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In this Nov. 16, 2017, photo, former Alabama Chief Justice and U.S. Senate candidate Roy Moore speaks at a news conference in Birmingham, Ala., with his wife Kayla Moore, right. A sex scandal has relegated Moore's hard-line positions on LGBT issues to the background in Alabama's turbulent Senate race even as religious activists blame the

Roy Moore soll Frauen sexuell belästigt haben. Bild: AP/AP

Fake News über Skandalpolitiker: Rechte Aktivisten wollten US-Zeitung in die Falle locken

Eine Frau erzählte der «Washington Post», der umstrittene US-Senatskandidat Roy Moore habe sie als Teenager geschwängert. Die angebliche Sensationsstory entpuppte sich als Versuch, die renommierte Zeitung hereinzulegen.



Von einem solchen Scoop träumen Journalisten: Eine Person bietet brisante Informationen an, die einen prominenten Politiker zu Fall bringen können. Im konkreten Fall geht es um Roy Moore. Der ultrakonservative Republikaner kandidiert im Bundesstaat Alabama für einen Sitz im US-Senat.

In den letzten Wochen jedoch geriet Moore unter Beschuss. Mehrere Frauen beschuldigen den Ex-Richter, sie sexuell belästigt zu haben. Sein jüngstes Opfer soll erst 14 Jahre alt gewesen sein. Die entsprechende Story hatte die Zeitung «Washington Post» am 9. November publik gemacht.

The One Franklin Square Building on K Street NW in Washington, Friday, Dec. 11, 2015, that will house the Washington Post newspaper. The Washington Post is relocating to K Street after decades of history in its building on 15th street. (AP Photo/Pablo Martinez Monsivais)

Die «Washington Post» ist ein Feindbild für rechte Amerikaner. Bild: AP/AP

Am folgenden Tag wurde eine der Autorinnen per Mail von einer weiteren Frau kontaktiert, die ihr noch brisantere Infos in Aussicht stellte. Bei einem Treffen in einem Shoppingcenter bei Washington erklärte die Frau, die sich Jaime Phillips nannte, Moore habe sie 1992 als 15-Jährige geschwängert und zu einer Abtreibung überredet.

Verräterischer Eintrag

Die Geschichte hätte die Kandidatur des evangelikalen Rechtsaussen-Politikers endgültig beerdigen können. Tatsächlich fragte Phillips die Reporterin Beth Reinhard, ob dies geschehen werde.

Nach dem Treffen wurde Reinhard misstrauisch. Das angebliche Moore-Opfer hatte ihr gesagt, damals nur einen Sommer in Alabama gelebt zu haben. Die Handynummer der Frau verfügte jedoch über eine Ortsvorwahl aus dem südlichen Bundesstaat.

Bei Recherchen im Internet stiess eine «Post»-Mitarbeiterin auf einen Eintrag auf einer Fundraising-Website. Eine Person namens Jaime Phillips erklärte darin, sie ziehe nach New York und habe einen Job bei einer konservativen Mediengruppe angenommen, die «Lügen und Täuschungen der linken MSM bekämpft». MSM steht für Mainstream-Medien.

Bei einem weiteren Treffen mit einer anderen Reporterin darauf angesprochen, verstrickte sich die Frau in Widersprüche. Die «Post» entschied sich, die vermeintliche Informantin zu beschatten. Und tatsächlich wurde sie am Montag beobachtet, wie sie das New Yorker Büro von Project Veritas betrat. Die rechtslastige Organisation nimmt Massenmedien und linke Gruppierungen ins Visier und schreckt dabei auch vor fragwürdigen Methoden nicht zurück.

Frühere Operationen von Project Veritas hatten sich unter anderem gegen den Fernsehsender CNN und die Organisation Planned Parenthood gerichtet, die sich für das Recht auf Abtreibung einsetzt. James O'Keefe, der Gründer von Project Veritas, war 2010 verurteilt worden, weil er sich mit einer falschen Identität Zugang zu einem Bundesgebäude verschaffen wollte.

Spende von Trump-Stiftung

Gegenüber der «Washington Post» weigerte sich O'Keefe, Fragen zur falschen Informantin zu beantworten. «Post»-Chefredaktor Martin Baron beschuldigte Project Veritas, seiner Zeitung eine Falle gestellt zu haben, um sie «zu täuschen und blosszustellen». «Wegen unserer üblichen journalistischen Sorgfalt haben wir uns nicht hereinlegen lassen», hielt Baron fest.

Verteidigt Trump einen Se­xu­al­straf­tä­ter?

Pikantes Detail: Kurz bevor Donald Trump 2015 seine Kandidatur für die US-Präsidentschaft erklärt hatte, erhielt Project Veritas gemäss «Newsweek» eine Spende von 10'000 Dollar von dessen wohltätiger Stiftung. Worauf die Organisation ein Video produzierte, in dem sie behauptete, Anhänger von Hillary Clinton hätten 1500 Dollar erhalten, um bei Auftritten von Trump gewalttätige Proteste zu provozieren.

Auf die peinlichen Enthüllungen der «Washington Post» reagierte Project Veritas mit einem vermeintlich brisanten, in Wirklichkeit aber ziemlich banalen Video, das die «verborgene Agenda» der Zeitung gegen Präsident Trump zu beweisen versucht. Die rechten Aktivisten sind unter Druck. Wegen der Verurteilung ihres Gründers droht ihnen in mehreren Bundesstaaten der Entzug des Status als gemeinnützige Organisation. (pbl)

100 Tage Trump in 90 Bildern

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quelle: ap/ap / andrew harnik
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