DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Interview

Schlitzaugen-Horst, was sagen sich die Menschen zu wenig? «Ihr seid verdammte, haltungslose Pfeifen»

22.07.2016, 12:49
Mehr «Interview»

Freut euch, die Festival-Saison ist im vollen Gange – und eines der schönsten Open Airs der Schweiz startet in wenigen Tagen: Die Musikfestwochen in Winterthur. Eine der Bands, die dieses Jahr mitten in der Altstadt Krach machen wird, ist LYVTEN – zusammen mit Die Nerven (DE) und Agent Fresco (ISL) spielen sie gratis für euch in der Steinberggasse. Schreibt euch also den Donnerstag, 25. August, ab 18.30 Uhr in die Agenda.

Das sind LYVTEN – vor unserem Interview und nach unserem Interview

Sandro, Thorsten aka Horst, Tobias und Steff.
bilder: Iconographic

Wir haben mit LYVTEN ein sehr seriöses Interview geführt. Also um genau zu sein mit Thorsten und Steff. 

Zämä! Könntet ihr euch bitte kurz vorstellen: Wer ist LYVTEN? Was macht ihr? Und warum sollten wir euch kennen?
LYVTEN sind drei in die Jahre gekommene 40-Jährige – plus Bandküken Tobi, der unser Durchschnittsalter in etwa halbiert. Wir machen Aggro-Pop, Postpunk.

Symbolbild: Post-Punk

Eine Band wie unsere ist in der Schweiz eher selten. Thorsten nervt seine Texte auch in unverständlich genuscheltem Deutsch runter. 

Klingt dann so:

Und sieht so aus:

Ach ja, wichtig: Wir sind keine Schwiegermutterband und wollen unseren Eltern und deiner Mutter nicht gefallen.

Und wie kam dieser ausgesprochen lyrische Bandname zustande? Ich habe gehört, da gibt es eine inspirierende Geschichte dazu. Stimmt das?
Die Geschichte ist nicht inspirierend, sie ist nicht mal komisch, – ist eher faul und stinkt. 

Dann stimmt es also, dass Thorsten mal so grusig gefurzt hat, dass seine damalige Freundin laut «LÜFTEN, LÜFTEN!» gerufen hat, als sie in den Raum kam.
Wir sagen nur so viel: Unsere LYVTEN-Sticker könnte man durchaus sehr gut an Fenstern platzieren ... Zudem klingt LYVTEN ziemlich cool für ein paar Dorfdeppen, die mal Dampf ablassen müssen.

LYVTEN-Kleber. Schwarz-Weiss-Filter. Schön.<br data-editable="remove">
LYVTEN-Kleber. Schwarz-Weiss-Filter. Schön.
bild: lyvten

Dampf. Hehe. Was ist das schrägste Gerücht, das ihr über euch selbst gehört habt?
Thorsten: Dass ich keine Kinder machen kann. (Anm. d. Red. Thorsten hat Kinder. Sehr herzige noch dazu.)
Steff Kerkhof: Dass ich der Sohn des berühmten Fussballers Kerkhof bin. Mein Vater hiess auch René.

Berühmter Fussballer Kerkhof:

via wikipedia/René van de Kerkhof

Berühmter Musiker Kerkhof:

bild: iconographic

Was denkst du, sagen die anderen Bandmitglieder über dich, wenn du den Raum verlassen hast?
Thorsten: Sie sagen ziemlich sicher das: 

«Der Typ labert ohne Punkt und Komma, regt sich voll schnell auf, ist halt ein verdammter Gummihals. Und Hoffentlich stinkt er unseren Bus nicht wieder morgens mit gebratenem Reis voll, ekelhaft!»

Und jetzt etwas Nettes: Beschreibt euch doch mal mit drei Superlativen!

Thorsten über Steff:

«Du bist mein liebster, grossbärtigster, umweltrettendster Holländer auf der ganzen Welt!»
«Umweltrettendster» ...

Steff über Thorsten:

«Du bist der hübscheste, gutherzigste und intelligenteste Tätowierer, den ich kenne.» (Anm. v. Thorsten: Er kennt nur zwei.)

Stimmt, Thorsten ist ja hauptberuflich Tätowierer – und zeichnet so schön. Skizzierst du für uns schnellschnell wie Steff aussieht, wenn er betrunken ist?
Hier. Und nein, das ist kein WC-Papier. Das ist Küchenrollenpapier. Aber damit's cooler klingt, schreiben wir einfach, dass es WC-Papier ist.

WC-Papier:

bild: thorsten, schön.

Ihr habt doch bestimmt auch einen gemeinsamen WhatsApp-Gruppenchat mit herzigen Bildern?
Klaro. Die Bilder sind allerdings sterbenslangweilig. Oder hast du Interesse an Tobi im Urlaub auf Sardinien?

Das würde ich sehr gerne sehen, ja.
Also gut. Hier.​

bild: whatsapp-archiv lyvten

Mehr!
Wenn du unbedingt willst ...

Tobi von links und ...

bild: whatsapp-archiv lyvten

... Tobi von rechts:

bild: whatsapp-archiv lyvten

Danke. Nächste Frage: Es wird euch zu Ehren ein Denkmal errichtet. Warum werdet ihr es wohl erhalten haben und wo wird es stehen?
Wir bekommen unser Denkmal, weil wir die SVP zu Fall gebracht haben. Deswegen steht es auch auf dem Rütli.

Bleiben wir doch gleich beim Thema Schweiz: Welche einheimische Band ist eurer Meinung nach völlig überbewertet?
Wir haben nach langer Diskussion beschlossen, hier keine Band öffentlich mit Namen zu nennen – den Mut haben wir doch nicht, sind nicht so abgefuckt und können aus dem Ärmel dissen, was das Zeug hält. Aber es gibt in der Tat eine Schweizer Band, die wir nicht sooo toll, sondern eher schhh...ade finden.

Sagt schon.
Nur so viel: Die können nicht mal richtig grüssen und die Partymusik, die sie fabrizieren, ist so ultraplatt, das ist nicht zu überbieten – aber immerhin haben sie keinen SVP-Song geschrieben.

Sagt schooon.
Reden wir lieber über Bands, die man viel zu wenig hört.

Und welche sind das?
Stahlberger, Jack Stoiker und Crude Caress.

Um des Friedens willen: Stahlberger mit «Rägebogesiedlig»

Willst du dem noch etwas hinzufügen?

Wir mögen keine Chilbi, Sonne wird überbewertet und Spass ist doof.

Ein bekanntes Poster, das von LYVTEN stammen könnte:

«Bands, die nicht grüssen können = doof».<br data-editable="remove">
«Bands, die nicht grüssen können = doof».

Mal sehen, wen ihr sonst noch doof findet: Wer darf ganz sicher nie auf eure Gästeliste? Und warum?
Der Monte von Vale Tudo. Und das «Warum» geht euch mal überhaupt nix an! Frechheit!

Jaja, ist ja gut. Jetzt mal ein bisschen positive Vibes hier: Gibt es einen Song, den du dir wünschst, selbst geschrieben zu haben?
Thorsten:
Jackson Five – «I want you back»

Nach wie vor ein mega Knaller-Song, den ich schon in meiner Kindheit geliebt und getanzt hab – und der mich bis ins Jetzt begleitet. Schwarze Musik hat mir als Kid mit philippinischen Wurzeln ein sehr gutes Gefühl gegeben. So mitten im White Trash und Rassismus auf dem Land. 

Und jetzt freu dich, Thorsten! Dein Leben wird verfilmt! Hurra! Wer wird dich spielen und wie wird der Titel des Films lauten?
Der Titel lautet:

«Schlitzaugen-Horst – das leben eines Freigeistes!»

Und gespielt werde ich selbstverständlich von Kim Jong-Un.

Der fühlt sich geschmeichelt und freut sich.

Bild: KCNA/REUTERS

Aber was macht er da eigentlich mit seiner Hand? Egal ...

Bild: KCNA/REUTERS

So, bald habt ihr es geschafft. Damit wir aber auch etwas lernen in diesem Interview: Welche Fluchwörter in anderen Sprachen kennt ihr?

Godverdomde Typhus-hoer
Holländisch für: Gottverdammte Typhus-Hure
Kantot
Tagalok/Philippinisch für: Fuck (Anm. d. Red. Jaja, «Fuck» ist Englisch, aber was haben wir hier schon zu melden ...)

Und was findet ihr, sagen sich die Menschen heutzutage gegenseitig zu wenig?

«Ihr seid verdammte, haltungslose Pfeifen.»

Das ist doch ein schönes Abschlusswort! Danke, wir sehen uns an eurem Konzert in Winterthur. Nicht vergessen: Donnerstag, 25. August, ab 18.30 Uhr.

DAS LINE-UP:
watson ist Medienpartner von den Winterthurer Musikfestwochen und empfiehlt euch vor allem die vielen, tollen, Gratiskonzerte, die vom 17. bis zum 28. August stattfinden.

Am Abschlusswochenende erwarten euch dann noch folgende Bands (zwar nicht gratis, lohnt sich trotzdem! «Das müsst ihr ja sagen!», denkst du jetzt vielleicht. Das finden wir gut, bleib kritisch!):

Freitag, 26. August
Neonschwarz (D)
Dub Fx (AUS)
Irie Révoltés (D)

Samstag, 27. August
Elias (SWE)
Daughter (UK)
Tom Odell (UK)

Sonntag, 28. August
Band of Skulls (UK)
Pennywise (US)
Frank Turner & The Sleeping Souls (UK)

Hier gibt's Tickets >>
Und hier das gesamte Programm >>

Für richtige Profis folgt hier noch das Band-Bilderrätsel: Erkennst du alle Musiker?

1 / 129
Band-Bilderrätsel: Erkennst du alle Musiker?
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

Was ein Statistik-Professor über lügnerische Zahlen und falsche Ängste zu sagen hat

Walter Krämer erzählt, wie mit fragwürdigen Studien Panik gemacht wird, während wir uns eigentlich vor ganz anderen Dingen fürchten sollten.

Herr Krämer, Sie sind Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik und entlarven als solcher gern zwielichtige Datenanalysen. Haben Sie derzeit eine Lieblingsstatistik? Walter Krämer: Ja. Das ist die Tabelle der Fussball-Bundesliga. Ich wohne direkt neben dem BVB-Stadion und bin seit mehr als einem Dutzend Jahren BVB-Aktionär.

Sie haben die Deutschen mal als «Volk von Innummeraten» (Zahlen-Analphabeten) bezeichnet und ihre bedauerliche Schwäche Goethe, dem dichtenden …

Artikel lesen
Link zum Artikel