DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Schwere Vorwürfe gegen Brett Kavanaugh: Er soll in jungen Jahren eine Frau massiv bedrängt haben.
Schwere Vorwürfe gegen Brett Kavanaugh: Er soll in jungen Jahren eine Frau massiv bedrängt haben.Bild: AP/AP

Anklägerin will gegen Trumps Richter aussagen – die Vorwürfe gegen Kavanaugh im Überblick

Der erzkonservative Kandidat für das Oberste Gericht der USA, Brett Kavanaugh, steht wegen des Vorwurfs der sexuellen Gewalt unter massivem Druck. Christine Ford hat sich bereit erklärt, vor dem Justizausschuss auszusagen. 
18.09.2018, 03:1318.09.2018, 07:04

Chronologie der Ereignisse

  • Anfang 1980: Die 51-jährige Christine Ford hatte am Sonntag in der «Washington Post» geschildert, wie sie Anfang der Achtzigerjahre von Kavanaugh und seinem Freund Mark Judge – beide in «sturzbetrunkenem» Zustand – während einer Party bedrängt worden sei. Kavanaugh habe sie dann auf ein Bett gedrückt, begrapscht und versucht, sie auszuziehen.

    Als sie um Hilfe habe rufen wollen, habe er ihr den Mund zugedrückt, sagte Ford: «Ich habe gedacht, dass er mich versehentlich umbringt.» Erst als der Freund dann auf sie beide draufgesprungen sei und alle drei dadurch aus dem Gleichgewicht geraten seien, habe sie flüchten können.
  • 2012: Ford hat nach eigenen Angaben lange geschwiegen und versuchte, den Vorfall zu verdrängen. Erst nach ihrer Hochzeit im Jahr 2002 vertraute sie sich ihrem Ehemann an und sprach mit ihrem Therapeuten über das einschneidende Erlebnis.
  • Juli 2018: Kavanaugh erscheint auf einer Liste als möglicher Nachfolger für den zurückgetretenen Richter Anthony M. Kennedy. Ford entschliesst sich, Anna Eshoo – Vertreterin von Kalifornien im Repräsentantenhaus – zu kontaktieren. 
  • 9. Juli 2018: Präsident Trump nominiert Kavanaugh für den Obersten Gerichtshof
  • Ende Juli: Ford lässt der demokratischen Senatorin Dianne Feinstein über Eshoos Büro einen Brief mit ihrer Geschichte zukommen. Sie bittet, die Angelegenheit vertraulich zu behandeln.
  • Anfang August: Auf Anraten ihrer Anwältin Debra Katz machte Ford einen Lügendetektortest. Das Resultat hat sie der «Washington Post» vorgelegt: Fords Behauptungen sollen wahr sein.
  • Ende August: Kavanaughs Nominierung nimmt seinen Lauf und er tritt vermehrt in den Medien auf. Ford geht davon aus, dass seine Wahl sicher ist – und entscheidet sich, nicht selber an die Öffentlichkeit zu treten.
  • 4. - 7. September: Die umstrittene Senatsanhörung von Kavanaugh findet unter Protesten statt. Noch werden keine Vorwürfe gegen den Nominierten erhoben.
  • 12. September: Medien berichten, dass Senatorin Feinstein im Besitz eines Briefes ist, der Kavanaugh schwer belastet. 
  • 13. September: Senatorin Feinstein leitet den Brief an das FBI weiter. 
  • 14. September: Brett Kavanaugh und Mark Judge weisen die Vorwürfe zurück.
  • 16. September: Ford tritt durch den Artikel in der «Washington Post» namentlich in Erscheinung. Sie hat Notizen ihres Psychiaters aus dem Jahr 2012 der Zeitung zur Verfügung gestellt, welche die versuchte Vergewaltigung beschreiben. Kavanaugh wird darin nicht namentlich erwähnt.
  • 17. September: Katz sagte, Ford sei bereit, vor dem Justizausschuss auszusagen.

Die Chronologie basiert auf einem CNN-Artikel.

Was bedeuten die Anschuldigungen für Kavanaugh?

Kavanaugh muss noch vom Senat bestätigt werden. Allerdings bringen die Vorwürfe der versuchten Vergewaltigung das Nominierungsverfahren in Turbulenzen. So ist unklar, ob der Justizausschuss des Senats wie bisher geplant am kommenden Donnerstag über Kavanaugh abstimmen wird. In dem Votum geht es darum, ob das Gremium die Personalie für die endgültige Abstimmung an das Plenum weiterreicht.

Trump hatte Kavanaugh im Juli für das Oberste Gericht nominiert – dazumal waren beide noch besser gelaunt als nach den jüngsten Vorwürfen gegen Kavanaugh. 
Trump hatte Kavanaugh im Juli für das Oberste Gericht nominiert – dazumal waren beide noch besser gelaunt als nach den jüngsten Vorwürfen gegen Kavanaugh. Bild: EPA/EPA

Trumps Republikanische Partei hat im Justizausschuss des Senats nur eine hauchdünne Mehrheit von 51 der 100 Sitze. Kavanaugh kann sie also nur durchbringen, wenn sie die Reihen geschlossen hält.

Wie soll es weitergehen?

Die moderate republikanische Senatorin Susan Collins, deren Votum als entscheidend gilt, forderte nun, dass sowohl die Forscherin Ford als auch der Richter unter Eid zu der Anschuldigung befragt werden: «Offenkundig wäre es ein Ausschlussgrund, sollte Richter Kavanaugh über die Vorgänge gelogen haben», sagte sie.

Bereits zuvor hatten die trumpkritischen republikanischen Senatoren Jeff Flake und Bob Corker verlangt, die Ausschussabstimmung zu verschieben.

Senator Jeff Flake.
Senator Jeff Flake.Bild: AP/AP

Der Ausschussvorsitzende Chuck Grassley – ebenfalls ein Republikaner – äusserte sich zunächst nicht öffentlich zu dieser Forderung. Er sagte, Ford verdiene es, «angehört zu werden». Allerdings schlug er vor, ihre Befragung sowie die von Kavanaugh telefonisch abzuhalten.

Wie steht Trump zu Kavanaugh?

Präsident Donald Trump hält an dem von ihm nominierten Richter fest. Das Nominierungsverfahren befinde sich weiterhin «voll in der Spur», befand Trump am Montag in Washington.

Trump räumte ein, dass es zu einer «kleinen Verzögerung» im Nominierungsprozess kommen werde. Er äusserte den Wunsch, dass in dem Verfahren alles «richtig» gemacht und «jeder zu Ende gehört» werde. Zugleich rühmte er erneut seinen Kandidaten. Dieser habe «nie auch nur einen kleinen Makel in seiner Bilanz» gehabt.

Bereits zuvor hatte Präsidentenberaterin Kellyanne Conway deutlich gemacht, dass Trump mit einer Befragung Fords durch den Justizausschuss einverstanden sei. Diese ist zu einer Aussage vor dem Gremium bereit, wie ihre Anwältin Debra Katz dem Fernsehsender CNN sagte.

Trump hatte Kavanaugh im Juli für das Oberste Gericht nominiert. Er will damit sein Wahlkampfversprechen erfüllen, dem mächtigen Supreme Court eine dezidiert konservative Ausrichtung zu geben. Da die obersten Richter auf Lebenszeit ernannt werden, könnte Kavanaugh den Kurs des Gerichts jahrzehntelang prägen.

Obama teilt gegen Trump und die Republikaner aus:

Video: srf

Was sagt der Beschuldigte?

Brett Kavanaugh hat die Schilderungen mehrmals vehement bestritten. «Ich weise diesen Vorwurf kategorisch und unmissverständlich zurück. Ich habe dies weder damals in der Schule noch sonst irgendwann getan», erklärte der 53-Jährige. Mark Judge bezeichnete die Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Schulkameraden als «absurd». 

Das Weisse Haus veröffentlichte am Montag nochmals eine Mitteilung, in der es heisst: «Richter Kavanaugh freut sich auf eine Anhörung, in der er seinen Ruf vor diesen falschen Anschuldigungen verteidigen kann.»

Und wer ist die Frau, die die Vorwürfe erhebt?

Die 51-jährige Christine Ford arbeitet als Professorin für Klinische Psychologie an der Palo-Alto-Universität. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht.

Christine Ford hatte sich entschieden, ihre Geschichte zu veröffentlichen, nachdem klar geworden war, dass Kavanaugh als möglicher Nachfolger für den zurückgetretenen Richter Anthony M. Kennedy nominiert worden war. Sie selber unterstützt die Demokraten.

Unterstützung für Ford

Unterstützung erhält Ford von Alumnae ihrer High School. Damit wollen die Schulabgängerinnen Fords Glaubwürdigkeit – welche momentan stark angezweifelt wird – wieder herstellen. «Wir glauben Dr. Blasey Ford und sind dankbar, dass sie ihre Geschichte veröffentlicht hat. Es bedarf einer gründlichen und unabhängigen Untersuchung, bevor der Senat angemessen über die Ernennung von Brett Kavanaugh für einen lebenslänglichen Sitz im höchsten Gericht des Landes abstimmen kann», heisst es in einem Brief. 

Fords Aussagen seien glaubwürdig und nachvollziehbar. Zudem können sich die Frauen mit ihren Aussagen identifizieren: «Viele von uns sind selber Überlebende.» Mehr als 200 Frauen haben den Brief bis am späten Montagmorgen unterzeichnet. Eine davon ist die Schauspielerin und Sängerin Julia Louis-Dreyfus, wie Huffpost berichtet. (sda/afp/dpa/reu/vom)

Trump auf dem Titel:

1 / 81
Trump auf dem Titel
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Historiker kritisieren Untersuchung zum Verrat an Anne Frank

Historiker haben deutliche Kritik an der Untersuchung über den Verrat des Verstecks von Anne Frank vor den Nationalsozialisten geübt.

Zur Story