Dieser französische Bäcker «opfert» sich für die Ukraine
In seinem in der Region Kiew geparkten Lastwagen knetet Loïc Nervi energisch den Teig, bevor er Dutzende Backformen in den Ofen schiebt. Daraus entsteht das Brot, das er anschliessend an Ukrainer verteilt. Für den freiwilligen französischen Bäcker ist es eine Möglichkeit, sie in einem besonders eisigen Winter zu unterstützen.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Während die Ukraine wegen russischer Angriffe regelmässig mit Strom- und Heizungsausfällen konfrontiert ist, arbeitet Loïc Nervi jeden Morgen schon früh allein, um täglich rund 700 Brote zu backen. Dutzende Einwohner strömen deshalb zu seinem weissen Lastwagen – diesmal in Borodjanka bei Kiew:
Auf seiner Facebook-Seite «Le boulanger sans frontières» (Der Bäcker ohne Grenzen), auf der er Videos und Fotos seiner Reisen in die Ukraine veröffentlicht, stellt er sich als «Bäckermeister» vor, der «eine zu 100 % humanitäre mobile Bäckerei geschaffen hat – mit dem einzigen Ziel, Menschen, die im Leid leben, warmes Brot zu schenken».
Loïc Nervi erzählt, seit Beginn des Krieges im Jahr 2022 Zehntausende Brote verteilt zu haben – meist an ältere Menschen, die weder Unterstützung von ihren Familien noch vom Staat erhalten.
Er bereitet zwei Arten von Brot zu: ein Brot mit Sonnenblumen-, Sesam-, Mohn- und Leinsamen, das besonders sättigend und nahrhaft sein soll, sowie ein weiches Weissbrot auf Basis von Milch, Zucker und Eiern.
«Das ist wichtig, denn wir müssen die Ukrainer unterstützen», fährt er fort. Er ist der Meinung, dass «die meisten Franzosen (die Ukraine) nicht mehr unterstützen wollen, weil sie es satt haben» oder «denken, der Krieg sei vorbei». Der französische Bäcker erklärt:
In diesem Winter haben russische Angriffe auf das ukrainische Energienetz Hunderttausende Haushalte ohne Heizung, Wasser und Strom zurückgelassen – bei Temperaturen, die teilweise unter -20°C fielen.
Diese Angriffskampagne traf insbesondere die Hauptstadt Kiew hart, wo zeitweise bis zur Hälfte der Stadt von Stromausfällen betroffen war. Die Ukraine greift ihrerseits elektrische Infrastruktur in den russischen Grenzregionen sowie Ölraffinerien in Russland an.
«Manchmal gibt es Strom, manchmal nicht. Wenn es keinen gibt, wird es sehr schnell kalt. Und wenn es keinen Strom gibt, haben wir nichts zu essen», berichtet Vira, eine Bewohnerin von Borodjanka.
