DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Die problematische Norm: Dünnsein. bild: shutterstock

Das ist #thinprivilege – wenn dünne Menschen es einfacher haben

Gunda Windmüller / watson.de



«Meine Kollegin hat mir einen Bekannten vorgeschlagen, den ich unbedingt mal zu einem Blind Date treffen sollte. Als sie mir dann ein Foto von ihm zeigte, dachte ich nur: ‹Oh nein, nicht schon wieder.› Denn er war dick.»

Das erzählt mir meine Freundin Lisa. Sie erzählt es mir, um zu zeigen, wie Leute mit ihr als dicker Frau umgehen. Ganz automatisch, ohne gross nachzudenken.

«Ich bin dick. So sehen mich zumindest alle. Und dick heisst für die meisten nicht attraktiv. Deswegen werde ich automatisch nur anderen Dicken als Date vorgeschlagen. Weil ‹wir› angeblich in einer anderen Liga spielen.»

Was Lisa mir erzählt hat, hat mich nachdenklich gemacht. Ich finde es grausam, wie Lisa nur wegen ihres Gewichts von ihren Mitmenschen schon in die Kategorie «not so hot» abgeschoben wird und dort dann bitteschön mit anderen Menschen, mit denen sie vielleicht gerade mal den BMI teilt,  zusammenpassen soll.

Mich hat es aber auch nachdenklich gemacht, weil ich mich selber schon bei solchen Gedanken ertappt habe. Dabei ertappt habe, wie ich Menschen wegen ihres Körpergewichts in Schubladen gesteckt habe. Auch charakterlich.

Schlank sein, oder zumindest so zu wirken, ist die Norm. Es ist die Norm, und damit sagt es auch etwas über die Menschen aus, die als schlank wahrgenommen werden. Ein schlanker Körper wird als schöner, gesünder, fitter, disziplinierter wahrgenommen. Ob die Person fit, gesund, diszipliniert ist, oder nicht.

Vor allem für Frauen gilt dieses Schlankheitsideal. Und es ist nicht nur einfach ein Ideal – etwas, das wir im Alltag ignorieren könnten. Es bestimmt unseren Alltag. Ganz konkret.

Ein Beispiel: Schlankere Frauen verdienen mehr als dickere Frauen.

Das haben Forscher des Instituts zur Zukunft der Arbeit herausgefunden. In einer Studie konnten sie zeigen, dass Frauen, die einen BMI von 21,5 hatten, im Vergleich am besten verdienten. Dabei lagen übergewichtige Frauen zum Teil bis zu 12 Prozent unter dem Gehalt der sehr Schlanken.

«Wie die Studie zeigt, gehen mit steigendem Gewicht die Verdienstchancen stetig bergab. Dass dies auf gesundheitliche Effekte zurückzuführen ist, schliessen die Wissenschaftler aus, zumal sie den Gesundheitszustand der Befragten bei ihrer Analyse ebenfalls berücksichtigten.»

Pressemitteilung Uni Potsdam

Schlankheit wird mit Attraktivität assoziiert, so die Forscher, und das wirke sich auf die Bewertung der Arbeitsfähigkeit aus.

Wer dünn ist, geniesst also Vorteile, die dickere Menschen nicht haben. Einfach so. Das wird von Online-Aktivisten «thin privilege» genannt – Beispiele dafür werden zum Beispiel auf dem Tumblr thisisthinprivilege gesammelt.

Auf Twitter hat die Bloggerin Cora Harrington dieses Phänomen gerade in einer Reihe von Tweets erklärt.

«Hey, du musst dich nicht dünn fühlen, um dieses Privileg zu geniesen. Dünn sein ist kein Gefühl. Wenn andere Leute dich so wahrnehmen, dann bist du es. Wenn du in einen Klamottenladen reinlaufen kannst und eine ganze Reihe an passenden Grössen findest, bist du dünn.»

«Keiner sieht online ein Foto von mir und sagt mir, dass ich abnehmen muss oder sieht mich abschätzig an, wenn ich etwas Süsses esse.»

«Niemand beschwert sich, oder rollt mit den Augen, wenn er neben mir im Bus oder Flieger sitzen muss.
Niemand kommentiert überhaupt meinen Körper. Die Möglichkeit, durchs Leben zu gehen, ohne dass dir Leute sagen, du solltest abnehmen ... wenn man sich darüber keine Sorgen machen muss, dann ist das ein Privileg.»

«Nochmal: thin privilege bedeutet nur, dass dein Leben nicht noch extra schwierig gemacht wird WEGEN deinem Gewicht. Es bedeutet, dass dein Gehalt, deine Krankenversicherung oder dein Platz im Flieger nicht von deinem Gewicht definiert werden.»

Klar, «thin privilege» heisst nicht, dass dünne Menschen nicht auch durch andere körperliche Merkmale diskriminiert werden können. Wer eine grosse Nase, unreine Haut oder abstehende Ohren hat, wird abschätzige oder bemitleidende Blicke und Kommentare von Mitmenschen auch kennen. Genauso wie Leute, die als «zu dünn» wahrgenommen werden.

«Aber wenn ich dann höre, wie jemand Superschlankes sagt, sie leide so unter ihren krisseligen Locken, dann denke ich immer: ‹Dann geh doch zur Diskriminierungsmeisterschaft!›», meint Lisa, als ich mit ihr darüber rede.

«Ich will niemandem sein Körpergefühl wegnehmen», erklärt sie, «aber ich will, dass die ganzen ‹Dünnen› endlich mal sehen, wie selbstverständlich sie sich als Norm wahrnehmen. Und wie ich mich fühle, wenn sie mich wie einen Menschen zweiter Klasse behandeln. Auch wenn es nicht böse gemeint ist.»

#thinprivilege – In welchen Bereichen haben dünnere Menschen noch Vorteile? Oder seht ihr das ganz anders?

Vielfältiges Körperbild – von wegen!

Video: srf/SDA SRF

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Weil die Grillsaison bald startet: 17 tolle vegetarische und vegane Rezepte vom Rost

Es ist schön und endlich wieder wärmer. Höchste Zeit also, den Grill aus dem Keller zu holen und einzuheizen. Du isst weder Fleisch noch Fisch? Keine Angst! Mit diesen vegetarischen und veganen Rezepten wird die Grillsaison trotzdem zum Genuss.

Zuerst widmen wir uns ein paar Klassikern:

Doch man soll ja auch mal etwas über den eigenen Tellerrand hinaus blicken und neue Sachen ausprobieren. Deshalb folgen hier 17 vegetarische und vegane Rezepte für den Grill, die du vielleicht noch nicht gekannt …

Artikel lesen
Link zum Artikel