Trump scheut dieses Traditions-Dinner nicht mehr – weil Komiker fehlt
Es wird eine gewisse Unruhe herrschen, wenn Donald Trump am Samstag zum ersten Mal am Ehrentisch des Korrespondenten-Dinners des Weissen Hauses Platz nimmt, bei dem der Präsident traditionsgemäss in einer Comedy-Einlage verspottet wird.
Die White House Correspondents' Association (WHCA), Organisatorin dieses bedeutenden politischen und medialen Ereignisses, hat diesmal nicht wie üblich einen Komiker, sondern den Mentalisten und Magier Oz Pearlman eingeladen.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Seit seiner Rückkehr an die Macht greift der amerikanische Präsident die Presse unerbittlich an, verbal und vor Gericht, während der Einfluss seiner Verbündeten auf die Medienlandschaft zunimmt, wie beispielsweise durch die Übernahme von Warner Bros. Discovery (WBD) durch den Konkurrenten Paramount Skydance, der von Donald Trumps engen Vertrauten, den Ellisons, kontrolliert wird.
Die Familie Ellison besitzt auch den Fernsehsender CBS, der laut Presseberichten am Samstag zwei der radikalsten Stimmen der Trump-Präsidentschaft, Pentagon-Chef Pete Hegseth und Berater Stephen Miller, an seinen Tisch eingeladen hat.
Das Weisse Haus und auch das Pentagon haben den Zugang für historische Medien eingeschränkt oder sogar ganz unterbunden und bevorzugen stattdessen Kommentatoren, die selber Maga-Unterstützer sind.
Die Einladung an den Milliardär, der Journalisten als «Feinde des Volkes» bezeichnet hat, sorgt daher für Aufsehen in den Redaktionen von Washington, wo ein offener Brief kursiert, der von Hunderten von Journalisten und mehreren Verbänden unterzeichnet wurde.
Haltung zeigen
Das Schreiben ruft die Mitglieder der WHCA – die bisher eine offene Konfrontation mit Donald Trump vermieden hat – dazu auf, sich «entschieden gegen jenen Mann» auszusprechen, «der versucht, die lange Tradition einer unabhängigen, starken und freien Presse in unserem Land zu untergraben».
Anders als all seine Vorgänger seit den 1920er-Jahren hat der Milliardär den Anlass während seiner Präsidentschaft stets gemieden.
Seine Sprecherin Karoline Leavitt hat für den formellen Anlass eine «sehr unterhaltsame» Rede des 79-jährigen Republikaners angekündigt.
Donald Trump werde Journalisten gegenüber «seine Beschwerden äussern wollen», prognostiziert Robert Rowland, Kommunikationsprofessor an der Universität von Kansas. Die Entscheidung des US-Präsidenten, teilzunehmen, zeige, dass er sich «unantastbar fühlt», so der Akademiker.
Dieses Dinner, an dem Hunderte Journalisten und Medienmanager sowie deren Gäste aus Politik und Wirtschaft teilnehmen, findet jährlich Ende April statt. Es dient als Spendenkampagne zur Finanzierung der Stipendien und Journalismus-Preise, die von der WHCA vergeben werden.
Elitäres Verhalten
Die Nerd Prom (übersetzt so viel wie Streber-Abschlussball), wie der Anlass umgangssprachlich auch genannt wird, wird von ihren Verteidigern als Feier der Pressefreiheit dargestellt.
Doch dieser Abend, dem Veranstaltungen in der ganzen Stadt vorausgehen und folgen, wird auch kritisch als Ausdruck einer Kultur der Exklusivität von und für Spiessgesellen verstanden.
Das Korrespondenten-Dinner sei «schon immer ein wenig beschämend» gewesen, aber dieses Jahr sei es «besonders peinlich», kommentiert das Magazin The Atlantic. Die «New York Times» hatte vor einigen Jahren beschlossen, über die Veranstaltung zu berichten, ohne selbst daran teilzunehmen.
In früheren Jahren hörte der jeweilige US-amerikanische Präsident höflich den bissigen Aussagen eines Komikers zu. Anschliessend hielt er seine eigene Rede, ebenfalls mit Witzen gespickt und voller Selbstironie.
Donald Trump, der seine Gegner bereitwillig demütigt, aber selber keinen Spott einzustecken vermag, bekam 2011 als Gast einige Sticheleien vom damaligen Präsidenten ab.
Barack Obama
Der demokratische Präsident Barack Obama also verspottete den ehemaligen Immobilienentwickler ausführlich.
Donald Trump hat wiederholt bestritten, in jener Nacht aus Rache beschlossen zu haben, sich der Eroberung des Weissen Hauses zu widmen, wie in Washington gemunkelt wird.
Der erste Schwarze Präsident der Vereinigten Staaten setzte sein gesamtes rhetorisches Talent ein, um Donald Trumps Neigung zur Verbreitung von Verschwörungstheorien – darunter auch jene, die Obamas Herkunft und Nationalität in Frage stellte – scharf zu kritisieren.
Der Demokrat nahm auch die Vorliebe des ehemaligen Fernsehmoderators für Selbstdarstellung und Prahlerei ins Visier.
«Man kann über Mr. Trump sagen, was man will, aber er würde zweifellos Veränderungen ins Weisse Haus bringen», verkündete Barack Obama, bevor er ein Bild zeigte, worauf das berühmte Gebäude in ein protziges Hotel-Casino der Marke Trump verwandelt worden war.
Während seiner zweiten Amtszeit hat der republikanische Präsident das Weisse Haus mit Gold und Marmor verzieren lassen, Porträts von sich selbst aufgehängt und den Bau eines monumentalen Ballsaals in Auftrag gegeben. (dal)
