International
USA

Nach Chat-Panne: Klage gegen US-Verteidigungsminister Hegseth

Nach Chat-Panne: Klage gegen US-Verteidigungsminister Hegseth

Eine Signal-Chatgruppe mit US-Regierungsmitgliedern sorgt für Wirbel: Geheime Pläne wurden geteilt – nun gibt es erste juristische Konsequenzen.
26.03.2025, 06:0426.03.2025, 07:29
Anna-Lena Janzen / t-online
Ein Artikel von
t-online

Nach der gravierenden Sicherheitspanne rund um eine Chatgruppe hochrangiger US-Regierungsmitglieder hat die Watchdog-Organisation American Oversight nun Klage eingereicht. Das berichtet das US-Magazin «Huffington Post».

Die Organisation fordert demnach von einem Bundesrichter die Feststellung, dass US-Verteidigungsminister Pete Hegseth und andere Beteiligte gegen das Bundesarchivgesetz verstossen haben. Sie sollen ihrer Pflicht zur Sicherung offizieller Kommunikation nicht nachgekommen sein.

Defense Secretary Pete Hegseth prepares to give a television interview outside the White House, Friday, March 21, 2025, in Washington. (AP Photo/Mark Schiefelbein)
Pete Hegseth
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat eine Klage am Hals.Bild: keystone

In einem Chat auf der Messengerapp Signal sollen sich unter anderem Hegseth, Aussenminister Marco Rubio und Vizepräsident J. D. Vance über Angriffspläne gegen die Huthi-Miliz im Jemen ausgetauscht haben. Der Nationale Sicherheitsberater Mike Waltz hatte versehentlich den prominenten «The Atlantic»-Journalisten Jeffrey Goldberg in die Gruppe eingeladen, der den Vorfall später öffentlich machte. Der Fall sorgte für Empörung in Washington. Das Weisse Haus will den Vorfall überprüfen. Hier lesen Sie mehr zu den Hintergründen.

Waltz: «Ich übernehme volle Verantwortung»

Hegseth stritt die Vorwürfe sowie jegliches Fehlverhalten vor der Presse ab – obwohl er selbst detaillierte und klassifizierte Kriegspläne auf der App geteilt haben soll. Mike Waltz übernahm hingegen Verantwortung. «Ich übernehme die volle Verantwortung», sagte er am Dienstag im Sender Fox News. «Ich habe diese Gruppe gegründet.» Waltz räumte ein, dass sich möglicherweise die Nummer des Journalisten Jeffrey Goldberg in seinem Telefonbuch befand. Er habe ihn mit jemand anderem verwechselt. Persönlich kenne er den «Atlantic»-Chefredakteur nicht.

Präsident Donald Trump verteidigte sein Team am Dienstag in einem Interview mit NBC. Der Journalist sei nicht von Waltz selbst, sondern von einem Mitarbeiter zur Gruppe hinzugefügt worden. Trump sprach von einem «Ausrutscher», der «nicht schwerwiegend» gewesen sei.

Grundsätzlich dürfen Regierungsmitarbeiter Messenger-Apps wie Signal verwenden – allerdings nicht für vertrauliche Inhalte. Laut Klageschrift sind Behördenleiter verpflichtet, Aufzeichnungen über dienstliche Kommunikation zu erstellen und aufzubewahren. Das gelte unabhängig vom Vertraulichkeitsgrad. Die Daten müssen demnach bis zu zwei Jahre lang archiviert werden.

American Oversight: «Direkte Bedrohung unserer nationalen Sicherheit»

Waltz soll laut «Huffington Post» jedoch eine Funktion aktiviert haben, die Nachrichten nach einer Woche – in Einzelfällen nach vier Wochen – automatisch löscht. Wie die Klage weiter ausführt, ist Aussenminister Rubio zudem in seiner Funktion als amtierender Archivar der Vereinigten Staaten über solche mutmasslichen Verstösse informiert. Ihm obliege es, über den Generalstaatsanwalt eine Untersuchung einzuleiten.

«Was die Trump-Regierung getan hat, war schlichtweg gefährlich, rücksichtslos und unverantwortlich und, offen gesagt, eine direkte Bedrohung unserer nationalen Sicherheit», sagte die Juristin Chukwu von American Oversight. «Denn wie berichtet wurde, versuchen zunehmend staatlich unterstützte Hacker, in Signal-Chats einzudringen.» Die App biete demnach kein verlässliches Schutzniveau.

Erst vergangene Woche hatte das Pentagon eine Warnung ausgesprochen: In Signal sei eine «Sicherheitslücke» entdeckt worden.

Verwendete Quellen:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Chat-Veröffentlichung: Verteidigungsminister schiesst gegen Journalisten
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Mordfall Fabian: Verteidiger fordert Freispruch
Nach den Schlussplädoyers der Staatsanwaltschaft am Donnerstag haben die Anwälte von Gina H. das Wort. Sie bleiben bei ihrem Kurs.
Der Verteidiger von Gina H. hat im Prozess um den Mord an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow einen Freispruch gefordert. Es gebe weder Tatzeugen noch eine Tatwaffe, sagte Rechtsanwalt Thomas Löcker am Freitag vor dem Landgericht Rostock. Viele der von der Staatsanwaltschaft angeführten Indizien gegen seine Mandantin seien nicht stichhaltig.
Zur Story