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Was brachte den 64-jährigen Stephen Paddock in der Nacht auf Montag dazu, zahlreiche Menschen zu töten?
Was brachte den 64-jährigen Stephen Paddock in der Nacht auf Montag dazu, zahlreiche Menschen zu töten?Bild: AP/Courtesy of Eric Paddock

Fake-Attentat oder geplatzter Waffendeal? 6 Theorien zum Las-Vegas-Attentat

Die Welt blickt nach Las Vegas und fragt sich: Was ist passiert, in jener Nacht im Luxushotel Mandalay Bay? Was hat den 64-jährigen Täter dazu gebracht, Schuss um Schuss auf unschuldige Menschen abzufeuern? Um seine Motive ranken sich die wildesten Theorien.
06.10.2017, 15:5207.10.2017, 10:40

Der Mann, der in Orlando 49 Personen in einem Nachtclub erschoss, gestand seine Allianz mit dem sogenannten «Islamischen Staat» über einen Telefonanruf bei der Polizei. Der Sniper, der fünf Polizisten in Dallas tötete, wollte weisse Menschen attackieren. Und der Mann, der in der Kirche von Charleston einen Schwarzen angriff, hatte im Voraus ein rassistisches Manifest online gepostet.

Nicht so Stephen Paddock, der Todesschütze von Las Vegas. Es gibt kein rassistisches Manifest, keine nachweisbaren Verbindungen zu radikalen Organisationen. Der 64-Jährige erschoss vor vier Tagen 58 Menschen und verletzte über 500 Besucher eines Country-Festivals. Seine Motive sind bislang unbekannt. Die Polizei tappt im Dunkeln. Im Netz kursieren die wildesten Theorien über die Tat und Stephen Paddocks Motive. Wir haben die sechs prominentesten Gerüchte unter die Lupe genommen. 

Die islamistische Radikalisierung

Kurz nach dem Attentat, in der Nacht auf Montag, reklamierte der sogenannte «Islamische Staat» die Tat für sich. «Amaq», die Nachrichtenagentur des «IS», teilte mit, einer von ihren Soldaten habe den Angriff verübt. Der Attentäter sei vor mehreren Monaten zum Islam übergetreten, hiess es weiter.

Das FBI sagte jedoch, es gebe keine Hinweise, dass der mutmassliche Täter Stephen Paddock Kontakte zu islamistischen Terroristen gehabt hatte. Die Todesschüsse stehen «nicht im Zusammenhang mit einer international agierenden Terrororganisation», so das FBI.

Die bisher bekannten Fakten deuten auch nicht auf eine politische Radikalisierung. Paddock war in mehreren Hinsichten ein untypischer Täter: ein wohlhabender Mann in den Siebzigern, älter und reicher als viele Massenmörder vor ihm. Laut Statistiken sind es vor allem junge und isolierte Männer, die in ihrer Jugend viel Gewalt erfuhren. Auch sein Bruder Eric sagte, dass Paddock kein politischer Mensch war und er sich eine politische Radikalisierung kaum als Tatmotiv vorstellen könne.

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Das Fake-Attentat

Auch Verschwörungstheoretiker lassen ihren Ideen über die Motive des Täters freien Lauf. Über Twitter wird häufig die Behauptung verbreitet, dass das Massaker inszeniert worden sei, mithilfe von Schauspielern.

Nach Meinung der Verschwörungstheoretiker werden solche Taten auf Bestreben von linken und liberalen Politikern gestellt, um eine politische Agenda zu verfolgen. Im Falle von Las Vegas sei es ein deutlich strengeres Waffengesetz gewesen.

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Marilou Danley war Stephen Paddocks Freundin. 
Marilou Danley war Stephen Paddocks Freundin. Bild: AP/Las Vegas Metropolitan Police Department

Psychische Probleme

Auf der Suche nach Paddocks Motiven spielt vor allem seine Freundin, Marilou Danley, eine wichtige Rolle. Die 62-Jährige konnte erst am Mittwoch befragt werden, da sie sich bis dann im Ausland aufgehalten hatte. Die Australierin philippinischer Herkunft gilt unter Ermittlern als «Person von Interesse», von der sie sich wichtige Informationen versprechen. So zum Beispiel die psychische Verfassung von Paddock.

Den Ermittlern gegenüber sprach Danley von «psychischen Problemen» ihres Partners. Wie der TV-Sender NBC berichtet, habe Stephen Paddock in der Nacht manchmal geschrien und gestöhnt und dabei laut «Oh my God» gesagt.

Gestern noch liess Danley verlauten, dass sie ob der Tat ihres Freundes total überrascht gewesen sei. Nie sei ihr in den Sinn gekommen, dass ihr Freund «eine Gewalttat gegen irgendjemanden plante».

Danach erklärte Danley über ihren Gefährten: «Er hat nie etwas zu mir gesagt oder etwas getan, das ich als Warnung hätte verstehen können, dass so etwas Schreckliches passieren würde». Sie habe Paddock als «freundlichen, liebevollen, stillen Mann» gekannt. Sie habe ihn geliebt und auf eine «ruhige gemeinsame Zukunft» mit ihm gehofft.

Zahlreiche Menschen trauern um die Opfer in Las Vegas. 
Zahlreiche Menschen trauern um die Opfer in Las Vegas. Bild: AP/AP

Auf mögliche psychische Probleme weisen zudem Recherchen des «Las Vegas Review-Journal» hin. Paddock wurde vor vier Monaten das Psychopharmakon Diazepam, ein Angstlöser, verschrieben. Diazepam kann bei Abhängigkeit zu einem Wandel der Persönlichkeit führen. Mel Pohl, ein Mediziner der Entzugsklinik Las Vegas Recovery Center, verglich die mögliche Wirkung von Diazepam mit Alkohol. «Wenn jemand tiefliegende Aggressionsprobleme hat und durch das Medikament beruhigt werden soll, kann er unter Umständen aggressiv reagieren», sagte Pohl.

Gerüchte ranken sich zudem um den Notizzettel, der im Hotelzimmer von Paddock gefunden wurde. Welche Botschaft er enthielt, ist bislang unklar. Laut dem Sheriff von Las Vegas, Joseph Lombardo, standen auf dem Zettel Nummern, die zur Zeit noch analysiert werden. Es waren folglich weder Zeilen eines Manifests noch ein Abschiedsbrief.

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Der gescheiterte Waffendeal

Eine der haarsträubendsten Theorien verbreitete sich über die englischsprachige Website 4chan, auf der Inhalte veröffentlicht und diskutiert werden können. Ein anonymer User sprach von einem gescheiterten Waffendeal im Stil der Operation «Fast and Furios» – eine 2009 verdeckt geführte Operation des Justizministeriums der Vereinigten Staaten. Grundlage der Ermittlungen damals war der Verdacht, dass mexikanische Drogenkartelle durch Strohmänner in den USA Waffen kaufen, um sie in dem in Mexiko herrschenden Drogenkrieg einzusetzen.

Paddock soll sich also, laut dem anonymen User, für einen solchen Waffendeal mit mehreren Personen getroffen haben. Der Deal ging schief und die feindliche Partei soll Paddock unter Folterandrohung gezwungen haben, aus dem Hotelfenster auf Unschuldige zu schiessen.

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Schiesserei in Las Vegas
quelle: epa/las vegas news bureau / bill hughes/las vegas news bureau/ handout
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Die unbekannten Komplizen

Paddock wurde möglicherweise unterstützt. Das erklärte der zuständige Sheriff Joe Lombardo. Im Fokus der Behörden steht die Frage, wie es dem Täter gelingen konnte, rund 50 schwere Waffen binnen eines Jahres zu kaufen. Und wie er 23 davon unbemerkt ins Hotel Mandalay Bay schaffen konnte. Komplizen hin oder her, die Motive werden auch mit einer Mittäterschaft noch nicht erklärt.

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Der Schütze im 4. Stock

Ein weiteres Gerücht wurde durch ein Video verbreitet. Die verschwommenen Aufnahmen sollen zeigen, dass es neben Paddock noch einen weiteren Schützen gegeben habe. In der kurzen Sequenz ist ein flackerndes Licht aus einem Fenster in den unteren Etagen des Hotels Mandalay Bay zu sehen.  

Im Internet wird spekuliert, dass es sich bei dem Licht um Mündungsfeuer aus der Waffe eines weiteren Schützen handeln könnte. Die Polizei Las Vegas hat diese Gerüchte jedoch bereits dementiert. «Ich möchte betonen, dass wir davon ausgehen, dass Paddock allein für diese abscheuliche Tat verantwortlich ist», erklärte Todd Fasulo von der Polizei Las Vegas während einer Pressekonferenz.

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Fazit

Bis das Tatmotiv offiziell bekannt ist, wird noch einige Zeit vergehen. Das vermuten zumindest Experten. Jene, die in den Fall involviert sind, sagen, es sei ein enormer zeitlicher Aufwand, das gesamte Leben von Stephen Paddock zu durchforsten, um nach Gründen zu suchen. Unabhängig davon, ob diese nun politischer, sozialer, ökonomischer oder religiöser Natur sind.

Mehr als 50 Tote bei Angriff in Las Vegas

Video: srf
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