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Prozess gegen R. Kelly vor dem Abschluss – jetzt beraten die Geschworenen

24.09.2021, 07:3024.09.2021, 08:20

Im Missbrauchsprozess gegen R. Kelly (54) müssen nun die Geschworenen über Schuld oder Unschuld des früheren Pop-Superstars entscheiden. Nach Beendigung der Abschlussplädoyers könnten die sieben Männer und fünf Frauen der Jury möglicherweise schon am Freitag mit ihren Beratungen beginnen. Zuvor hatten Staatsanwaltschaft und Verteidigung in ihren jeweiligen Abschlussplädoyers US-Medienberichten zufolge komplett unterschiedliche Sichtweisen auf den Fall dargelegt.

R. Kelly vor Gericht.
R. Kelly vor Gericht.
Bild: keystone

«Über Jahrzehnte hat der Angeklagte Frauen, Mädchen und Jungen für seine eigene sexuelle Befriedigung rekrutiert und gepflegt. Mit der Hilfe seiner engsten Vertrauten hat er diese Opfer langsam isoliert, Regeln aufgestellt und ihnen Strafen auferlegt», sagte Anwältin Elizabeth Geddes, die das Abschlussplädoyer für die Staatsanwaltschaft hielt, am Donnerstag vor Gericht in New York. «Jetzt ist es an der Zeit, dass der Angeklagte für seine Verbrechen bezahlt. Verurteilt ihn.»

Der Musiker sei selbst Opfer – von ausgedachten Geschichten und ausgeschmückten Erzählungen über Misshandlungen, sagte im Anschluss Kellys Anwalt Deveraux Cannick im Abschlussplädoyer der Verteidigung. Ausserdem sei er schlicht ein erwachsener Superstar gewesen, der sein Sexleben genossen habe. «Er wurde zum Sexsymbol, er wurde zum Playboy. Wo ist daran das Verbrechen? Manche Menschen mögen verrückten Sex – das ist kein Verbrechen.»

Kelly, der unter anderem wegen sexueller Ausbeutung Minderjähriger, Kidnapping und Bestechung angeklagt ist, hatte zuvor angekündigt, nicht selbst aussagen zu wollen. Bei einer Verurteilung drohen dem Musiker, der seit seiner Festnahme im Sommer 2019 im Gefängnis sitzt, eine Haftstrafe von zehn Jahren bis lebenslang. Das Verfahren ist - nach Fällen wie denen von Filmproduzent Harvey Weinstein und Komiker Bill Cosby - die nächste in den USA und weltweit viel beachtete juristische Aufarbeitung der #MeToo-Ära.

Erste Anschuldigungen gegen den 1967 in Chicago als Robert Sylvester Kelly geborenen Musiker wurden bereits vor rund 25 Jahren bekannt. 2008 stand er wegen des Besitzes von Bildern schweren sexuellen Kindesmissbrauchs vor Gericht – und wurde freigesprochen. Unabhängig vom Ausgang des New Yorker Verfahrens wird es vor Gericht weitergehen: Der Sänger muss sich auch in weiteren Verfahren in Illinois und Minnesota zu ähnlichen Anklagepunkten verantworten. (sda/dpa)

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