präsident Barack Obama gehäuft. Amnesty International und weitere Menschenrechtsgruppen riefen Obama diese Woche dazu auf. Die US-Regierung bekräftigte aber, dass sie Snowden vor Gericht sehen wolle.

Russische Aufenthaltsgenehmigung erlischt

Snowden arbeitete früher über eine Servicefirma als IT-Spezialist unter anderem für den Geheimdienst NSA und hatte daher Zugang zu brisanten Informationen. Im Jahr 2013 veröffentlichte er tausende als geheim eingestufte Dokumente zu weltweiten Überwachungstaktiken und löste damit eine globale Debatte über die Zulässigkeit staatlicher Eingriffe in die Privatsphäre aus.

Von den USA wird er deshalb wegen Spionage verfolgt. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft. Snowden lebt derzeit in Russland im Exil, seine Aufenthaltsgenehmigung erlischt aber im kommenden Jahr.

(sda/afp)

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ali G 18.09.2016 04:52
    Highlight Highlight Ich hatte ein ähnliches Problem, natürlich viel kleiner.
    Ich arbeite auch in einem Staatsähnlichen Betrieb, als ich per Zufall von einer gravierenden Vertuschung efuhr ging ich zum Zuständigen und wies ihn darauf hin, was natürlich nichts brachte.
    Am Schluss wurde Ich dem Kunden als unzufriedener Arbeiter welcher nur der Firma schaden wollte dargestellt.
    Grosse Betriebe ohne externe Kontrolle werden immer Lügen und Betrügen um an der Macht zu bleiben.
  • dwight_schrute 16.09.2016 10:57
    Highlight Highlight Schon witzig irgendwie. Wenn ein Banker Daten über seinen Arbeitgeber und dessen Kunden an den amerikanischen Staat weitergibt, ist er ein ehrenvoller Whistleblower. Wenn nun ein Angestellter der USA das selbe mit seinem Arbeitgeber macht, ist er ein Verräter.
    • dwight_schrute 16.09.2016 15:06
      Highlight Highlight Man verfolgt den Datendieb, weil es gegen das Gesetz ist Daten zu klauen. Natürlich hat auch Snowden gegen das Gesetz verstossen. Aber das meine ich mit meinem Kommentar ja gar nicht. Es geht mir mehr darum, wie man diese beiden Fälle eben anders bezeichnet, obwohl es überspitzt und grob gesagt ums gleiche geht.
  • Toerpe Zwerg 16.09.2016 08:49
    Highlight Highlight M.E. haben beide recht, bzw. er ist in der Tat ein Verräter, was ein Geheimdienst nie gutheissen kann und er hat gleichzeitig durch den Verrat einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft geleistet.
  • Firefly 16.09.2016 08:08
    Highlight Highlight «Er ist ein Verräter, der seine Kollegen und sein Land vorsätzlich verraten hat.»

    Tja, wenn man Verräter verrät.
  • Hypnos 16.09.2016 07:17
    Highlight Highlight In der Bilderstrecke fehlt meiner meinung nach noch daniel ellsberg, sicherlich einer der bekannteren whistleblowers
    • Kstyle 16.09.2016 07:36
      Highlight Highlight Jetzt weiss ich endlich wo die superhelden geboren werden. Im Amerikanischen Parlamentsausschuss ;-).
      Haben die dort eine Heldenprüfung? ;-)

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