Antarktis-Forscherin berichtet über Weihnachten am Südpol
Weihnachten in der Antarktis, aber besonders kalt ist es dort aktuell nicht. Es ist Hochsommer am Südpol und das heisst: viel Sonne, die nicht untergeht, und Temperaturen knapp unter null Grad. Gina Schulz erlebt hier die Feiertage am anderen Ende der Welt.
Die Meteorologin stammt aus der deutschen Ortschaft Kiedrich im Rheingau, nahe Wiesbaden, und arbeitet derzeit auf der deutschen Forschungsstation Neumayer III. Seit rund einem Monat ist die 24-Jährige dort, mit einem neunköpfigen Überwinterungsteam wird sie ein ganzes Jahr auf der Station verbringen.
Weihnachten fällt dort in eine besondere Jahreszeit. «Hier ist Hochsommer und das merkt man auch», sagt Schulz. Aktuell sei es mild, grössere Stürme habe es bislang nicht gegeben. Während des Interviews zeigt der Wetterbericht minus vier Grad und Sonne. «Die Sonne läuft hier wirklich einmal im Kreis herum und geht nicht unter», sagt sie.
Weihnachten im Hochsommer
Gefeiert wird trotzdem. Schulz erlebt Weihnachten in der Antarktis zum ersten Mal. Rund 40 Menschen sind derzeit auf der Station. An Heiligabend sei ein gemeinsames Abendessen geplant. «Ich weiss, dass es abends ein Buffet geben wird, mit einer Mischung aus ganz normalem Weihnachtsessen und vegetarischen Sachen.»
Ein wenig Weihnachtsatmosphäre gibt es bereits. «Es gibt von einzelnen Personen immer mal die Bemühung, ein bisschen Weihnachtsstimmung mit Weihnachtsmusik reinzubringen.» Auf den Tischen stehe Weihnachtsgebäck, dazu etwas Dekoration. In ihrem Zimmer hänge ausserdem ein Adventskalender.
«Das ist schon ein komisches Gefühl»
In Weihnachtsstimmung ist Schulz dennoch noch nicht so recht. «Hier ist gerade Hochsommer und ich höre Weihnachtslieder – das ist schon ein komisches Gefühl.» Die grosse Feier komme später. «Mittwinter ist hier eine grosse Festivität.» Trotzdem sagt sie: «Es ist schon etwas Besonderes, Weihnachten in dieser Art feiern zu können.»
Geschenke von zu Hause wird es an Heiligabend für die meisten vermutlich nicht geben. Die nächste grosse Versorgungslieferung kommt Anfang Januar mit dem Eisbrecher «Polarstern» zur Station. Mit der Lieferung werden auch Briefe und Päckchen für die Crew erwartet.
Messungen wichtig für die Klimaforschung
Schulz ist Teil des neunköpfigen Überwinterungsteams. Neben ihr arbeiten ein Stationsleiter, der zugleich Chirurg ist, ein stellvertretender Stationsleiter aus dem technischen Bereich, eine Elektrikerin, ein IT-Ingenieur, der auch als Funker eingesetzt ist, und ein Koch auf der Station. Die wissenschaftliche Arbeit übernehmen Schulz als Meteorologin, die aus Mainz stammende Luftchemikerin Isabella Hrabe de Angelis sowie zwei Geophysiker.
Zu den Aufgaben von Schulz zählen tägliche Messungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Strahlung, der Start eines Wetterballons sowie regelmässige Wetterbeobachtungen, die an den Deutschen Wetterdienst übermittelt werden. Ziel der Arbeit sei es, Messreihen über lange Zeit fortzuführen. «Lange Zeitreihen sind sehr wertvoll für die Wissenschaft und insbesondere in Bezug auf die Klimaforschung.»
Der klar strukturierte Arbeitsalltag trage auch dazu bei, dass sie sich auf der Station bislang nicht eingeengt fühle. «Die Station ist ziemlich gross», sagt Schulz. «Ich habe bis jetzt noch nicht das Gefühl von Lagerkoller.»
Auf die Bedingungen in der Antarktis wurde das Team vorab intensiv vorbereitet. Vier Monate trainierten sie in Deutschland, unter anderem bei Berg- und Brandschutzkursen. Ganz neu ist die Polarregion für Schulz nicht. «Ich war im Studium insgesamt ein gutes Jahr in der Arktis.» Ein ganzes Jahr bleibt sie nun auf der Station auf dem gegenüberliegenden Pol.
Kontakt nach Hause sei für die Meteorologin auch aus der Ferne möglich. Während des Videotelefonats reisst die Verbindung zwar kurz ab, insgesamt funktioniere das Internet aber gut. «Manchmal habe ich das Gefühl, das Internet ist hier besser als an manchen Orten in Deutschland», sagt Schulz.

