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Die heutige Anhörung von Brett Kavanaugh könnte über seine Zukunft entscheiden.
Die heutige Anhörung von Brett Kavanaugh könnte über seine Zukunft entscheiden.Bild: AP/AP

Kavanaugh veröffentlicht seinen Kalender – das war (vermutlich) nicht so schlau

Brett Kavanaugh wird heute vor dem Justizausschuss des US-Senats zu den Anschuldigungen von Christine Blasey Ford aussagen. Dazu wurden vorgängig seine Notizen und Auszüge aus seinem Kalender von 1982 für die Anhörung veröffentlicht. 
27.09.2018, 03:1227.09.2018, 07:30

Donald Trumps Wunschkandidat für den Supreme Court, Brett Kavanaugh, muss sich heute den Missbrauchsvorwürfen von Christine Blasey Ford stellen. Anfang Woche hatte er bereits in einem TV-Interview bei Fox News dazu Stellung genommen – allerdings wenig überzeugend. Und erst gestern trat eine dritte Frau mit neuen Anschuldigungen gegen Kavanaugh an die Öffentlichkeit.

Die New York Times hat das Skript und Kalendereinträge, mit denen Kavanaugh seine Unschuld beweisen möchte, untersucht. 

Alkoholkonsum

Wie aus den Notizen des erzkonservativen Richterkandidaten hervorgeht, wird Kavanaugh seinen Alkoholkonsum in jungen Jahren thematisieren. Blasey Ford wirft ihm vor, sie in «sturzbetrunkenem» Zustand bedrängt zu haben. Auch beim Übergriff auf Deborah Ramirez soll angeblich reichlich Alkohol geflossen sein. Kavanaugh schreibt, dass «er manchmal zu viel trank und in der High School nicht perfekt war». Gemäss der New York Times weist er aber die Missbrauchsvorwürfe hartnäckig zurück.

«Ich trank mit meinen Freunden Bier, normalerweise am Wochenende. Manchmal hatte ich zu viele. Im Nachhinein sagte und tat ich Dinge in der High School, die mich jetzt erschaudern lassen. (...) Das ist aber nicht der Grund, warum wir heute hier sind. Was mir vorgeworfen wird, ist viel ernster als mein jugendliches Fehlverhalten.»
Brett Kavanaugh

Apropos Alkohol: Brisant sind auch die jüngsten Anschuldigungen von Julie Swetnick – zumindest scheinen Kavanaughs Aussagen weniger glaubhaft, wenn man ihre Story hört. Der Richterkandidat soll zusammen mit seinem Freund Mark Judge versucht haben, junge Mädchen auf Parties «betrunken und orientierungslos» gemacht zu haben, um sie anschliessend im Nebenzimmer zu vergewaltigen. 

Sie selbst sei damals bei einer solchen Party Opfer einer Vergewaltigung geworden, so Swetnick. Bei jener Party sei auch Kavanaugh anwesend gewesen. Welche Rolle Kavanaugh bei diesen Vorgängen genau gespielt haben soll, blieb in der Erklärung aber unklar.

Julie Swetnick.
Julie Swetnick.Bild: AP/Michael Avenatti

Zudem soll Kavanaugh in betrunkenem Zustand Frauen sexuell belästigt und begrapscht haben. Auch soll er immer wieder anzügliche Kommentare gemacht haben.  

Verfälschte Selbstinszenierung

Der Justizausschuss hat zusammen mit seinen Notizen auch Auszüge eines handgeschriebenen Wandkalenders aus Kavanaughs High-School-Zeit veröffentlicht – die Einträge zeugen wahrlich von einem verwöhnten Party-Studenten.

Im Juni 1982 schien das Highlight die «Beach Week» gewesen zu sein.
Im Juni 1982 schien das Highlight die «Beach Week» gewesen zu sein.screenshot Senate Judiciary Committee

Damit könnte er ein Eigentor geschossen haben. Kavanaugh hatte unter anderem im Interview mit Fox News angegeben, dass er während jener Zeit ein fleissiger Student war und zu den Klassenbesten gehören wollte. Zudem sei er versessen auf Sport gewesen. 

Den Kalender kannst du hier anschauen.

Kalendereinträge stützen Blasey Fords Aussagen

Kavanaugh beabsichtigt, den Kalender als Beweis dafür vorzubringen, dass die von Blasey Ford genannte Party – bei der es angeblich zum Übergriff gekommen sein soll – nicht darauf vermerkt ist. Allerdings könnte dieser Schuss nach hinten losgehen.

Denn auf den Kalenderseiten Mai, Juni, Juli und August 1982 finden sich durchaus Anhaltspunkte, die Blasey Fords Anschuldigungen stützen. Der Eintrag «go to Judge's» (dt.: «geh zu Judge») ist ein eindeutiger Hinweis auf Mark Judge, der Zeuge der versuchten Vergewaltigung gewesen sein soll.

screenshot senate judiciary committee
«Go to Jimmy's for skis with Judge, Tom, PJ, Bernie, Squi.»
«Geh zu Jimmy (nach Hause) für Bierchen mit Judge, Tom, PJ, Bernie, Squi»Kalendereintrag vom 1. Juli 1982, brett kavanaugh
Trump hält sich Abkehr von Kavanaugh offen
US-Präsident Donald Trump schliesst nicht mehr kategorisch aus, die Nominierung von Brett Kavanaugh als Supreme-Court-Richter zurückzuziehen. Falls Kavanaugh schuldig sei, einen sexuellen Übergriff begangen zu haben, könne er seine Meinung zu der Nominierung ändern, sagte Trump am Rande der Uno-Vollversammlung in New York.

«Ich könnte überzeugt werden», betonte er. «Ich werde sehen, was morgen passiert.» Er werde sich die Anhörung von Kavanaugh und Christine Blasey Ford zu Gemüte führen. Er wolle hören, was die Frau zu sagen habe.  (sda)

Besonders brisant ist der Eintrag vom 1. Juli 1982. Gemäss der New York Times könnte die Abkürzung «skis» für das englische Wort «brewskis» stehen (zu Deutsch: «Bierchen»). Zudem soll neben Judge auch ein gewisser «PJ» zu den angekündigten Gästen gehört haben. Damit könnte Patrick J. Smyth gemeint sein, von dem Blasey Ford behauptet, er sei an jenem Abend auch im Haus gewesen.

Neben unzähligen Parties und Sportevents hat Kavanaugh die Besuche bei seinen Grosseltern und Eltern oder sogar Hausarreste im Kalender aufgeführt. Es findet sich zudem ein weiterer Hinweis, der Blasey Ford in die Hände spielt. Kavanaugh soll angeblich viel Zeit in Vereinen verbracht haben. Im Kalender ist auch jener aufgeführt, in dem sich der Beschuldigte am Tag des angeblichen Übergriffs mit Freunden getroffen haben soll. 

Es ist davon auszugehen, dass die demokratischen Senatoren versuchen, Kavanaughs Aussagen mit den Kalendereinträgen zu widerlegen und seine Glaubhaftigkeit in Frage stellen werden.

Und Blasey Ford?

Die Anwälte von Blasey Ford werden vier eidesstattliche Erklärungen als Beweis gegen Kavanaugh vorbringen. Eine davon stammt von ihrem Ehemann, drei von Freunden, denen sie das traumatische Erlebnis anvertraut hat. «Sie sagt, sie sei in einem Raum eingesperrt gewesen und von einem Jungen, der sie belästigte, mit physischer Gewalt festgehalten worden, während ein anderer zuschaute», zitiert die New York Times Russell Ford. 

In einer anderen eidesstattlichen Erklärung gibt Keith Koegler bekannt, dass Blasey Ford ihm im Sommer 2016 vom Übergriff erzählt haben soll – zu jener Zeit, als die Geschichte des Stanford-Studenten Brock Turner publik wurde. Dieser soll eine bewusstlose Frau vergewaltigt haben. Blasey Ford soll Koegler erzählt haben, dass der angeblicher Täter zu jenem Zeitpunkt Bundesrichter gewesen sei. 

Blasey Ford wird dem Justizausschuss ebenfalls den Lügendetektortest vorlegen, auch wenn dieser nicht als offizielles Beweismittel gilt. Die öffentliche Anhörung ist heute um 10.00 Uhr (Ortszeit; 16.00 Uhr MESZ) vorgesehen. Wie und ob mit Kavanaughs Kalender dessen Unschuld bewiesen werden kann, wird sich zeigen. Jedenfalls sieht es eher danach aus, dass Blasey Ford davon profitieren könnte. Der Justizausschuss des Senats will bereits am Freitag über Kavanaughs Ernennung zum Richter abstimmen. (vom)

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