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In this Sept. 6, 2018 photo, Supreme Court nominee Brett Kavanaugh reacts as he testifies after questioning before the Senate Judiciary Committee on Capitol Hill in Washington. Official Washington is scrambling Monday to assess and manage Kavanaugh’s prospects after his accuser, Christine Blasey Ford, revealed her identity to The Washington Post and described an encounter she believes was attempted rape. Kavanaugh reported to the White House amid the upheaval, but there was no immediate word on why or whether he had been summoned.  (AP Photo/Alex Brandon)

Brett Kavanaugh muss um seine Nomination für das Oberste Gericht fürchten.  Bild: AP/AP

Es soll (mindestens) ein weiteres Opfer geben – die Causa Kavanaugh im Überblick

Der Wunschkandidat von US-Präsident Donald Trump für den Supreme Court, Brett Kavanaugh, gerät durch weitere Missbrauchsvorwürfe schwer unter Druck. Eine zweite Frau beschuldigt Kavanaugh, dass er sie vor vielen Jahren sexuell belästigt haben soll.



Wie lauten die neuen Vorwürfe?

Nach Christine Blasey Ford hat sich eine zweite Frau mit schwerwiegenden Vorwürfen gegen Brett Kavanaugh an die Öffentlichkeit gewandt. Der erzkonservative Kandidat für das Oberste Gericht der USA soll seine ehemalige Mitstudentin, Deborah Ramirez, an der Universität Yale bedrängt haben. 

Der Vorfall soll sich im Schuljahr 1983/84 in einem Studentenheim ereignet haben. Ramirez, die Soziologie und Psychologie studierte, soll mit einer kleinen Gruppe von Studenten ein Trinkspiel gespielt haben und dabei reichlich Alkohol konsumiert haben. Gegenüber The New Yorker sagte sie, dass irgendwann jemand mit einem Plastikpenis auf sie gezeigt haben soll. Ramirez erinnert sich, dass sie betrunken auf dem Boden lag und zwei Männer neben ihr standen. Sie identifizierte die zwei Zuschauer, bat das Magazin aber, deren Namen nicht zu veröffentlichen.

Während sie immer noch auf dem Boden lag, entblösste sich die dritte Person vor ihr. «Ich erinnere mich, dass ein Penis vor meinem Gesicht war. Ich wusste, dass ich das nicht wollte – selbst in diesem Zustand», wird Ramirez zitiert. Sie soll aufgefordert worden sein, das Genital zu küssen. Gemäss eigenen Angaben stiess sie die Person jedoch von sich weg. 

Ramirez erinnert sich weiter, dass Kavanaugh zu ihrer Rechten stand und lachend seine Hose hochzog: «Brett hat gelacht. Ich sehe immer noch sein Gesicht und seine Hüften nach vorne kommend, so wie wenn du deine Hose hochziehst.» Zudem soll ein anderer Student geschrien haben: «Brett Kavanaugh hat gerade seinen Penis in Debbies Gesicht gedrückt».

Warum äussert sich Ramirez gerade jetzt?

Der Vorfall von damals habe sie lange verstört, sagte Deborah Ramirez dem «New Yorker» und betonte: «Es war mir peinlich, ich habe mich geschämt und gedemütigt gefühlt.» Damit heute an die Öffentlichkeit zu gehen, falle ihr schwer. Sie hoffe aber, dass ihre Geschichte auch jene von Ford stütze.

Was sagt der Beschuldigte dazu?

Kavanaugh selber leugnet die Anschuldigungen und hat dazu ein Statement veröffentlicht. «Dieser angebliche Vorfall vor 35 Jahren hat nicht stattgefunden. Die Leute, die mich kannten, wissen, dass dies nicht geschehen ist und sagten dies auch. Das ist eine Verleumdungskampagne!» Das Weisse Haus steht ebenfalls zum Republikaner. Es handle sich hierbei um unbestätigte Vorwürfe und einen weiteren Versuch der Demokraten, «einen guten Mann zu zerstören».

Was bewirken die neuen Vorwürfe?

Die Vorwürfe gegen den Richterkandidaten sind Gegenstand einer heftigen parteipolitischen Auseinandersetzung. Die Demokraten haben grosse Vorbehalte gegen den erzkonservativen Richter und sehen eine Chance, Kavanaughs Bestätigung hinauszuzögern, bis sich nach der Zwischenwahl am 6. November möglicherweise die Mehrheitsverhältnisse im Senat ändern und Kavanaugh verhindert werden könnte. Die Besetzung des Richterpostens ist in den USA ein grosses Politikum. Die Nachbesetzung mit Kavanaugh könnte dem obersten Gericht der USA auf viele Jahre ein konservatives Übergewicht geben.

Als Reaktion auf Ramirez' Vorwürfe forderten die Demokraten, den weiteren Prozess zur Berufung Kavanaughs zu unterbrechen und die Angaben der Frau von der Bundespolizei FBI untersuchen zu lassen.

Wie geht es weiter?

Kavanaugh wird sich Blasey Ford und dem Senat stellen. Nach tagelangem Gezerre wurde schliesslich für Donnerstag eine Anhörung von Kavanaugh und Ford vor dem Justizausschuss angesetzt. Die beiden sollen dort zu Fords Anschuldigungen Stellung nehmen.

FILE - In this March 18, 2013 file photo, Sen. Mazie Hirono, D-Hawaii speaks on Capitol Hill in Washington. A congressional stalemate over funding for the Homeland Security Department deepened Thursday as Senate Democrats blocked action on the bill for a third straight day to protest Republican language on immigration. “This is like Groundhog Day,” Hirono complained on the Senate floor after the measure failed to advance. The vote was 52 to 47, eight short of the 60 needed to move ahead. Two procedural votes earlier in the week yielded similar outcomes. (AP Photo/Jacquelyn Martin, File)

Senatorin Mazie Hirono. Bild: AP/AP

Mindestens zwei Büros von demokratischen Senatoren untersuchen momentan die jüngsten Vorwürfe von Ramirez gegen Kavanaugh. «Das ist eine weitere schwerwiegende, glaubwürdige und beunruhigende Anschuldigung gegen Brett Kavanaugh. Dies sollte vollständig untersucht werden», zitiert «The New Yorker» die demokratische Senatorin Mazie Hirono.

Gibt es noch weitere Anschuldigungen?

Tatsächlich. Der Anwalt der Porno-Darstellerin Stormy Daniels, Michael Avenatti, twitterte in der Nacht zu Montag, er vertrete eine weitere Frau, die «glaubwürdige Informationen» gegen Kavanaugh und dessen Schulfreund Mark Judge habe. Es gehe dabei um Hauspartys Anfang der 80er Jahre, bei denen Kavanaugh, Judge und andere daran beteiligt gewesen seien, Frauen mit Alkohol abzufüllen oder unter Drogen zu setzen, damit diese Frauen dann von mehreren Männern hintereinander missbraucht werden konnten.

Der US-Senat müsse Kavanaugh dazu befragen, forderte Avenatti – ohne seine Anschuldigungen zu untermauern und ohne zu erklären, welche Rolle Kavanaugh bei alldem genau gespielt haben soll. Avenatti erklärte lediglich vage, in den kommenden Tagen werde er dem Senatsausschuss und der Öffentlichkeit Belege präsentieren.

Und Trump?

Avenatti vertritt die Porno-Darstellerin Daniels, die mit bürgerlichem Namen Stephanie Clifford heisst und die behauptet, 2006 mit Donald Trump Sex gehabt zu haben. Clifford liefert sich – vertreten durch Avenatti – heftige juristische Kämpfe mit dem Präsidenten in dieser Frage. Trump bestreitet die Affäre.

FILE - In this April 16, 2018 file photo, adult film actress Stormy Daniels, left, stands with her lawyer Michael Avenatti as she speaks outside federal court, in New York. The Justice Department says Avenatti, made

Stormy Daniels mit Anwalt Michael Avenatti.  Bild: AP/AP

Der US-Präsident war in der Vergangenheit selbst mit Vorwürfen konfrontiert, er habe mehrere Frauen sexuell belästigt. Trump wies das stets zurück. In der Debatte um Kavanaugh löste er zuletzt einen Proteststurm aus, weil er die Glaubwürdigkeit von Ford öffentlich in Frage gestellt hatte. Für Trump ist Kavanaughs Berufung enorm wichtig. Er hat die Supreme-Court-Besetzung bei seinen Anhängern als grossen Erfolg verkauft und muss nun liefern - mit Blick auf die anstehende Zwischenwahl zum US-Kongress Anfang November. (sda/dpa/vom)

Und was macht eigentlich Obama?

Video: srf

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