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Bild: screenshot twitter/fox news

«Ich geh' gar nirgends hin»: Alles zu Kavanaughs emotionalem TV-Interview

Der Wunschkandidat von US-Präsident Donald Trump für den Supreme Court hat erstmals öffentlich zu den Anschuldigungen Stellung genommen. Zusammen mit seiner Ehefrau gab Brett Kavanaugh auf dem US-Sender Fox News ein Interview.



Wieso gibt Kavanaugh gerade jetzt ein Interview?

Es ist eher ungewöhnlich, dass ein Richterkandidat für den Obersten Gerichtshof der USA ein exklusives TV-Interview gibt. Allerdings kann Kavanaughs Auftritt als Teil der Gegenoffensive der Republikaner und des Weissen Hauses gegen die Demokraten gesehen werden. Die Republikaner sind bestrebt, ihren Kandidaten so schnell wie möglich zu bestätigen, wie The Hill schreibt. Die Demokraten möchten dies verhindern. 

Kavanaugh wird sich Christine Blasey Ford und dem Senat stellen. Nach tagelangem Gezerre wurde schliesslich für Donnerstag eine Anhörung von Kavanaugh und Ford vor dem Justizausschuss angesetzt. Die beiden sollen dort zu Fords Anschuldigungen Stellung nehmen.

Erst gestern wurde bekannt, dass neben Blasey Ford eine weitere Frau Missbrauchsvorwürfe gegen den erzkonservativen Richterkandidaten erhebt. Er soll Deborah Ramirez während des Studiums an der Yale University sexuell belästigt haben.

Was fordert Kavanaugh?

Einen «fairen Prozess». Kavanaugh hat dies während des Interviews x-mal zum Ausdruck gebracht: «Ich suche einen fairen Prozess. Einen Prozess, bei dem ich meine Integrität verteidigen und meinen Namen reinwaschen kann. Ich bitte um Fairness und darum, angehört zu werden.»

Beide Seiten, also auch Blasey Ford, sollen vor dem Justizausschuss des Senats aussagen und ihre jeweiligen Ansichten darlegen können. Allerdings wich er der Frage von Moderatorin Martha MacCallum aus, warum er keine Untersuchung der Vorwürfe durch das FBI wünsche – schliesslich habe er nichts zu verbergen.

Was sagt Kavanaugh zu den Anschuldigungen von Blasey Ford?

Christine Blasey Ford behauptet, Kavanaugh habe sie an einer Party versucht zu vergewaltigen. Dieser weist im Interview – wie auch in seinen schriftlichen Statements – jegliche Vorwürfe zurück. Er bestreitet, an jener Veranstaltung teilgenommen zu haben. Und weiter: «Die anderen Personen, die angeblich anwesend waren, sagten, dass sie sich nicht an eine solche Party erinnern können.» Kavanaugh versicherte zudem, er habe «noch nie jemanden sexuell belästigt» und Frauen immer mit Würde und Respekt behandelt. 

Allerdings konnte Kavanaugh die Frage, ob er Blasey Ford kenne, nicht verneinen, wie The Hill schreibt. «Vielleicht haben wir uns mal getroffen», fuhr er fort. Aber sie sollen nicht in den gleichen Kreisen verkehrt haben.

In Bedrängnis kam der Republikaner auch, als er nach den Beweggründen für Blasey Fords Anschuldigungen gefragt wurde, oder wieso diese eine Geschichte erfinden würde. Ohne darauf einzugehen, formulierte der Interviewte ein allgemeines Statement: «Ich stelle nicht und habe nie in Frage gestellt, dass Dr. Ford vielleicht irgendwann in ihrem Leben von irgendjemandem an irgendeinem Ort sexuell belästigt wurde. Aber was ich weiss, ist, dass ich nie jemanden belästigt habe.»

Weiter sagte der Beschuldigte gegenüber MacCallum, dass er während jener Zeit Jungfrau gewesen sei. Erst viele Jahre später hätte er erste sexuelle Erfahrungen gemacht.

Und die neusten Vorwürfe?

Auch die neusten Vorwürfe von Deborah Ramirez wies Kavanaugh zurück. Wäre das wirklich passiert, wäre das wohl das Thema auf dem Universitätscampus gewesen.

Ramirez hatte im Magazin The New Yorker publik gemacht, dass Kavanaugh ihr seinen Penis ins Gesicht gestreckt haben soll, als sie betrunken am Boden lag. Der Vorfall soll sich im Schuljahr 1983/84 in einem Studentenheim ereignet haben. Mindestens zwei Büros von demokratischen Senatoren untersuchen zur Zeit diese Vorwürfe.

Kommen noch weitere Anschuldigungen?

Danach sieht es momentan aus. Der Anwalt der Porno-Darstellerin Stormy Daniels, Michael Avenatti, twitterte in der Nacht zu Montag, er vertrete eine weitere Frau, die «glaubwürdige Informationen» gegen Kavanaugh und dessen Schulfreund Mark Judge habe. Seine Mandantin wolle in Kürze an die Öffentlichkeit treten. 

Kavanaugh sagte im Interview dazu, dass Avenattis Anschuldigungen «total falsch und skandalös» seien. Er habe nichts getan und wisse auch von nichts. 

Rücktritt ausgeschlossen

Und wie soll es weiter gehen? Kavanaugh versicherte, er werde nicht aus dem Nominierungsprozess «hinausgejagt werden». Und weiter: «Ich werde nicht zulassen, dass uns falsche Anschuldigungen aus diesem Prozess vertreiben.»

Er wolle einen fairen Prozess, um seine «Integrität und seinen lebenslangen Leumund zu verteidigen (...) und um die Würde und Gleichstellung von Frauen zu fördern.» Und dann fügte der emotional aufgewühlte Kavanaugh an: «Ich gehe gar nirgends hin!»

Was empfindet Kavanaughs Ehefrau?

Ashley Estes Kavanaugh sagte gegenüber MacCallum, dass es sehr schwierig sei, mit den Kindern über die Anschuldigungen zu sprechen. Aber diese würden ihren Vater und die Wahrheit kennen.

Für sie ist klar, dass die Vorwürfe gegen ihren Mann falsch sind. «Ich kenne Brett. Ich kenne ihn seit 17 Jahren. Und das ist nicht sein Charakter; es ist sehr schwierig, dies zu glauben», sagte sie vor laufender Kamera und fuhr fort: «Er ist anständig, er ist nett, er ist gut. Ich kenne sein Herz. Dies steht nicht im Einklang mit Brett.»

Stormy Daniels packt über ihre Affäre mit Trump aus:

Video: srf

Und Trump?

US-Präsident Donald Trump kündigte das Interview auf Twitter an – gut möglich, dass er es live im TV sah. Für Trump ist Kavanaughs Berufung enorm wichtig. Er hat die Supreme-Court-Besetzung bei seinen Anhängern als grossen Erfolg verkauft und muss nun liefern – mit Blick auf die anstehende Zwischenwahl zum US-Kongress Anfang November.

Kavanaugh sagte, er sei sich sicher, dass Donald Trump hinter ihm stehen werde. Ganz so überzeugt klang das aber nicht. 

Und was sagt Trump über seinen Kandidaten? Natürlich nur Positives! 

(vom) mit Ergänzungen von (sda/dpa)

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